Blue Period - Rezension

Yataro Yaguchi ist klug, hängt gerne mit seinen Freunden rum und doch hat er noch nicht das gefunden, was ihn ausfüllt. Eine Begegnung im Kunstraum ändert das jedoch Schlag auf Schlag und Yataro tritt in eine völlig andere Welt ein.

Ich würde an dieser Stelle euch gerne erzählen, dass Blue Period gleichzeitig auch das Deutschland-Debüt von Mangaka Tsubasa Yamaguchi ist. Stimmt aber nicht ganz, denn ebenfalls in diesem Monat kam von ihr bei Egmont Manga auch der Einzelband She and her Cat – eine Manga-Adaption von einem Shinkai-Kurzfilm – raus. Bei Blue Period aber ist sie nicht nur für die Zeichnungen verantwortlich, sondern auch für die Story.

In Japan wurde Blue Periode erst kürzlich mit dem Kodansha-Award ausgezeichnet. Momentan umfasst die Reihe in Japan sieben Bände.

ECKDATEN ZUM MANGA

Text&Zeichnungen: Tsubasa Yamaguchi
Originaltitel: Blue Period
Zielgruppe: Seinen | Genre: Slice-of-Life, Drama
Verlag: Manga Cult
Preis: 10,00 € | Großformat

Weitere Informationen & Leseprobe

Worum geht’s?

Yataro Yaguchi ist klug, beliebt und zecht mit seinen Freunden gerne die ganze Nacht durch. Das Leben scheint leicht für ihn, doch der Erfolg erfüllt ihn nicht und er hat das Gefühl, dass sich alles leer anfühlt. Das ändert sich, als er eines Tages im Kunstraum seine Zigaretten vergisst. Als er diese holen geht, stößt er auf ein Kunstwerk, was ihn sofort in seinen Bann zieht und plötzlich ist es für ihn nicht mehr so einfach, der Kunstwelt zu entfliehen.

Wie wars’?

Zugegeben der Aufhänger von Blue Period ist nicht gerade besonders neu und gleicht dem üblichen Schema, in dem der Hauptcharakter durch einen Zufall das entdeckt, was ihn wirklich erfüllt. Dann gibt es natürlich das große Hindernis: In diesem Fall kommt für Yataro nur die eine Kunst-Uni in Frage, die harte Aufnahmekriterien an die Bewerber stellt. Allerdings finde ich, dass er hier funktioniert. Ein gewisses Talent für die Malerei ist Yataro nicht abzustreiten, dennoch wird auch deutlich gemacht, dass der Weg mit harter Arbeit verbunden ist. Yataro wird nicht von jetzt auf gleich zu einem Superkünstler, sondern man sieht, wie er über die Wochen an seinen Aufgaben wächst und von Bild zu Bild besser wird. Yataro saugt vom ersten Augenblick alle Informationen, die er erhält, auf und setzt das in seinen Kunstwerken um.

Im ersten Band wird der Leser nach und nach in die Kunstwelt Japans eingeführt. Während es sich die ersten Kapitel um den Kunstclub der Schule dreht, zieht es Yataro bei seiner Entwicklung später in einen Vorbereitungskurs für Aufnahmeprüfungen an der Universität.

Dadurch, dass dem Leser viel erklärt wird, ist der Manga an einigen Stellen sehr textlastig und es gibt Seiten, da wird der Leser quasi mit Informationen erschlagen. Mal geht es um Perspektiven, mal um die Farbenlehre, ein anderes Mal um die verschiedenen Kunstuniversitäten Japans. Die Informationen sind aber dennoch nicht unbedeutend und dadurch kann der schwierige Weg von Yataro besser nachvollzogen werden. Kunst ist am Ende eben auch ein Handwerk, bei dem es auf viele Kniffe und Tricks ankommt.

Was die Charaktere angeht, bietet Blue Period im ersten Band eine schöne Bandbreite an unterschiedlichen Figuren. Yataro ist das Genie der Schule, dem alles leicht von der Hand zu gehen scheint. Hinter der Fassade aber steckt harte Arbeit, die der Leser später auch in seiner Obsession bei einer Sommer-Hausaufgabe für den Kunst-Club sieht. Yataro hat mit der Aufnahme an der Wahl-Universität ein festes Ziel und ist bereit, dafür alles zu opfern. Auch lernt man den kritischen Yataro kennen. Denjenigen, der sich immer zu mit anderen vergleicht. Immer wieder sieht man ihn dabei, wie er bei Bildpräsentationen andere Bilder ansieht und darüber philosophiert, was er noch besser machen könnte oder woran es ihm noch fehlt.

Neben Yataro sticht im ersten Band Yuka hervor. Yuka heißt eigentlich Ryuji Ayukawa und kleidet sich gerne wie eine Frau. Von seinen Mitschülerinnen aber, möchte er lieber mit Yuka angesprochen werden. Yuka scheint nach außen nicht auf dem Mund gefallen zu sein und sehr selbstbewusst. Er ist es, der Yataro schnell durchschaut und ihn darauf hinweist, dass er eigentlich nur ein Mitläufer ist, aber selbst keine eigenen Ideen hat.

Yataro und Yuka sind sich zunächst nicht grün, nähern sich aber im Laufe des Bandes immer mehr an und am Ende könnte man sie vielleicht sogar als Freunde bezeichnen, die sich und ihre Kunst gegenseitig respektieren.

Tsubasa Yamaguchi hat einen Zeichenstil, der mich schon gepackt hat, als ich den Einzelband She and her Cat vor einigen Jahren auf Englisch gelesen hatte. Es ist keinesfalls ein perfekter Stil und sicherlich nicht für jeden etwas, überzeugt für mich aber durch große Variationen beim Charakterdesign und dem Wiedererkennungswert. In vielen der einzelnen Panels findet man zudem detaillierte Hintergrundzeichnung. Positiv ist auch – besonders wegen des Themas des Mangas – dass die einzelnen Kunstwerke auch von unterschiedlichen Personen gezeichnet werden. All diese werden am Ende des Bandes in einem Nachwort erwähnt und der Leser erhält einen Eindruck, wie viel Aufwand eigentlich in diesen kleinen Details steckte.

Fazit & Bewertung

Für mich hat Blue Period mit Band eins einen gelungener Start in die Reihe hingelegt. Der erste Band überzeugt mit einer guten Tiefe und starken Charakteren. Es wird gezeigt, dass es nicht nur auf Talent ankommt, sondern das die Kunst am Ende auch harte Arbeit ist. Mit Yataro haben wir einen Hauptcharakter, der entschlossen ist und auch Yuka ist bisher eine sehr spannende Figur. Ich bin wirklich gespannt, wie sich ihre Freundschaft in den nächsten Bänden entwickeln wird.

Blue Period ist ein Blick wert, wenn man Manga mag, die eher in Richtung Slice of Life gehen und die zwischen den Zeilen und Bildern eine gewisse Tiefe und Nachdenklichkeit herauskitzeln können.

Vielen Dank an Manga Cult für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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