Agatha Christie: Und dann gab’s keines mehr (Band 1)

Agatha Christie: Und dann gab’s keines mehr (Band 1)

Werbung/Rezensionsexemplar
12. September 2026 · Deutsche Manga
Agatha Christie: Und dann gab’s keines mehr (Band 1)

Manga-Daten

Originaltitel
Soshite Dare mo Inaku Natta
Mangaka
Aya Nikaido
Autor*in
Agatha Christie
Verlag
Carlsen Manga
Veröffentlichung
01.09.2026
Seitenzahl
224 Seiten
ISBN
9783551809261
Sprache / Ausgabe
Deutsch
Übersetzung
Luise Steggewentz
Genre
Mystery
Demografie
Seinen
Preis
12,00 €

Passt der Manga zu dir?

Für dich, wenn …

  • … du klassische Krimis und Geschichten mit vielen Verdächtigen magst.
  • … du gerne miträtselst und auf kleine Hinweise achtest.
  • … du eine spannende Manga-Adaption mit bedrückender Atmosphäre suchst.
  • … du Agatha Christies Geschichte einmal in einer anderen Form erleben möchtest.

Eher nicht für dich, wenn …

  • … du vor allem tief ausgearbeitete Charaktere erwartest.
  • … du mit einem hohen Erzähltempo und vielen Figuren schnell überfordert bist.
  • … du dir eine sehr klassisch-britische Atmosphäre und zurückhaltende Mimik wünschst.

Stimmung

bedrückend · angespannt · düster

Themen

Misstrauen · Schuld · Geheimnisse · Mord

Zehn Menschen auf einer abgelegenen Insel, ein Gastgeber, der sich nicht blicken lässt, und ein Kinderreim, der plötzlich ziemlich bedrohlich wirkt. Agatha Christies Krimiklassiker bekommt mit Und dann gab’s keines mehr eine Manga-Adaption. Kann das funktionieren?

Bei der Kombination aus Agatha Christie und Manga war ich auf jeden Fall neugierig. Ein wenig skeptisch war ich aber auch, denn gerade diese Geschichte lebt stark von ihrer angespannten Atmosphäre und dem Misstrauen unter den Figuren. Wenn daraus nur ein schneller Mord nach dem anderen geworden wäre, hätte die Adaption viel von ihrer Wirkung verloren.

Umgesetzt wurde der Klassiker von Aya Nikaido, die die Geschichte in drei Bänden erzählt. Carlsen Manga veröffentlicht den ersten Band am 1. September 2026 im Softcover-Großformat. Der Manga kostet 12 Euro und wurde von Luise Steggewentz ins Deutsche übersetzt.

Worum geht’s?

Zehn Menschen erhalten aus ganz unterschiedlichen Gründen eine Einladung auf eine abgelegene Insel vor der Küste Devons. Manche glauben, dort eine neue Stelle anzutreten, andere erwarten ein Treffen mit alten Bekannten oder ein paar erholsame Tage. Nur ihre Gastgeber bleiben verschwunden.

Beim Abendessen ertönt plötzlich eine Stimme, die jeden einzelnen Gast beschuldigt, für den Tod eines Menschen verantwortlich zu sein. Vor Gericht musste sich allerdings niemand dafür verantworten. Kurz darauf gibt es den ersten Toten und es wird klar, dass die Gruppe nicht zufällig auf der Insel versammelt wurde. Ein Kinderreim in den Zimmern scheint vorzugeben, was als Nächstes geschieht. Gleichzeitig verschwindet nach jedem Todesfall eine der zehn kleinen Soldatenfiguren im Haus.

Wie war’s?

Zehn Figuren in einem ersten Band unterzubringen, ist keine kleine Aufgabe. Sie müssen vorgestellt werden, brauchen einen Grund für ihre Reise und dann stehen auch noch die Anschuldigungen im Raum. Trotzdem hatte ich nicht das Gefühl, mich durch eine endlose Vorstellungsrunde arbeiten zu müssen. Die Geschichte kommt schnell voran und Aya Nikaido schafft es durch sehr unterschiedliche Figurendesigns, dass man die Gäste recht gut auseinanderhalten kann.

Die große Charaktertiefe sollte man allerdings nicht erwarten. Einige Figuren wirken wie klare Typen: der strenge Richter, der leichtsinnige junge Mann, die religiöse ältere Dame oder der undurchsichtige ehemalige Polizist. Das liegt natürlich bereits in der Vorlage, fällt im Manga durch das hohe Tempo aber noch einmal mehr auf. Gerade als man eine Figur ein wenig besser einschätzen kann, wartet schon die nächste Enthüllung. Für mich hat das bei dieser Geschichte dennoch funktioniert, weil die Gruppe als Ganzes wichtiger ist. Jeder beobachtet jeden und eine unbedachte Reaktion reicht aus, um sich verdächtig zu machen.

Sehr gut gefallen hat mir, wie der Manga die angeblichen Verbrechen zeigt. Während die Figuren die Vorwürfe abstreiten oder sich zu rechtfertigen versuchen, liefern kurze Rückblenden ein anderes Bild. Nikaido braucht dafür nicht viele Seiten. Oft genügt bereits der Wechsel zwischen Gegenwart und Erinnerung, damit Zweifel entstehen. Ob alle wirklich schuldig sind, ist damit noch lange nicht geklärt. Unschuldig wirken sie aber auch nicht gerade.

Vor allem die Stimmung stimmt. Zu Beginn sind die Gäste noch damit beschäftigt, ihre Zimmer zu beziehen und herauszufinden, wo die Gastgeber bleiben. Nach der abgespielten Anklage ist es mit der Höflichkeit schnell vorbei. Erst versucht jeder, sich zu rechtfertigen, dann verdächtigt jeder jeden. Das große Haus bietet dabei keinen Schutz. Es wird eher zu einem Ort, an dem hinter jeder Tür jemand lauschen könnte.

Der Kinderreim und die kleinen Soldatenfiguren sind im Manga besonders wirkungsvoll. Nach jedem Todesfall fehlt eine Figur und obwohl man weiß, dass es passieren wird, ist der Anblick jedes Mal unangenehm. Die Zeichnungen machen aus diesem eigentlich einfachen Detail eine ständige Drohung. Mir gefiel auch, dass sich die Spannung langsam aufbaut, obwohl die Handlung selbst ein recht hohes Tempo hat. Der Band nimmt sich genug Zeit für die Reaktionen der Gruppe, ohne an jeder Stelle lange Erklärungen einzubauen.

Aya Nikaidos Zeichenstil ist fein und die Figuren sind sehr ausdrucksstark. Die Gesichter verändern sich deutlich, sobald die höfliche Fassade der Gäste bröckelt. Gerade in den Rückblenden arbeitet sie mit starken Kontrasten und Bildern, die manchmal mehr über eine Figur verraten als deren Worte. Auch die einzelnen Charaktere besitzen einen hohen Wiedererkennungswert, was bei zehn wichtigen Personen wirklich hilfreich ist.

An das Setting musste ich mich zunächst trotzdem gewöhnen. Die Geschichte spielt in England, einige Figurendesigns und überzeichnete Gesichtsausdrücke fühlen sich aber sehr deutlich nach Manga an. Dadurch geht ein wenig von der zurückhaltenden, britischen Atmosphäre verloren, die man vielleicht mit Agatha Christie verbindet oder mit britischem Krimi allgemein. Denn zugegeben, als jemand, der viele britische Krimis zumindest im Fernsehen sieht, hat mich die Atmosphäre doch irgendwie am Anfang nicht komplett daran erinnert. Nach einigen Kapiteln störte es mich aber kaum noch, weil die stärkere Mimik gut zu der immer unruhiger werdenden Gruppe passt.

Dass die Adaption auf drei Bände angelegt ist, erweist sich für mich als gute Entscheidung. Der erste Band muss zwar viel vorbereiten, wirkt aber nicht wie eine stark gekürzte Zusammenfassung des Romans. Nikaido kann dadurch auch kleinere Details aus der Vorlage behalten. Gleichzeitig endet der Band natürlich an einem Punkt, an dem man am liebsten direkt weiterlesen würde. Gemein, aber bei einem Krimi vermutlich genau richtig.

Wer die Auflösung bereits kennt, wird hier vermutlich nicht plötzlich an einer ganz neuen Lösung rätseln. Ich für meinen Teil, weiß wie die Geschichte enden wird. Spannend bleibt aber, wie Hinweise, Erinnerungen und die Todesfälle bildlich umgesetzt werden. Ich hatte jedenfalls Spaß daran, die Figuren genauer zu beobachten und nach kleinen Details zu suchen. Für Leser*innen, die den Roman noch nicht kennen, dürfte es noch schwerer sein, den Manga nach diesem Band zur Seite zu legen.

Von Carlsen Manga wird der Titel im Großformat veröffentlicht. Als Extra gibt es eine Illustration zum Ausklappen. Der Preis ist mit 12 Euro relativ hoch angesetzt, was sich vielleicht durch die im Vergleich höhere Seitenanzahl erklären lässt, mir persönlich ist dafür aber die Papierqualität zu schlecht, um den Preis gerechtfertigt zu sehen.

Fazit

Der erste Band von Agatha Christie: Und dann gab’s keines mehr ist eine gelungene Manga-Adaption, die den bekannten Krimi zügig erzählt und trotzdem genug Raum für seine bedrückende Stimmung lässt. Aya Nikaidos Zeichnungen passen nicht in jedem Moment zu dem England, das man vielleicht im Kopf hat, dafür funktionieren die unterschiedlichen Charaktere, die Rückblenden und vor allem die kleinen Soldatenfiguren richtig gut.

Wer Agatha Christie mag, bekommt eine interessante neue Version des Klassikers. Manga-Leser*innen, die bisher einen Bogen um klassische Kriminalromane gemacht haben, finden hier einen sehr zugänglichen Einstieg. Ich möchte nach diesem Auftakt auf jeden Fall wissen, wie Aya Nikaido die restliche Geschichte umsetzt, auch wenn die Lösung vielleicht längst bekannt ist.

Transparenzhinweis

Dieses Rezensionsexemplar wurde mir vom Verlag Carlsen Manga zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst.

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