Kurzfazit
Eine leise und ungewöhnlich erzählte Liebesgeschichte, die Ibuki und Kippei in kleinen Momentaufnahmen begleitet und dabei manches auslässt, aber gerade dadurch erstaunlich intim wirkt.
Passt der Manga zu dir?
Passt zu dir, wenn …
- … du ruhige Boys-Love-Geschichten ohne überzogenes Drama magst
- … du Beziehungen gerne anhand kleiner Alltagsmomente beobachtest
- … du ein Faible für zarte Zeichnungen und zahlreiche Farbseiten hast
- … du Manga über Freundschaft, erste Liebe und das gemeinsame Erwachsenwerden suchst
Eher nichts für dich, wenn …
- … du eine durchgehend erzählte Handlung bevorzugst
- … dich größere Zeitsprünge schnell aus dem Lesefluss bringen
- … du eine besonders dramatische oder leidenschaftliche Romanze erwartest
- … du deine Figuren möglichst ausführlich kennenlernen möchtest
Worum geht’s?
Ibuki und Kippei kennen sich bereits seit ihrer Kindheit. Sie wohnen nebeneinander, besuchen dieselbe Schule und verbringen einen großen Teil ihrer Freizeit gemeinsam. Eigentlich könnte kaum etwas ihre Freundschaft erschüttern. Doch dann küsst Ibuki seinen besten Freund und plötzlich steht zwischen ihnen die Frage, ob aus ihrer vertrauten Nähe nicht längst etwas anderes geworden ist.
In zwanzig kurzen Kapiteln begleitet der Manga die beiden durch verschiedene Jahreszeiten und Lebensabschnitte. Mal geht es um ein Feuerwerk, Weihnachten oder den Valentinstag, mal um Abschlussprüfungen und die Frage, wie es nach der Schule weitergehen soll.
Was mochte ich?
Besonders gut hat mir die ungewöhnliche Erzählweise gefallen. Die Kapitel sind nur wenige Seiten lang und wirken wie einzelne Bilder aus einem gemeinsamen Fotoalbum. Kei Ichikawa zeigt nicht jeden Schritt dieser Beziehung, sondern konzentriert sich auf kleine Augenblicke, die für Ibuki und Kippei wichtig sind. Ein Blick, ein kurzes Gespräch oder eine beiläufige Berührung müssen manches Mal genügen. Gerade darin liegt in meinen Augen aber auch der Reiz des Mangas.
Die Beziehung der beiden fühlt sich zudem angenehm unaufgeregt an. Hier warten keine großen Liebesgeständnisse oder künstlich aufgebauschten Konflikte. Stattdessen geht es darum, wie zwei Menschen, die sich schon beinahe ihr ganzes Leben kennen, allmählich eine neue Form des Zusammenseins finden. Auch die Überlegung, dass Nähe nicht zwangsläufig bedeutet, jeden Weg gemeinsam gehen zu müssen, hat mir gut gefallen.
Ein kleines Highlight sind auf jeden Fall die zahlreichen Farbseiten. Jedes Kapitel beginnt mit einer ganzseitigen Illustration, während auch innerhalb der Geschichte einzelne Farbakzente auftauchen. Diese wirken manches Mal ein wenig ungewöhnlich, passen aber sehr schön zum stillen und beinahe skizzenhaften Charakter des Bandes.
Was weniger?
Das kurze Episodenformat ist zugleich die größte Schwäche des Mangas. Zwischen einzelnen Kapiteln vergeht mitunter recht viel Zeit, ohne dass die Übergänge genauer erklärt werden. Dadurch musste ich mich gelegentlich erst neu orientieren.
Auch Ibuki und Kippei bleiben trotz ihrer sympathischen Beziehung ein Stück weit auf Abstand. Man versteht, was sie miteinander verbindet, erfährt aber nur wenig darüber, worin sie sich unterscheiden oder wie sich ihre Gefühle im Detail entwickeln. Wer eine tiefgehende Charakterstudie erwartet, könnte den Einzelband deshalb als etwas zu flüchtig empfinden.
Mini-Fazit
A Long & Short Love Story erzählt keine große, herzzerreißende Romanze. Der Manga sammelt vielmehr jene unscheinbaren Momente, aus denen eine gemeinsame Beziehung überhaupt erst entsteht. Das ist sicherlich nicht für jeden etwas, hat aber einen ganz eigenen Charme. Wer ruhige Boys-Love-Geschichten, sanfte Zeichnungen und erzählerische Zwischenräume mag, sollte sich diesen hübsch aufgemachten Einzelband durchaus näher ansehen.
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