Mit der Manga-Biografie über Ludwig van Beethoven gelingt ein besonderer Spagat: Das Werk erzählt auf unterhaltsame und zugängliche Weise das Leben eines der bedeutendsten Komponisten der Musikgeschichte, ohne dabei die Ernsthaftigkeit seiner Lebensstationen zu vernachlässigen.
In Japan wurde der Titel im Magazin Komikku-ban Sekai no Denki von Poplar Publishing veröffentlicht, welches de Leserschaft historische Figuren näherbringt. Mangaka Natsumi Mukai ist hierzulande für +Anima bekannt, das in der Vergangenheit durch TOKYOPOP veröffentlicht wurde. In Japan hat die Mangaka nach dem Werk vor allem biografische Titel gezeichnet.
Ullmann veröffentlicht den Manga als Teil der “Manga Biografien”-Serie. Bereits erschienen ist aus der Reihe neben Beethoven auch bereits Kleopratra. Ende September sollen Biografien über Röntgen und Elisabeth I. folgen.

Story: Yamaha Music Media Corporation, Zeichnungen: Natsumi Mukai | Originaltitel: Beethoven | Übersetzung: Timo Jankowski | Genre: Biografie Verlag: Ullmann| Preis: 10,00€ | mehr Informationen auf der Verlagsseite

Wie war’s?
Im Zentrum steht das Leben des 1770 in Bonn geborenen Komponisten Beethoven, das mit einem schwierigen Start beginnt. Schon früh zeigt Ludwig ein außergewöhnliches Talent für Musik, doch sein Vater – selbst Musiker – versucht, ihn mit harter Hand und viel Druck zu einem zweiten Mozart zu formen. Diese strenge, oftmals gewaltsame Erziehung bremst Ludwig eher, als dass sie ihn beflügelt. Erst durch spätere Lehrer und Förderer gelingt es ihm, sein volles Potenzial zu entfalten. Der Manga zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie Beethoven trotz familiärer Konflikte, gesundheitlicher Rückschläge und gesellschaftlicher Hürden nie aufhört, für seine Musik zu leben.
Besonders spannend ist die Darstellung seines Kampfes mit der fortschreitenden Taubheit. Dieser tragische Aspekt seines Lebens zieht sich durch die Erzählung und wird zum entscheidenden Element seiner künstlerischen Entwicklung. Selbst als er fast nichts mehr hören kann, komponiert er weiter, aus seinem Innersten heraus. Dass seine berühmte Neunte Symphonie in genau dieser Zeit entstand, unterstreicht seine Ausnahmestellung in der Musikgeschichte. Der Manga macht diese Umstände für ein junges Publikum greifbar, ohne sie zu dramatisieren oder zu romantisieren.
Die Zeichnungen sind bewusst auf ein jüngeres Publikum zugeschnitten. Der Stil wirkt modern, klar und ausdrucksstark, verzichtet jedoch auf übermäßige Detailtiefe. Beethovens wilde Haarmähne ist ebenso markant wie die schlichten, aber passenden Kleidungen der Figuren. Die Mimik ist deutlich lesbar, auch wenn die Emotionen manchmal etwas steif wirken. Bei Nebenfiguren bleiben die Designs eher funktional, während sich bei Objekten wie Instrumenten oder Möbeln mehr Mühe erkennen lässt. Die Hintergründe fügen sich harmonisch in das Gesamtbild ein, sind aber ebenfalls eher sparsam als detailverliebt.
Erzählerisch schafft es der Manga, wichtige Stationen von Beethovens Leben kompakt zu präsentieren. In sechs Kapiteln auf knapp 100 Seiten werden Themen wie seine Kindheit, die frühe Karriere in Wien, seine Enttäuschungen in der Liebe und die politischen Umbrüche seiner Zeit behandelt. Dass die Darstellung dabei nicht in die Tiefe geht, ist angesichts des jungen Zielpublikums nachvollziehbar. Allerdings hätte man sich an einigen Stellen etwas mehr erzählerischen Feinschliff oder historische Genauigkeit gewünscht. So wird beispielsweise nicht konsequent dargestellt, wie sich Beethovens Hörverlust entwickelt. In manchen Szenen wirkt es, als könne er trotz Ertaubung noch Gespräche verfolgen, obwohl er dort bereits Konversationshefte nutzte.
Auch gibt es eine Unaufmerksamkeit, was Beethovens erstes Konzert angeht. Während im Manga selbst die Rede von sieben Jahren ist, ist in der angehängten Biografie von acht Jahren die Rede. Ob der Fehler so aus dem japanischen übernommen wurde, lässt sich von meiner Seite nicht sagen, klar ist aber, er hätte so oder so redaktionell überprüft und korrigiert werden sollen. Beethovens erstes öffentliches Konzert fand am 26. März 1778 in Köln statt, womit er sieben Jahre und drei Monate war. Man kann davon ausgehen, dass in dem Zeitstrahl weitere Fehler vorhanden sein könnten, da hier nach Jahren gerechnet wird, nicht aber die Monate des Ereignisses einbezogen werden.
Trotz dieser Schwächen überzeugt das didaktische Konzept. Der Manga endet nicht mit der Geschichte selbst, sondern bietet im Anhang einen gut 18-seitigen Dokumentationsteil, der weit über eine reine Biografie hinausgeht. Neben einer chronologischen Übersicht von Beethovens Leben gibt es Erklärungen zu den Epochen der klassischen Musik, Hinweise auf wichtige Werke und Einblicke in das gesellschaftliche und politische Umfeld der damaligen Zeit. Dieser Teil ist besonders gelungen und vermittelt fundiertes Wissen auf verständliche und visuell ansprechende Weise.
Der Band richtet sich primär an die jüngere Leserschaft, ist jedoch auch für ältere Manga-Fans interessant, die sich auf charmante und kurzweilige Weise mit einer historischen Figur auseinandersetzen wollen. Insbesondere im schulischen Kontext, etwa im Musik- oder Geschichtsunterricht, bietet sich dieser Manga hervorragend an.
Der Sprachstil des Mangas ist insgesamt klar und einfach gehalten, was zur Zielgruppe passt. Gleichzeitig gelingt es dem Text, wichtige Sachverhalte verständlich zu vermitteln, ohne dabei belehrend zu wirken. Dennoch gibt es vereinzelt Stellen, an denen die Sprache fast zu salopp wirkt, denn Begriffe wie „Jupp“ oder allzu moderne Redewendungen reißen meiner Meinung aus dem historischen Kontext. Andere Begriffe wie “Oberschicht” hätte man durch die Erklärungswörter am Rand wie in diesem Fall “Adelige” ersetzen können, um die Randnotizen zu entlasten.
Von Ullmann wird der Manga im Großformat herausgegeben. Die Papierqualität ist gut und es gibt zu Beginn des Bandes zahlreiche farbige Illustrationen.
Fazit
Die Manga-Biografie Beethoven ist ein lesenswerter Einstieg in das Leben und Schaffen eines der größten Komponisten aller Zeiten. Die Geschichte ist verständlich erzählt und wird ergänzt durch ein umfangreiches Begleitmaterial, das nicht nur junge Leserinnen neugierig macht. Auch wenn inhaltlich nicht jede Szene historisch einwandfrei umgesetzt ist, überwiegt der pädagogische Mehrwert. Wer Kindern oder Jugendlichen einen ersten Zugang zu klassischer Musik und Biografien eröffnen möchte, findet hier meiner Meinung nach einen guten Startpunkt.



