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Der Einzelband von Mangaka Guri Nojiro, von der auf dem US-Markt bereits “A Beast’s Love Is Like the Moon” veröffentlicht wurde, erschien in Japan vom Juli 2021 bis zum Mai 2022 unter dem Originaltitel “Kurikaeshi Ai no Ot” im Boys-Love-Magazin ihr hertZ.
Auch auf Deutsch gibt es von Guri Nojiro bereits Veröffentlichungen. Bei Egmont Manga erschien in diesem Jahr “Gold und Silber flüstern in der Nacht”. Anfang des kommenden Jahres soll der Einzelband “Unsere Liebe in einem anderen Leben” folgen.

Story & Zeichnungen: Guri Nojiro | Originaltitel: Kurikaeshi Ai no Ot | Genre: Boys Love | Verlag: Kodansha | Aktueller Preis bei Walt’s: 12,79€ (Stand: 15.12.2025) | Der Manga bei Walt’s Comic Shop

Wie war’s?
Der Protagonist Kiri, ein gefeierter Dirigent des W Symphony Orchestra, steht am Rande des Zusammenbruchs. Sein Perfektionismus, einst Motor seines Erfolgs, ist ihm zur Qual geworden. Nach einem öffentlichen Ausraster wird er in den Zwangsurlaub geschickt und kehrt, erschöpft und orientierungslos, in sein Heimatdorf zurück. Inmitten eines Schneesturms, in einem Haus ohne Strom, droht er fast zu erfrieren, bis ihn Osamu, der Sohn eines Lebensmittelhändlers, findet.
Was zunächst wie eine zufällige Begegnung wirkt, entwickelt sich zu einer Begegnung mit sich selbst. Osamu überzeugt Kiri, den Chor der örtlichen Mittelschule für ein kleines Weihnachtskonzert zu dirigieren. Zögerlich nimmt Kiri an, mehr aus Pflichtgefühl als aus Freude an der Aufgabe. Doch die Arbeit mit den Kindern, allen voran Osamus jüngerer Schwester Lala, wird zum entscheidenden Wendepunkt in seiner Laufbahn.
Zuerst stößt Kiri auf Ablehnung. Die Schüler empfinden ihn als kalt, autoritär, unnahbar. Seine Strenge, die in der Stadt Routine war, trifft hier auf verletzliche Jugendliche, die Musik als Freude, nicht als Disziplin verstehen. Als der Chor droht auseinanderzubrechen, muss Kiri erkennen, dass er selbst verlernt hat, zuzuhören und nicht nur anderen, sondern auch sich.
Die Begegnung zwischen Kiri und Osamu ist indes zunächst irritierend. Osamu ist jung, offen und fast übertrieben herzlich und damit das das genaue Gegenteil des verschlossenen, verbitterten Dirigenten. Dass Osamu Kiri seit Jahren bewundert und dessen CDs sammelt, verleiht ihrer Beziehung eine merkwürdige Schieflage: Die Zuneigung scheint zu Beginn einseitig, beinahe parasozial. Doch der Manga nutzt diese Spannung, um beide Figuren schrittweise aufeinander zuzuführen.
Ihre Beziehung entsteht leise zwischen Blicken, kleinen Gesprächen, zufälligen Berührungen. Doch wo das Erzähltempo zunächst trotz aller skepsis aufgrund der Einseitigkeit der Beziehung glaubwürdig wirkt, kippt es im letzten Drittel: Der Übergang von vorsichtiger Annäherung zu körperlicher Intimität geschieht zu plötzlich, ohne dass die emotionale Entwicklung diese Nähe trägt. Das raubt der Geschichte etwas von der Glaubwürdigkeit, die sie an anderer Stelle aufbaut.
Auch die Charakterzeichnung bleibt ungleichgewichtet. Kiri ist greifbar, sein innerer Konflikt nachvollziehbar: der Druck, das Trauma, der Verlust seiner Mutter. Osamu dagegen bleibt eine Projektion. Er ist eine Mischung aus Fan, Retter und Liebesinteresse, ohne klar erkennbare Tiefe. Man erfährt wenig über seine eigenen Wünsche, Sorgen oder Motive, sodass die Beziehung am Ende nicht wirklich echt, sondern viel mehr als Zuflucht wirkt.
Trotz dieser erzählerischen Brüche ist In Love’s Key, Reprised ästhetisch ansprechend. Der Zeichenstil ist elegant und ruhig, mit feinen Linien, weichen Schatten und einem spürbaren Gespür für Stimmung. Die winterliche Szenerie unterstützt das Thema des Innehaltens und Neubeginns. Am stärksten ist der Manga in den stillen Momenten: wenn Kiri am Grab seiner Mutter steht, die Hände gefroren, und sich selbst als „gescheiterten Menschen“ bezeichnet. Oder wenn Osamu, ungeschickt und aufrichtig zugleich, ihm einfach eine Decke reicht. Es sind diese kleinen Gesten, die den Ton des Werks bestimmen.
Der Manga erscheint im Vertical-Imprint, weshalb das Format vom inzwischen doch üblichen Großformat von Kodansha abweicht. Es gibt eine farbige Seite, die zeigt allerdings nicht die Charaktere, sondern dekorative Formen.
Fazit
“In Love’s Key, Reprised” ist aus meiner Sicht ein eher unvollständiger Einzelband. Der Manga will mehr sein als eine Romanze, verliert sich aber zu oft in hastigen Tönen und unbalancierten Figuren. Wer zarte, melancholische Erzählungen über Heilung und menschliche Wärme schätzt, wird hier dennoch Momente finden, die nachklingen, auch wenn es aus meiner Sicht nicht gerade der Boys-Love-Einzelband war, der mich nachhaltig beeindrucken konnte.

Der Manga wurde mir freundlicherweise von Walt’s Comic Shop zur Verfügung gestellt. Die Kooperation hat wie immer keinerlei Einfluss auf meine Meinung zu dem Titel. Walt’s Comic Shop gehört zu den größten Online-Shops für US-Comics in Europa und ist in Berlin ansässig. Der Shop bietet eine breite Palette von Comics, Manga und Graphic Novels in englischer Sprache an.
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