The Credits Roll into the Sea (Band 1)

The Credits Roll into the Sea (Band 1)

12. August 2026 · Englische Manga
The Credits Roll into the Sea (Band 1)

John Tarachines The Credits Roll into the Sea erzählt von Trauer, einem späten Neuanfang und der Frage, ob man irgendwann tatsächlich zu alt dafür ist, etwas Neues zu wollen. Die Antwort lässt sich recht schnell erahnen. Der Weg dorthin fällt trotzdem nicht immer leicht.

Manga-Daten

Originaltitel
Umi ga Hashiru End Roll
Mangaka
John Tarachine
Verlag
Dark Horse
Veröffentlichung
09.06.2026
ISBN
9781506752136
Sprache / Ausgabe
Englisch
Übersetzung
Jocelyne Allen
Genre
Slice of Life
Demografie
Shojo
Preis
17,50 €

Hinweis: Englischsprachige Manga unterliegen keiner Preisbindung. Der angegebene Preis kann entsprechend abweichen.

Passt der Manga zu dir?

Für dich, wenn …

  • … Du magst ruhige Geschichten, die sich Zeit für ihre Figuren nehmen.
  • … Du suchst nach einer erwachsenen Hauptfigur abseits der üblichen Manga-Altersgruppen.
  • … Dich interessieren Kino, kreatives Arbeiten und die Entstehung eigener Ideen.
  • … Du liest gerne von ungewöhnlichen, generationenübergreifenden Beziehungen.
  • … Du möchtest eine hoffnungsvolle Geschichte über Trauer und einen Neuanfang.

Eher nicht für dich, wenn …

  • … Du erwartest eine schnelle Handlung mit vielen dramatischen Wendungen.
  • … Du brauchst eine klar erkennbare Romanze im Mittelpunkt.
  • … Dir sind nachdenkliche Alltagsmomente schnell zu ruhig.
  • … Du möchtest bereits im ersten Band sämtliche Hintergründe der Figuren erfahren.
  • … Du kannst mit Geschichten über Verlust und das Leben nach einem Todesfall wenig anfangen.

Stimmung

warm · melancholisch · hoffnungsvoll · ruhig · kreativ

Themen

Trauer · Neuanfang · Alter · Kino · Kreativität

Eine 65-jährige Witwe, die sich an einer Kunsthochschule einschreibt, um Filme zu drehen. Umiko ist schon allein deshalb eine ungewöhnliche Hauptfigur. Ältere Frauen bekommen in Manga schließlich nur selten eine eigene Geschichte. Oft stehen sie irgendwo am Rand, kümmern sich um ihre Familie, verteilen Ratschläge oder werden für einen kurzen Gag hervorgeholt.

Umiko darf hingegen neugierig sein. Sie darf unsicher werden, etwas Neues lernen und mit 65 noch einmal einen ziemlich großen Wunsch entwickeln. Das klingt eigentlich selbstverständlich. Ist es in Manga aber längst nicht immer.

John Tarachines The Credits Roll into the Sea erzählt von Trauer und einem späten Neuanfang. Vor allem stellt der Manga die Frage, ob man irgendwann tatsächlich zu alt dafür ist, etwas Neues zu wollen. Die Antwort lässt sich recht schnell erahnen. Umikos Weg dorthin fällt trotzdem nicht immer leicht.

In Japan startete die Reihe unter dem Titel Umi ga Hashiru End Roll im Oktober 2020 im monatlich erscheinenden Magazin Mystery Bonita von Akita Shoten. Der erste Sammelband folgte im August 2021. Im November 2025 endete die Magazinveröffentlichung, der neunte und zugleich letzte Band erschien im Mai 2026.

Die Reihe fand früh viel Beachtung. Bei Kono Manga ga Sugoi! 2022 belegte sie den ersten Platz in der Kategorie für Leserinnen, beim Manga Taishō 2022 erreichte sie Platz neun. Inzwischen wurde außerdem eine Anime-Adaption von Kyoto Animation angekündigt, die 2027 in Japan starten soll.

Die englische Ausgabe erscheint seit Juli 2026 bei Dark Horse Manga. Wer bereits einige der regulären Manga-Ausgaben des Verlags in der Hand hatte, dürfte schnell merken, dass Dark Horse sich bei dieser Lizenz Mühe gibt. Der Manga erscheint im Großformat und auf hochwertigem Papier.

Worum geht es?

Vor zwei Monaten ist Umikos Ehemann gestorben. Seitdem lebt die 65-Jährige allein und versucht, sich in ihrem neuen Alltag zurechtzufinden. Sie kocht, schaut fern und nimmt die Tage erst einmal so, wie sie kommen. Vollkommen unglücklich wirkt sie dabei nicht. Eher etwas ziellos, als hätte ihr Leben seine bisherige Form verloren und noch keine neue gefunden.

Als ihr alter Videorekorder nicht mehr funktioniert, muss Umiko an die Kinobesuche mit ihrem Mann denken. Kurz darauf sitzt sie zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder in einem Kinosaal. Dort begegnet sie Kai Hamauchi, einem jungen Kunststudenten, der Film studiert.

Kai fällt auf, dass Umiko während der Vorstellung weniger auf die Leinwand als auf die anderen Zuschauer*innen achtet. Er erkennt etwas in ihr, das Umiko selbst noch nicht richtig benennen kann. Sie möchte Filme nicht bloß ansehen. Sie möchte selbst hinter der Kamera stehen.

Dieser Gedanke lässt Umiko nicht mehr los. Schließlich fasst sie einen durchaus gewagten Entschluss und schreibt sich an der Kunsthochschule ein, an der auch Kai studiert. Mitten unter wesentlich jüngeren Studierenden beginnt für sie ein neuer Lebensabschnitt.

Wie war’s?

Umiko hat mir praktisch vom ersten Kapitel an gefallen. Das liegt vermutlich auch daran, dass John Tarachine sie nicht auf ihre Rolle als trauernde Witwe reduziert. Ihr Mann fehlt ihr natürlich. Das merkt man an alten Videokassetten, Erinnerungen und den kleinen Lücken in ihrem Alltag. Trotzdem besteht Umikos Leben nicht ausschließlich aus diesem Verlust.

Sie ist aufmerksam, manchmal eigensinnig und gelegentlich erstaunlich entschlossen. Dann wiederum zögert sie, zweifelt an sich und fragt sich, ob sie an einer Kunsthochschule überhaupt etwas verloren hat. Genau diese Mischung funktioniert für mich sehr gut.

Umiko hat viel erlebt und bringt dadurch einen anderen Blick mit als ihre Kommiliton*innen. Das bedeutet allerdings nicht, dass ihr an der Hochschule alles leichtfällt. Sie muss technische Dinge lernen, sich in einer ungewohnten Umgebung orientieren und damit umgehen, dass ihre Anwesenheit auffällt. Lebenserfahrung hilft eben nicht automatisch dabei, eine Kamera zu bedienen oder aus einer vagen Idee einen Film zu machen.

Auch ihre Entscheidung für das Studium wird nicht zu einem simplen „Folge deinen Träumen“-Moment. Umiko kostet es Überwindung, überhaupt zur Hochschule zu gehen. Sie fragt sich, ob sie dort hingehört. Andere stellen sich dieselbe Frage. Und selbst nachdem sie sich eingeschrieben hat, verschwindet ihre Unsicherheit nicht plötzlich.

Das hat mir gut gefallen.

Ein Neuanfang macht Umiko schließlich nicht zu einem vollkommen anderen Menschen. Er löscht auch ihr bisheriges Leben nicht aus. Ihr Mann, die gemeinsame Zeit und die Trauer bleiben ein Teil von ihr. Gleichzeitig entdeckt sie etwas, für das es bislang offenbar nie den richtigen Augenblick gab.

Ausgelöst wird dieser Schritt durch Kai. Er ist deutlich jünger, tritt recht selbstbewusst auf und scheint sich in der Welt des Films wesentlich sicherer zu bewegen. Ganz so einfach ist es bei ihm jedoch nicht. Hinter seiner direkten Art verstecken sich eigene Zweifel, familiärer Druck und Erfahrungen, über die er nur langsam spricht.

Im ersten Band blieb Kai für mich deshalb noch etwas schwer greifbar. Während ich Umiko sehr schnell nahekam, habe ich ihn zunächst eher aus der Entfernung beobachtet. Das scheint durchaus beabsichtigt zu sein, sorgt im Auftakt aber für ein kleines Ungleichgewicht zwischen den beiden Hauptfiguren.

Ihre Beziehung funktioniert trotzdem ziemlich gut. Kai behandelt Umiko nicht wie eine hilflose Seniorin. Umiko wiederum drängt ihn weder in die Rolle eines Ersatzsohns noch in die eines Enkels. Auch eine Romanze wird aus ihrer Nähe bislang nicht gemacht. Verbunden sind sie durch Filme und durch ihren Blick für Dinge, die andere vielleicht übersehen.

Kai gibt Umiko den ersten Anstoß. Mit der Zeit beginnt sie allerdings auch, ihn genauer anzusehen.

Die Ähnlichkeit zu BL Metamorphosen liegt natürlich auf der Hand. Auch dort begegnen sich eine ältere Frau und ein wesentlich jüngerer Mensch über eine gemeinsame Leidenschaft. Viel weiter würde ich den Vergleich allerdings nicht treiben. The Credits Roll into the Sea beschäftigt sich stärker mit dem eigenen kreativen Arbeiten und mit der Frage, wie aus einer ersten Idee tatsächlich ein Werk werden kann.

Besonders schön fand ich dabei die Unterscheidung zwischen Zuschauen und Gestalten. Umiko beobachtet im Kino lieber das Publikum als die Leinwand. Später hält sie kleine Momente mit ihrem Smartphone fest. Doch nur weil sie filmen möchte, weiß sie noch lange nicht, was sie eigentlich erzählen will.

Vermutlich kennt jeder, der schon einmal etwas Eigenes schaffen wollte, diese Unsicherheit. Man hat ein Gefühl oder ein paar Bilder im Kopf. Vielleicht existiert sogar eine ungefähre Idee. Wie daraus am Ende eine fertige Geschichte werden soll? Keine Ahnung.

John Tarachines eigene Erfahrungen dürften dabei durchaus eine Rolle spielen. Während ihres Kunststudiums probierte sie sich selbst am Film aus, merkte jedoch, dass ihr das weitgehend alleinige Arbeiten am Manga besser lag. Der Blick hinter die Kamera wirkt deshalb nicht wie ein beliebig ausgewähltes Thema. Ideen, Bildausschnitte und die Unsicherheit beim kreativen Arbeiten gehören fest zur Geschichte.

Ganz ohne Schwächen kommt der erste Band für mich dennoch nicht aus. Umikos Weg von der Begegnung mit Kai bis zur Einschreibung an der Kunsthochschule geht stellenweise ziemlich schnell. Die praktischen Schwierigkeiten eines Studiums mit 65 werden zwar angesprochen, bisher aber nur angerissen. Ich hoffe, dass spätere Bände darauf noch etwas genauer eingehen.

Kai erfüllt anfangs außerdem sehr deutlich die Funktion des geheimnisvollen Impulsgebers. Seine eigene Geschichte wird bereits angedeutet, braucht aber noch Zeit.

Zeichnungen

John Tarachines Zeichnungen passen sehr gut zu dieser zurückhaltenden Geschichte. Der Strich ist fein, weich und an manchen Stellen fast skizzenhaft, ohne unfertig zu wirken. Vor allem die Gesichter und kleinen Gesten tragen viele Szenen.

Umikos Zögern, ihr wacher Blick im Kinosaal oder die vorsichtige Vertrautheit zwischen ihr und Kai benötigen deshalb nicht jedes Mal eine lange Erklärung. Man sieht den Figuren gerne dabei zu, wie sie einander beobachten.

Noch interessanter fand ich die Seitenkompositionen. Manche Panels wirken wie bewusst gewählte Kameraeinstellungen. Nahaufnahmen wechseln sich mit größeren, ruhigen Bildern ab. Dazwischen tauchen immer wieder Wasser, Wellen und Gischt auf.

Das Meer wird zur sichtbaren Form der Bewegung, die Umiko nach Jahren des Stillstands erfasst. An einigen Stellen ist diese Bildidee recht deutlich. Sie passt aber einfach zu gut zur Geschichte, als dass mich das gestört hätte.

Fazit

The Credits Roll into the Sea ist ein ungewöhnlicher und sehr sympathischer Reihenauftakt. Umiko muss nach dem Tod ihres Mannes kein vollkommen neuer Mensch werden. Sie entdeckt einen Teil von sich, für den in ihrem bisherigen Leben offenbar nie der richtige Zeitpunkt gekommen war. Nun nimmt sie sich diesen Zeitpunkt eben selbst.

Mir hat vor allem gefallen, wie selbstverständlich der Manga ihr Neugier, Ehrgeiz und künstlerische Unsicherheit zugesteht. Mit 65 ist Umikos Geschichte nicht vorbei. Eigentlich fängt sie gerade erst an, ihre eigene zu drehen.

Wenn ihr ruhige, figurennahe Manga mögt und euch für kreative Prozesse begeistern könnt, solltet ihr auf jeden Fall einen Blick riskieren. Der erste Band beantwortet noch längst nicht jede Frage, macht aber große Lust darauf, Umiko und Kai bei ihren nächsten Schritten hinter die Kamera zu begleiten.

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