[Anzeige, da Rezensionsexemplar]
Mit Centuria startet eine neue Dark Fantasy Reihe, die schon nach wenigen Seiten klar macht, dass sie kein leichtes Abenteuer erzählen will. Gewalt, Hoffnungslosigkeit und ein raues Setting bestimmen den Auftakt, gleichzeitig schimmert immer wieder eine sehr menschliche Geschichte durch, die sich um Nähe, Verlust und das Bedürfnis nach Zugehörigkeit dreht.
Centuria ist ein Manga von Tohru Kuramori, der derzeit im Online-Magazin Shōnen Jump+ des Verlags Shueisha erscheint. Das erste Kapitel wurde am 4. April 2024 digital veröffentlicht. In Japan umfasst die Reihe aktuell sieben Bände (Stand: März 2026).
Auf dem deutschen Markt liegt die Lizenz bei Egmont Manga.

Story & Zeichnungen: Tohru Kuramori | Originaltitel: Centuria | Übersetzung: Claudia Peter | Genre: Action, Drama, Fantasy | Verlag: Carlsen Manga | Preis: 8,50 € | mehr Informationen auf der Verlagsseite

Wie war’s?
Im Mittelpunkt steht Julian, ein Junge, der von seiner eigenen Mutter verkauft wurde und als blinder Passagier auf einem Sklavenschiff landet. Schon früh wird deutlich, dass die Welt von Centuria gnadenlos ist. Menschen werden wie Ware behandelt und Moral ist ein Luxus, den sich kaum jemand leisten kann. Dennoch findet Julian auf dem Schiff etwas, das er bisher nie erlebt hat, nämlich Mitgefühl. Die anderen Sklaven nehmen ihn auf, besonders die schwangere Mira, die ihm zum ersten Mal so etwas wie familiäre Wärme vermittelt. Diese kurzen Momente von Nähe sind wichtig, weil sie den emotionalen Kern des Bandes bilden und später die Motivation der Figur tragen.
Der Manga zögert allerdings nicht lange, eine düstere Richtung einzuschlagen. Ein übernatürliches Ereignis auf See verändert Julians Leben radikal und katapultiert die Geschichte in eine Mischung aus Dark Fantasy und kosmischem Horror. Die Anleihen an lovecraftartige Monster und die bedrohliche Macht des Meeres sind klar spürbar.
Tatsächlich wirkt der Übergang vom menschlichen Drama zum fantastischen Element auf mich aber auch sehr schnell, wodurch emotionale Entwicklungen teilweise etwas überstürzt erscheinen.
Gerade die Beziehung zwischen Julian und Mira ist ein gutes Beispiel dafür. Die Geschichte investiert viel in diese Bindung, baut sie aber in so kurzer Zeit auf, sodass sie für manche sehr konstruiert wirken kann. Man spürt deutlich, dass der Manga schnell zu seinem zentralen Wendepunkt gelangen möchte oder muss, um in der schnelllebigen Welt der Shonen Jump zu bestehen. Diese schnelle Dramaturgie ist aus meiner Sicht die größte Schwäche des Auftakts, denn die emotionalen Ideen sind stark, bekommen aber nicht immer genug Raum, um vollständig zu wirken.
Nach den Ereignissen auf dem Meer verändert sich der Ton des Auftaks . Die zweite Hälfte wird ruhiger. Julian trägt nun eine enorme Verantwortung und versucht, in einer feindlichen Welt so etwas wie ein Zuhause zu finden. Statt nur auf Kämpfe und Eskalation zu setzen, rückt die Frage in den Vordergrund, was Familie eigentlich bedeutet. Blutverwandtschaft spielt dabei weniger eine Rolle als Fürsorge.
Inhaltlich bleibt nach dem ersten Band vieles offen. Die Richtung der Geschichte ist noch nicht vollständig greifbar. Einige Handlungsstränge wirken daher eher wie Setups, deren Bedeutung sich erst später entfalten dürfte.
Auch visuell weiß Centuria zu überzeugen. Tohru Kuramori, der zuvor als Assistent von Tatsuki Fujimoto gearbeitet hat, liefert kraftvolle Schwarz Weiß Seiten mit starken Kontrasten. Die Monsterdesigns sind interessant und erinnern stellenweise an klassische Horrorwerke, während die Darstellung des Meeres eine bedrohliche, fast lebendige Atmosphäre erzeugt. Gleichzeitig zeigen die Figuren emotionale Ausdrücke, was die menschlichen Momente gut trägt.
Fazit
Am Ende ist Centuria ein Auftakt mit spürbarem Ehrgeiz. Der Manga kombiniert eine harte Welt, kosmische Bedrohungen und überraschend emotionale Themen rund um Familie, Opfer und Menschlichkeit. Nicht alles funktioniert dabei schon perfekt. Das Tempo ist hoch, manche Entwicklungen wirken aber zu schnell. Gleichzeitig besitzt die Reihe aber eine starke visuelle Identität und genug erzählerisches Potenzial, um neugierig auf die Fortsetzung zu machen.
Wer Dark Fantasy mit einem emotionalen Kern sucht, sollte Centuria definitiv im Blick behalten.

Bei diesem Manga handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir freundlicherweise von Egmont Manga zur Verfügung gestellt worden ist. Vielen Dank dafür!



