Passt der Manga zu dir?
Passt zu dir, wenn …
- … du psychologische Thriller und abgeschlossene Geschichten magst
- … du Kammerspiele mit sehr kleiner Besetzung spannend findest
- … dich wachsendes Misstrauen und unzuverlässige Wahrnehmungen reizen
- … du mit einem älteren, recht kantigen Zeichenstil etwas anfangen kannst
Eher nichts für dich, wenn …
- … du sympathische Figuren zum Mitfiebern benötigst
- … du eine tiefgehende Charakterstudie erwartest
- … dir lange innere Monologe schnell zu viel werden
- … du mit Gewalt und einer bedrückenden Atmosphäre wenig anfangen kannst
Worum geht’s?
Asai und Ishikura sind gemeinsam auf dem 3.200 Meter hohen Mount Obari unterwegs, als sie von einem Schneesturm überrascht werden. Ishikura stürzt, verletzt sich schwer und ist überzeugt davon, dass er den Berg nicht mehr lebend verlassen wird. Angesichts des nahenden Todes gesteht er Asai, fünf Jahre zuvor die gemeinsame Clubkameradin Sayuri getötet zu haben.
Kurz darauf entdeckt Asai jedoch eine Berghütte. Er schleppt den Verletzten hinein und plötzlich besteht durchaus Hoffnung auf Rettung. Ishikura wird überleben. Sein Geständnis lässt sich hingegen nicht mehr zurücknehmen.
Während die beiden auf Hilfe warten, verändert sich die Stimmung in der Hütte. Asai glaubt zu spüren, dass Ishikura seine Offenheit bereut. Bald wird jede Bewegung, jedes Geräusch und selbst ein längeres Schweigen zur möglichen Bedrohung.
Confession von Nobuyuki Fukumoto und Kaiji Kawaguchi erschien ursprünglich bereits 1998 in Japan. Die englische Ausgabe wurde Ende 2024 von Kodansha im Vertical-Imprint veröffentlicht.
Was mochte ich?
Die Grundidee ist herrlich gemein. Ishikura legt ein Geständnis ab, weil er ohnehin sterben wird, und nur wenige Augenblicke später fällt genau diese Voraussetzung weg. Von diesem Punkt an benötigt Confession eigentlich nicht mehr viel. Zwei Männer, eine eingeschneite Hütte und ein Satz, der nicht hätte ausgesprochen werden dürfen, reichen vollkommen aus.
Besonders gut hat mir gefallen, wie schnell aus Unsicherheit echte Paranoia entsteht. Wir folgen vor allem Asais Gedanken und wissen deshalb nie so recht, ob Ishikura tatsächlich etwas plant oder ob sich Asai bereits in seine Angst hineinsteigert. Eine unbedachte Bewegung genügt, damit er das Schlimmste erwartet. Das ist nicht immer subtil, funktioniert aber erstaunlich gut.
Auch die Hütte ist für die Geschichte geschickt gewählt. Es gibt kaum Platz, keine vernünftige Fluchtmöglichkeit und nur wenige Orte, an denen sich jemand verstecken könnte. Draußen wartet der Schneesturm, drinnen möglicherweise ein Mörder. Kaiji Kawaguchi nutzt viel Schatten und lässt Ishikura manches Mal beinahe vollständig in der Dunkelheit verschwinden. Dadurch wirkt er selbst dann bedrohlich, wenn er eigentlich nur dasitzt.
Der Manga liest sich zudem angenehm flott. Die Situation verschärft sich immer genau dann, wenn das gegenseitige Belauern ein wenig zu lange dauern könnte.
Was weniger?
Emotional bin ich beiden Figuren trotzdem nicht besonders nahegekommen. Weder Asai noch Ishikura sind Menschen, mit denen ich unbedingt mitfühlen wollte. Das passt durchaus zu einer Geschichte, in der es letztlich keine wirklichen Helden gibt. Gleichzeitig hatte ich dadurch gelegentlich das Gefühl, den beiden eher interessiert zuzusehen, als tatsächlich um sie zu fürchten.
Auch die psychologische Tiefe bleibt in meinen Augen etwas hinter dem starken Aufbau zurück. Asais Gedanken kreisen lange um dieselben Vermutungen und sprechen manches Mal sehr deutlich aus, was die Zeichnungen bereits vermitteln. Aus dem psychologischen Duell wird deshalb irgendwann eher ein recht geradliniger Überlebenskampf.
Der spätere Twist hat mich ebenfalls nicht vollkommen überrascht. Er gibt einigen Szenen rückblickend zwar einen anderen Kontext und führt zu einem bitteren Ende, verändert meinen Blick auf die Figuren aber weniger, als es vermutlich beabsichtigt war.
Beim Zeichenstil musste ich mich zudem ein wenig eingewöhnen. Die düsteren Bilder passen hervorragend zum Schauplatz, einige Gesichtsausdrücke sind allerdings so stark überzeichnet, dass sie für einen kurzen Moment fast unfreiwillig komisch wirken. Zum Glück kommt das nicht allzu häufig vor.
Mini-Fazit
Confession ist keine besonders fein ausgearbeitete Charakterstudie. Der Manga funktioniert in meinen Augen vor allem als kompakter, manches Mal herrlich fieser Spannungsthriller, der aus einem einzigen Geständnis einen Kampf um Leben und Tod entwickelt.
Nicht jeder Gedanke sitzt und die Figuren bleiben auf Abstand. Trotzdem wollte ich wissen, wie die Situation endet, und genau das ist bei dieser Art von Geschichte vermutlich die wichtigste Voraussetzung. Wer klaustrophobische Kammerspiele, gegenseitiges Misstrauen und abgeschlossene Thriller mag, sollte sich den englischen Einzelband durchaus näher ansehen.
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