Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

Go for it, Nakamura-kun!! (Band 1)

Go for it, Nakamura-kun!! (Band 1)

[Anzeige, da Rezensionsexemplar]

Die Geschichte von Go for it, Nakamura-kun! beginnt 2014, als Syundei ihre ersten Kapitel im Boys-Love-Magazin Opera veröffentlichte. Das Magazin ist bekannt für experimentelle, oft künstlerisch unkonventionelle BL-Titel. Obwohl die Reihe schnell eine kleine Fangemeinde gewann, blieb sie zunächst ein Nischentitel und wurde über zwei Jahre hinweg in kurzen Episoden fortgesetzt, bevor sie 2017 als Einzelband gesammelt erschien.

Die Fortsetzung Go for it Again, Nakamura! startete nach der Veröffentlichung des Bandes. Manga Cult bringt die Neuausgabe des Titels mit einem frischeren, moderneren Coverdesign heraus und beide Bände werden unter dem Reihentitel “Go for it, Nakamura-kun!!” zusammengefasst.

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Text/Zeichnungen: Syundei | Originaltitel: Ganbare! Nakamura-kun!! | Übersetzung: Nana Umino | Verlag: Manga Cult | Genre: Boys Love, Comedy | Preis: 10,00€ | Großformat | Weitere Informationen auf der Verlagsseite

Wie war’s?

Im Zentrum steht Nakamura, sechzehn Jahre alt, introvertiert, unbeholfen und heimlich in seinen Klassenkameraden Hirose verliebt. Er weiß, dass er schwul ist, doch zwischen diesem Wissen und der Frage, wie ein echtes Gespräch mit seiner Schwärmerei funktionieren könnte, liegen Welten. Nakamuras Ziel ist zunächst nicht eine Liebesbeichte. Er möchte einfach nur einmal mit Hirose reden, vielleicht sogar Freunde werden. Diese schlichte, aber hochemotionale Hürde trägt die ganze Serie.

Die Kapitel folgen einer klaren Struktur. Nakamura sucht nach Gelegenheiten, um Hirose näherzukommen, sabotiert sich jedoch durch Nervosität, Missgeschicke oder absurde Zufälle immer wieder selbst. Der Manga lebt davon, wie diese Versuche gleichzeitig schmerzhaft nachvollziehbar und sehr lustig sind. Jede Episode ist in sich abgeschlossen, sodass der Band episodisch und leicht konsumierbar bleibt.

Syundeis Zeichenstil ist bewusst retro gehalten und erinnert an Manga der Achtziger und Neunziger: runde Gesichter, große expressive Augen, Schuluniformen und ein überraschend weiches, warmes Paneling. Gleichzeitig nutzt die Mangaka den Stil, um die Comedy zu verstärken. Je nervöser Nakamura wird, desto überzeichneter reagieren seine Gesichtszüge, was perfekt zum Ton des Werks passt.

Trotz der Leichtigkeit vergisst der Manga jedoch nie, dass Nakamura schwul ist und seine Gefühle nicht offen zeigen kann. Besonders intensiv wirkt die Episode, in der er versucht, sich durch das Lesen von BL-Manga über Dating zu informieren, nur um das Heft in der Schule zu verlieren und von Hirose darauf angesprochen zu werden. Die Mischung aus Panik, Scham und ungewollter Offenlegung ist einer der stärksten Momente des Bandes.

Band 1 bleibt stets im Ton einer romantischen Parodie und lebt stärker von Momentaufnahmen als von einer durchgehenden Handlung. Das funktioniert gut, solange man sich auf die humorvolle Slice-of-Life-Struktur einlässt. Gleichzeitig bedeutet es auch, dass die Beziehung zwischen Nakamura und Hirose zwar angedeutet wird, aber kaum Fortschritte macht. Viele Szenen wirken absichtlich repetitiv, was Teil des Konzepts ist, aber nicht immer gleich unterhaltsam.

Die Beziehung zwischen Nakamura und Hirose kommt kaum über den Anfang hinaus, und der Band endet, ohne dass das zentrale Verhältnis wirklich weitergedacht wird. Das ist für eine Comedy-Serie nicht ungewöhnlich, kann aber Leserinnen und Leser frustrieren, die sich eine emotionalere Entwicklung wünschen.

Da ich die englische Übersetzung des Sequels bereits kenne, muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass der zweite Band qualitativ nicht an den Charme des Auftakts heranreicht. Die Parodie-Elemente treten stärker in den Vordergrund, während die emotionale Glaubwürdigkeit etwas auf der Strecke bleibt. Das macht die Reihe insgesamt schwerer zu empfehlen, vor allem wenn man auf eine Weiterführung der Beziehung oder ein befriedigendes Coming-of-Age hofft. Der Nachfolgeband erzählt zwar weiter nette Episoden, wirkt jedoch weniger fokussiert und verliert einen Teil des feinen Gleichgewichts zwischen Humor und Herz.

Fazit

Go for it, Nakamura-kun! ist ein Werk, das vor allem durch seinen sympathischen Protagonisten funktioniert. Gleichzeitig bleibt die Erzählung eher oberflächlich, entwickelt ihr zentrales Beziehungsthema kaum weiter und verliert im Folgeband an Kraft. Wer jedoch nach einem kurzen, humorvollen und stilistisch ungewöhnlichen Titel sucht, sollte dennoch einen Blick hineinwagen.

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Bei diesem Manga handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir freundlicherweise von Manga Cult zur Verfügung gestellt worden ist. Vielen Dank dafür!

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