Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

Learn to Love - Manga Rezension

Learn to Love (Band 1)

[Anzeige, da Rezensionsexemplar]

Mit Learn to Love erweitert Egmont Manga sein Programm um einen neuen Titel aus dem Josei-Bereich.

Die vierbändige Reihe stammt von Chizu Aoi (Story) und Kiichi Kojima (Zeichnungen) und erschien in Japan von Dezember 2020 bis Mai 2024 unter dem Originaltitel Shojo Kon: Kohinata Fuufu wa Shite Mitai im Magazin Choco Love des Verlags Libre. Für das Künstlerduo markiert die Veröffentlichung zugleich ihr Debüt auf dem deutschen Markt. Zuvor hatten sie in Japan bereits gemeinsam an der Reihe Gokudou to Omega gearbeitet.

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Story: Kiichi Kojima | Zeichnungen: Chizu Aoi | Originaltitel: Shojo Kon – Kohinata Fuufu wa Shite Mitai | Übersetzung: Madlen Beret | Genre: Smut, Romance | Verlag: Egmont Manga| Preis: 9,00 € | mehr Informationen auf der Verlagsseite

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Mit Learn to Love präsentiert Chizu Aoi einen Auftaktband, der sich thematisch zwischen romantischer Ehegeschichte und erotisch angehauchtem Slice-of-Life bewegt. Im Mittelpunkt stehen Kurumi und Keiichirou, ein frisch verheiratetes Paar, das sich zwar emotional nahe ist, jedoch nach einem Jahr Ehe noch immer keinen körperlichen Schritt weitergegangen ist.

Die Grundidee besitzt durchaus Charme. Zwei erwachsene Menschen, beide unerfahren und unsicher im Umgang mit Sexualität, versuchen gemeinsam herauszufinden, wie Nähe für sie funktioniert. Positiv fällt auf, wie offen Kurumi und Keiichirou miteinander kommunizieren. Ihre Gespräche wirken ehrlich, respektvoll und frei von unnötigem Drama. Statt Missverständnisse künstlich aufzubauen, liegt der Fokus vielmehr auf gegenseitigem Verständnis und vorsichtigem Herantasten. Gerade diese Dynamik macht den Einstieg angenehm. Die beiden wirken wie ein etwas unbeholfenes, aber liebevolles Paar, das sich auf Augenhöhe begegnet. Keiichirou ist dabei eher sachlich und etwas weltfremd, während Kurumi ihre eigenen Unsicherheiten mitbringt, die unter anderem aus negativen Erfahrungen in der Vergangenheit resultieren. Diese Ausgangslage hätte viel Raum für eine tiefere emotionale Entwicklung geboten.

Allerdings zeigt sich relativ schnell, dass der Manga einen stärkeren Fokus auf erotische Elemente legt, als man zunächst vermuten könnte. Während die Geschichte anfangs noch eine ruhige, beinahe sanfte Tonalität anschlägt, verschiebt sich der Schwerpunkt zunehmend auf die körperliche Komponente der Beziehung. Für diejenigen, die eine tiefgründige Auseinandersetzung mit Ehe, Trauma oder emotionaler Nähe erwarten, kann das doch schnell enttäuschend werden.

Ein Kritikpunkt liegt vor allem darin, wie Kurumis Hintergrund behandelt wird. Ihre Angst vor Männern wird zwar angesprochen, aber nicht wirklich ausgearbeitet. Statt als ernstzunehmendes Thema behandelt zu werden, wirkt es eher wie ein erzählerisches Mittel, um die Ausgangssituation zu erklären. Dadurch verliert die Geschichte an Tiefe, denn gerade hier hätte der Manga die Chance gehabt, sensibler und vielschichtiger zu erzählen.

Auch die Entwicklung hin zur körperlichen Nähe fühlt sich stellenweise etwas abrupt an. Statt dass sich Intimität organisch aus gemeinsamen Momenten entwickelt, wirkt sie manchmal wie ein Ziel, auf das die Handlung relativ direkt hinarbeitet. Dadurch entsteht gelegentlich der Eindruck, dass weniger die emotionale Verbindung im Vordergrund steht, sondern vielmehr die Frage, wann die Beziehung körperlich vollzogen wird. Hinzu kommt, dass die Darstellung der Intimität nicht immer ganz ausgewogen wirkt. Obwohl der Manga grundsätzlich Wert auf Zustimmung und Kommunikation legt, gibt es Momente, in denen die Dynamik zwischen den beiden etwas unausgeglichen erscheint. Besonders Keiichirous Verhalten wirkt gelegentlich widersprüchlich, da er einerseits Verständnis zeigt, andererseits aber auch schnell von seinen eigenen Impulsen geleitet wird.

Der Zeichenstil ist weich, sauber und sehr ansprechend, was besonders gut zur ruhigen Grundstimmung passt.

Insgesamt bleibt der erste Band jedoch etwas hinter seinem Potenzial zurück. Die Idee einer Ehe, in der Intimität erst langsam entdeckt wird, ist spannend und bietet viel Raum für emotionale Tiefe. Stattdessen bewegt sich die Geschichte oft an der Oberfläche und setzt stärker auf erotische Spannung als auf inhaltliche Entwicklung.

Von Egmont Manga wird der Titel im handelsüblichen Taschenbuchformat des Verlags veröffentlicht. Neben Farbseiten gibt es eine Klappbroschur als Extra, was den Preis allerdings auf stolze 9,00 Euro hochtreibt.

Fazit

Learn to Love ist ein solider Auftakt, der mit einem sympathischen Hauptpaar und einer angenehmen Grundstimmung punktet. Gleichzeitig verschenkt der Band einiges an erzählerischem Potenzial, da wichtige Themen wie Trauma und emotionale Entwicklung nur angerissen werden. Wer eine leichte, romantisch-erotische Geschichte mit viel Fokus auf das Kennenlernen von Intimität sucht, wird hier durchaus fündig. Wer jedoch auf tiefgehende Charakterentwicklung hofft, könnte am Ende etwas unbefriedigt zurückbleiben.

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Bei diesem Manga handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir freundlicherweise von Egmont Manga zur Verfügung gestellt worden ist. Vielen Dank dafür!

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