Satirische Bildkultur wird populär
Massenhaft verbreitete satirische Bilder, sogenannte giga – Karikaturen –, werden populär.
Manga-Geschichte
Ein Zeitstrahl von frühen Bild- und Druckkulturen bis zu digitalen Manga und der deutschen Manga-Geschichte.
Diese Übersicht sammelt zentrale Eckpunkte der Manga-Geschichte. Sie verbindet historische Kontexte, wichtige Magazine, prägende Künstler*innen und bekannte Reihenstarts.
18. Jahrhundert
Massenhaft verbreitete satirische Bilder, sogenannte giga – Karikaturen –, werden populär.
19. Jahrhundert
Katsushika Hokusai beginnt, seine Hokusai Manga zu veröffentlichen – eine Reihe von Zeichenhandbüchern.
Die satirischen Ukiyo-e-Bilder von Utagawa Kuniyoshi werden zu einer Sensation.
Der britische Künstler Charles Wirgman gründet in Yokohama das satirische Magazin The Japan Punch.
1868–1912
Comic-Panels erscheinen in den 1880er-Jahren. In den 1890er-Jahren folgen Fortsetzungsgeschichten, beeinflusst durch westliche Comicstrips.
Kanagaki Robun und Kawanabe Kyōsai gründen Eshinbun Nipponchi, eines der ersten Manga-Magazine japanischer Autoren.
Das wöchentliche satirische Magazin Marumaru Chinbun wird gegründet.
Georges-Ferdinand Bigot gründet Tōbaé, ein politisch ausgerichtetes Comic-Magazin für Ausländer in Japan.
Kitazawa Rakuten macht den Begriff „Manga“ populär und gilt als einer der ersten professionellen Manga-Künstler Japans.
Kitazawa Rakuten startet mit Jiji Manga eine humoristische Beilage der Zeitung Jiji Shinpō. Die Publikation orientiert sich an westlichen Sonntagscomics und trägt dazu bei, den Begriff „Manga“ in modernen Printmedien sichtbarer zu machen.
Kitazawa Rakuten gründet Tokyo Puck, ein großformatiges Manga-Magazin. Der Titel nimmt Bezug auf das ähnlich ausgerichtete amerikanische Magazin Puck, wo Rakutens Mentor Frank A. Nankivell arbeitete.
Mit Shōnen Puck erscheint Japans erstes Manga-Magazin für Kinder.
1912–1926
Die Beliebtheit von Panel-Manga führt zur Entstehung von Manga speziell für Kinder.
Kodansha startet Shōnen Club. Das Magazin entwickelt sich zu einer der prägenden Publikationen für Jungen und trägt zur Etablierung langer Fortsetzungsgeschichten und zielgruppenspezifischer Manga-Magazine bei. 1923 folgt das Schwestermagazin Shōjo Club für Mädchen.
Mit Shō-chan no Bōken erscheint einer der frühen populären japanischen Fortsetzungscomics. Die Reihe zeigt, wie Zeitungscomics und kindgerechte Abenteuerstoffe in Japan an Bedeutung gewinnen.
Nonki na Tōsan wird zu einem bekannten frühen Yonkoma-Manga. Die Reihe steht für die wachsende Popularität kurzer Alltags- und Humorstrips in Zeitungen.
1926–1945
Wegen Zensur und Propaganda ist Manga im Zweiten Weltkrieg nicht frei verfügbar. Figuren wie Norakuro werden für Kriegspropaganda vereinnahmt.
Kamishibai, eine Form von Live-Straßentheater mit Bildern und gesprochenem Wort, entsteht und bleibt bis in die 1950er-Jahre beliebt.
Tagawa Suihōs Norakuro erscheint erstmals als Fortsetzung.
Junge Künstler der Gruppe Shin Manga-ha Shūdan bringen neue Stile in den Manga ein.
1945–1950
Nach dem Krieg entstehen billige Manga-Bücher für Kinder, besonders in Osaka. Story-Manga wird populär.
Hasegawa Machikos Sazae-san beginnt als Zeitungsstrip und wird zu einem der bekanntesten Familienmanga Japans. Die Reihe erzählt Alltagsgeschichten aus der Nachkriegszeit und macht eine weibliche Hauptfigur zum Zentrum einer langlebigen Popkultur-Ikone.
New Treasure Island / Shin Takarajima, geschrieben von Sakai Shichima und gezeichnet von Tezuka Osamu, erscheint.
Manga Shonen wird in der Nachkriegszeit zu einem wichtigen Forum für junge Zeichner. Das Magazin veröffentlicht Tezukas frühe Arbeiten, fördert Amateurbeiträge und dient späteren Künstlern aus dem Umfeld von Tokiwa-sō als Sprungbrett.
Tezuka Osamus Astro Boy / Tetsuwan Atomu beginnt als Fortsetzungs-Manga.
Tezuka Osamus Princess Knight gilt als wichtiger früher Story-Manga für Mädchen. Die Geschichte um Prinzessin Sapphire verbindet Märchen, Abenteuer und Fragen von Geschlechterrollen.
Das Apartmenthaus Tokiwa-sō wird zum Treffpunkt junger Manga-Künstler. Neben Tezuka Osamu leben dort später unter anderem Fujiko Fujio, Ishinomori Shōtarō und Akatsuka Fujio.
Die Mädchen-Manga-Magazine Nakayoshi und Ribon werden gegründet. Beide erscheinen bis heute.
Leihbüchereien und Leihmanga erleben in Japan einen Boom. Besonders für Gekiga und dramatischere Erzählformen werden diese billigen Leihbücher zu einem wichtigen Experimentierfeld.
Tatsumi Yoshihiro verwendet den Begriff „Gekiga“, um sich bewusst von kindlich wirkenden Manga abzugrenzen. Gekiga steht für ernstere, dramatischere und oft gesellschaftlich realistischere Geschichten.
1957 prägt Tatsumi Yoshihiro den Begriff „Gekiga“, 1959 entsteht Gekiga Kōbō / das Gekiga-Manifest.
Weekly Shōnen Sunday und Weekly Shōnen Magazine starten. Der Markt wechselt zunehmend von monatlichen zu wöchentlichen Veröffentlichungen.
Mit der Gruppe Gekiga Kōbō formiert sich eine Bewegung junger Künstler, die Manga für ein älteres Publikum schaffen wollen. Ihre Arbeiten beeinflussen die Entwicklung von Seinen-Manga und alternativen Manga nachhaltig.
1960–1970
Astro Boy wird als Fernseh-Anime ausgestrahlt und gilt als Japans erste im Inland produzierte TV-Anime-Serie.
Ishinomori Shōtarōs Cyborg 009 beginnt als Fortsetzungs-Manga.
Das Monatsmagazin Garo wird gegründet. Es veröffentlicht unter anderem Shirato Sanpeis The Legend of Kamui.
Monkey Punchs Lupin III beginnt als Manga und bringt einen stilvollen, anarchischen Meisterdieb in die japanische Popkultur. Die Reihe wird später durch Anime-Adaptionen international bekannt.
Tezuka Osamu gründet das experimentelle Magazin COM als Gegenstück zu Garo. Es bietet jungen Künstlerinnen und Künstlern Raum für ungewöhnliche Erzählformen und veröffentlicht unter anderem große Teile von Tezukas Phoenix.
Ashita no Joe / Fighting for Tomorrow beginnt als Fortsetzungs-Manga.
Das Magazin Shōnen Jump, später Weekly Shōnen Jump, erscheint erstmals.
Mit Big Comic erscheint ein wichtiges Magazin für erwachsene männliche Leser. Es steht für den wachsenden Markt von Seinen-Manga und für Geschichten jenseits klassischer Kinder- und Jugendmanga.
Saitō Takaos Golgo 13 startet und wird zu einer der langlebigsten Manga-Reihen Japans. Der realistischere Thriller-Stil zeigt, wie stark sich Manga in Richtung erwachsener Genres ausdifferenzieren.
Fujiko F. Fujios Doraemon beginnt und wird zu einem der bekanntesten Kinder- und Familienmanga Japans. Der Roboterkater aus der Zukunft entwickelt sich zu einer nationalen Symbolfigur.
1970–1990
Eine Gruppe von Manga-Künstlerinnen wie Hagio Moto, Takemiya Keiko und Ikeda Riyoko verändert den Shōjo-Manga grundlegend. Ihre Werke bringen psychologische Tiefe, historische Stoffe, Science-Fiction und queere Themen stärker ins Genre.
Die gemeinsame Wohnung von Hagio Moto und Takemiya Keiko wird zum kreativen Treffpunkt junger Shōjo-Manga-Künstlerinnen. Der sogenannte Ōizumi Salon spielt eine wichtige Rolle für die Vernetzung der später als Year 24 Group bezeichneten Generation.
Hagio Motos The Poe Clan beginnt als Fortsetzungs-Manga.
Ikeda Riyokos The Rose of Versailles beginnt als Fortsetzungs-Manga.
Keiji Nakazawas Hadashi no Gen beginnt in Japan als Manga über den Atombombenabwurf auf Hiroshima. Die autobiografisch geprägte Reihe wird später auch international zu einem wichtigen Antikriegswerk.
Der Comic Market / Comiket findet statt. Dōjinshi werden ein wichtiger Teil der Manga- und Otaku-Kultur.
Kochira Katsushika-ku Kameari Kōen-mae Hashutsujo, kurz KochiKame, startet in Weekly Shōnen Jump. Die Comedy-Reihe über eine Polizeiwache in Tokio läuft über Jahrzehnte und wird zu einem Symbol langlebiger Magazinkultur.
Der Comic Market / Comiket findet statt. Dōjinshi werden ein wichtiger Teil der Manga- und Otaku-Kultur.
Takemiya Keikos Kaze to Ki no Uta beginnt. Die Reihe behandelt offen Liebe und Sexualität zwischen männlichen Figuren und wird zu einem wichtigen Wegbereiter von Shōnen-ai und späteren Boys-Love-Manga.
Takahashi Rumiko beginnt mit Urusei Yatsura ihre erste große Erfolgsserie. Die Mischung aus Romcom, Science-Fiction und Slapstick prägt viele spätere Manga- und Anime-Komödien.
Mit Magazinen wie Be Love wird Manga für erwachsene Frauen sichtbarer. Josei-Manga erweitert den Markt um Geschichten über Beruf, Beziehungen, Alltag und erwachsenere Lebensrealitäten.
Takahashi Yōichis Captain Tsubasa startet in Weekly Shōnen Jump. Der Fußballmanga wird international bekannt und beeinflusst die Popularität des Sports bei vielen jungen Leserinnen und Lesern.
Keiji Nakazawas autobiografischer Manga erscheint als einer der ersten Manga in Deutschland.
Ōtomo Katsuhirōs Akira beginnt in Japan als Fortsetzungs-Manga. Die dystopische Science-Fiction-Reihe setzt neue Maßstäbe für Detailreichtum, Actioninszenierung und erwachsene Manga-Erzählungen.
Miyazaki Hayaos Nausicaä aus dem Tal der Winde beginnt als Manga im Magazin Animage. Die Reihe verbindet ökologische Themen, Krieg, Fantasy und Science-Fiction und bereitet auch Miyazakis späteren Anime-Erfolg mit vor.
Toriyama Akiras Dragon Ball beginnt als Fortsetzungs-Manga.
Araki Hirohikos JoJo’s Bizarre Adventure beginnt als Fortsetzungs-Manga.
Der Kinofilm zu Akira erscheint 1988; ab 1989 wird er international gezeigt und kommt 1991 nach Deutschland. Das Zusammenspiel von Film und Manga trägt wesentlich dazu bei, Manga und Anime im Westen als Medien für ein erwachsenes Publikum sichtbar zu machen.
Am 9. Februar stirbt Tezuka Osamu.
1990–April 2019
Inoue Takehikos Slam Dunk beginnt als Fortsetzungs-Manga.
Carlsen veröffentlicht mit Akira die erste längere Manga-Serie hierzulande noch in westlicher Leserichtung.
Takeuchi Naokos Sailor Moon beginnt als Fortsetzungs-Manga.
Aoyama Gōshōs Case Closed / Detective Conan beginnt als Fortsetzungs-Manga.
Mit AnimaniA erscheint das erste deutschsprachige Fachmagazin, das sich ausschließlich Anime, Manga und verwandter japanischer Popkultur widmet.
Das Yokote Masuda Manga Museum wird eröffnet. Es ist eines der frühen Museen, die Manga nicht nur als Unterhaltung, sondern auch als sammlungs- und ausstellungswürdige Kulturform präsentieren.
Egmont bringt Sailor Moon auf den Markt.
Oda Eiichirōs One Piece beginnt als Fortsetzungs-Manga.
Carlsen startet das Dragon Ball-Magazin und den regulären Taschenbuch-Release. Manga erreichen ein jugendliches Massenpublikum.
Kishimoto Masashis Naruto beginnt als Fortsetzungs-Manga.
Manga erscheinen zunehmend in japanischer Leserichtung und im unveränderten Taschenbuch-Format.
Panini beginnt unter dem Label Planet Manga mit Manga in Deutschland. Im gleichen Jahr findet in Leinfelden-Echterdingen die Gründung der Egmont Manga & Anime GmbH statt.
Kubo Tites Bleach beginnt als Fortsetzungs-Manga.
Magazine wie BANZAI! und DAISUKI orientieren sich an japanischen Vorbildern und drucken mehrere Serien kapitelweise ab.
Mit TOKYOPOP drängt ein weiterer wichtiger Verlag auf den deutschen Manga-Markt.
Judith Parks Dystopia erscheint zunächst in Daisuki und anschließend als Sammelband. Zusammen mit Zeichnerinnen wie Christina Plaka oder Anike Hage steht das Werk für die Etablierung professionell verlegter Manga deutschsprachiger Künstlerinnen und Künstler.
Das Kyoto International Manga Museum öffnet seine Türen. Es verbindet Museum, Bibliothek und Archiv und wird zu einem wichtigen Ort für die Bewahrung und Erforschung von Manga.
Isayama Hajimes Attack on Titan beginnt als Manga und wird zu einem der prägenden internationalen Erfolge der 2010er-Jahre.
KAZÉ Manga startet 2012 im deutschsprachigen Markt; 2022 werden die KAZÉ-Marken unter Crunchyroll weitergeführt.
Tagame Gengorōs My Brother’s Husband beginnt als Fortsetzungs-Manga.
Shueisha startet mit Shōnen Jump+ eine digitale Manga-Plattform. Sie wird später zur Heimat erfolgreicher Reihen wie Spy × Family, Dandadan und weiterer digital gestarteter Hits.
Die Manga-Comic-Con findet erstmals als eigener Bereich parallel zur Leipziger Buchmesse statt.
Gotōge Koyoharus Demon Slayer beginnt in Weekly Shōnen Jump. Durch Manga, Anime und Kinofilm wird die Reihe zu einem der größten Manga-Phänomene der späten 2010er- und frühen 2020er-Jahre.
Mit Manga Cult und altraverse treten neue wichtige Akteure in den deutschen Manga-Markt ein.
In Japan übersteigen die Umsätze digital vertriebener Manga erstmals die Umsätze gedruckter Sammelbände. Damit wird der Übergang von der klassischen Magazin- und Tankōbon-Kultur zu Apps, E-Manga und Simulpubs auch wirtschaftlich sichtbar.
Shueisha startet mit MANGA Plus einen offiziellen internationalen Manga-Service. Viele Kapitel erscheinen dort zeitnah zu Japan und machen Simulpubs sichtbar.
April 2019–2020s
Das British Museum zeigt die bis dahin größte Manga-Ausstellung außerhalb Japans. Die Ausstellung behandelt Manga ausdrücklich als Kunstform, Industrie, gesellschaftliches Phänomen und globales Kulturgut.
Der japanische Manga-Markt überschreitet erstmals die Marke von 600 Milliarden Yen. Besonders der stark wachsende Digitalmarkt und der außergewöhnliche Erfolg von Demon Slayer treiben die Entwicklung an.
Carlsen startet 2021 das zusätzliche Manga-Label Hayabusa, mit Fokus unter anderem auf Boys Love, Romance, Slice of Life und queere Geschichten.
papertoons wird als deutscher Verlag mit Spezialisierung auf Webtoons und Manhwa gegründet.
Der Kleinverlag Dokico wird gegründet, mit Fokus auf Light-Novel- und Manga-Veröffentlichungen.
Der erste Manga Day findet in Deutschland und Österreich statt. Kostenlose Leseproben in Buchhandlungen und Bibliotheken prägen den Aktionstag.
Takahashi Rumiko wird vom französischen Staat mit dem Ordre des Arts et des Lettres ausgezeichnet.
Der Kleinverlag Yomeru gründet sich.
Chiba Tetsuya erhält den japanischen Kulturorden. Er ist der erste Manga-Künstler, dem diese Auszeichnung verliehen wird.
Im September 2024 steigt der Loewe Verlag ins Mangageschäft ein.
Mit One Piece und Chainsaw Man erscheinen erstmals große Shueisha-Titel offiziell und kostenlos im deutschen Simulpub auf MANGA Plus.
Splitter kündigt Ende 2024 sein Manga-/Webtoon-/Manhua-/Manhwa-Label Splitter Manga+ an; das Startprogramm folgt ab 2025.
AniMoon Publishing gründet 2025 mit MangaMoon ein eigenes Manga-Label.
MANGA ISSHO startet als gemeinsames europäisches Manga-Magazin mehrerer Verlage. Das Projekt will europäische Manga-Talente sichtbar machen und erscheint gleichzeitig in mehreren Ländern und Sprachen.
Nach der Übernahme der VIZ Media Europe Group durch Crunchyroll wurde die Marke Kazé im Jahr 2022 zunächst in Crunchyroll überführt. Ab April 2026 kehrte das Label KAZÉ zurück. Offiziell ist die Manga-Sparte von HarperCollins Publishers inzwischen als eigenständiges Tochterunternehmen unter dem Namen Pegasus Manga GmbH organisiert.