Passt der Manga zu dir?
Passt zu dir, wenn …
- … dir ruhiger Mystery-Horror ohne Blut und laute Schockmomente gefällt
- … du Band 1 mochtest, dir dort aber etwas mehr Gefühl gewünscht hast
- … du Geschichten über Kinderzeichnungen mit verborgener Bedeutung spannend findest
Eher nichts für dich, wenn …
- … dir bereits die Bildanalysen im ersten Band zu konstruiert erschienen
- … du möglichst realistische und nüchtern aufgebaute Ermittlungen erwartest
- … du Sasaki und Kurihara unbedingt sofort wiedersehen möchtest
Worum geht’s?
Nachdem Band 1 gleich mehrere seltsame Zeichnungen und mögliche Verbindungen in den Raum gestellt hat, konzentriert sich die Fortsetzung zunächst ganz auf Naomi und ihren kleinen Sohn Yuta. Für den Muttertag zeichnet Yuta ein Bild, das auf den ersten Blick vollkommen harmlos wirkt. Nur eine graue Fläche passt nicht recht dazu. Yuta möchte jedoch nicht erklären, was sie bedeutet.
Seine Lehrerin beginnt, sich das Bild genauer anzusehen, und entdeckt nach und nach Details, die eine ganz andere Deutung zulassen. Gleichzeitig häufen sich in Naomis Alltag merkwürdige Momente. Sie fühlt sich beobachtet und schon bald stellt sich nicht mehr allein die Frage, was Yuta gezeichnet hat. Warum zum Teufel werden die beiden verfolgt?
Was mochte ich?
Im ersten Band hatte ich noch das Problem, dass das Rätsel deutlich stärker war als die Figuren. Sasaki und Kurihara führten zwar durch die verschiedenen Theorien, blieben dabei aber recht blass. Dieses Mal funktioniert das für mich wesentlich besser. Durch die kleinen Häppchen aus Naomis Alltag lernen wir sie und Yuta ganz nebenbei kennen. Das gibt den Spekulationen rund um sein Bild ein Gewicht, das dem Auftakt noch gefehlt hat.
Vor allem Yuta habe ich ziemlich schnell ins Herz geschlossen. Man spürt, dass ihn etwas beschäftigt, auch wenn er es nicht aussprechen kann. Deshalb wollte ich irgendwann nicht mehr bloß wissen, wie das Bild zu lesen ist. Ich wollte verstehen, was mit ihm passiert ist.
Die Bildanalyse bleibt natürlich stark gelenkt. Uketsu legt genau jene kleinen Hinweise aus, die wir im richtigen Moment brauchen, lässt eine Erklärung kurz plausibel wirken und schiebt dann das nächste irritierende Detail hinterher. Trotzdem kam mir das diesmal weniger wie eine reine Gedankenspielerei vor. Weil Yutas Gefühle unmittelbar daran hängen, besitzt auch die Auflösung eine ganz andere Wirkung.
Hinzu kommt die langsam wachsende Bedrohung rund um Naomi. Der Band wird nicht plötzlich laut oder blutig, doch man merkt, dass irgendetwas ganz und gar nicht stimmt. Bis zur letzten Seite zieht die Spannung immer weiter an. Dann folgt dieser Cliffhanger, bei dem natürlich sofort neue Fragen auftauchen: Wer ist der Mann? Was möchte er von Naomi und Yuta? Und wann kreuzen sich ihre Wege endlich mit denen der beiden Studenten?
Was weniger?
Wer die Schlussfolgerungen im ersten Band schon sehr weit hergeholt fand, wird auch diesmal nicht restlos überzeugt sein. Die Figuren lesen aus einzelnen Formen, Farben und Bildausschnitten manches Mal erstaunlich viel heraus. Der Manga bleibt ein sehr bewusst gebautes Puzzle und verlangt entsprechend, dass man sich auf seine Logik einlässt.
Sasaki und Kurihara rücken zudem fast vollständig aus dem Blick. Mich hat das nicht sonderlich gestört, weil Naomi und Yua dem Manga endlich mehr Persönlichkeit geben. Dennoch wartet man natürlich darauf, dass die bislang getrennten Fäden zusammenlaufen. Nach diesem Ende rechne ich damit nicht bloß. Ich erwarte es inzwischen praktisch.
Mini-Fazit
Der zweite Band von Strange Pictures – Seltsame Bilder hat mir besser gefallen als der Auftakt. Die Rätsel sind weiterhin clever aufgebaut und gelegentlich ein wenig überkonstruiert, hängen diesmal aber an Figuren, um die ich mir tatsächlich Sorgen gemacht habe. Yūtas Bild ist deshalb keine bloße Aufgabe, die es zu lösen gilt. Seine Bedeutung trifft auch emotional.
Wer bereits Freude daran hatte, die Zeichnungen im ersten Band auseinanderzunehmen, bekommt hier noch mehr davon und zugleich die stärkeren Figuren. Für mich ist die Reihe mit diesem Band auf jeden Fall gewachsen. Und nach der letzten Seite möchte ich Band 3 nun bitte möglichst sofort lesen.
Transparenzhinweis
Dieses Rezensionsexemplar wurde mir vom Verlag Panini Manga zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst.
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