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Mita Ori ist eine Mangaka, die mir durch ihren Einzelband “Our Dinning Table” über viele Jahre im Gedächtnis geblieben war.
Mit “Lion Hearts” erschien zwischen Oktober 2018 und Februar 2023 ein weiteres ihrer Werke im japanischen Boys-Love-Magazin Canna, dessen zehn Kapitel später gesammelt in einem Einzelband veröffentlicht wurden. Seven Seas veröffentlichte den Band im August 2025.

Story&Zeichnungen: Mita Ori | Originaltitel: Lion Hearts | Genre: Romance, Boys Love | Verlag: Seven Seas | Aktueller Preis bei Walt’s: 15,29€ (Stand: 18.08.2025) | Der Manga bei Walt’s Comic Shop

Wie war’s?
Mit “Lion Hearts” legt Mangaka Mita Ori ein sensibles Werk vor, das in seiner stillen Emotionalität und realistischen Darstellung jugendlicher Gefühlswelten nachwirkt. Es ist eine Geschichte über Freundschaft, Liebe, Unsicherheit und inneren Wandel, aber vor allem eine Geschichte darüber, wie schwer es sein kann, zu sich selbst zu stehen, wenn die Welt einem andere Regeln aufzwingen will.
Im Mittelpunkt stehen Leo und Shishimaru, zwei Kindheitsfreunde, die sich seit dem Kindergarten kennen, lieben und einst sogar versprachen, später zu heiraten. Was als naives Kinderspiel begann, ist längst zu einem stillen Gefühl herangewachsen, das keiner von beiden auszusprechen wagt. Die Worte „zwei Jungen können sich nicht lieben“ haben sich früh wie ein Fluch in ihre Herzen eingebrannt.
Leo, der in einem offenen, unterstützenden Umfeld aufwächst, entwickelt früh ein Bewusstsein für seine Gefühle. Er weiß, was er empfindet, auch wenn er es nicht sagen kann. Shishimaru hingegen lebt in einer Umgebung, in der traditionelle Rollenbilder und subtile Erwartungen ihn dazu bringen, seine Gefühle zu unterdrücken. Nach außen hin wirkt er stark, fast unerschütterlich, doch innerlich ist er gefangen in Selbstzweifeln, Angst und dem Druck, „normal“ zu sein. Er sperrt seine Gefühle tief in eine symbolische Kiste ein, die er niemals öffnen möchte, obwohl er spürt, dass Leo für ihn mehr ist als seine anderen Freunde.
Die Handlung nimmt Fahrt auf, als Shishimaru eines Tages beobachtet, wie Leo vertraut mit einem Mädchen spazieren geht. Für Shishimaru bricht eine Welt zusammen. Er zieht sich zurück, glaubt, zu viel gehofft und zu viel gefühlt zu haben, ohne je eine Chance zu bekommen. Es kommt zu einem Missverständnis, einem schmerzhaften Rückzug, einer Flucht, die auf beiden Seiten Spuren hinterlässt. Doch es ist Leo, der schließlich den Mut aufbringt, seinem Herzen zu folgen und Shishimaru zu suchen, um ihm zu sagen, dass er ihn liebt.
Was danach folgt, ist kein einfaches Happy End, sondern ein vorsichtiges, glaubwürdiges Herantasten an das, was eine Liebesbeziehung zwischen zwei Jungen in einer nicht immer verständnisvollen Gesellschaft bedeuten kann. Der Manga erzählt in leisen Tönen von Unsicherheit, Verletzlichkeit und der tiefen Sehnsucht, einfach man selbst sein zu dürfen. Dabei bleibt die Geschichte angenehm zurückhaltend, kitschfrei und realistisch. Es geht nicht um körperliche Intimität, sondern um emotionale Nähe. Um das Wachsen, das nötig ist, um sich selbst und einander wirklich lieben zu können.
Mita Ori gelingt es ihren Figuren dabei eine gute Tiefe zu geben. Leo ist sensibel, aber offen und emotional reif. Er wirkt zerbrechlich, ist es aber nicht. Er kennt Schmerz und Zurückweisung, doch er geht damit auf eine Weise um, die eine stille Stärke offenbart. Shishimaru dagegen trägt den härteren Weg vor sich. Er muss lernen, dass Stärke nicht darin liegt, zu schweigen oder sich zu verstecken, sondern darin, sich zu öffnen. Seine Angst, andere zu enttäuschen, seinen Platz in einer normativen Welt zu verlieren, wirkt authentisch und nachvollziehbar. Sein Handeln ist nicht immer fair Leo gegenüber, aber doch ist er menschlich.
Besonders passend ist es, wie Mita Ori den Gegensatz zwischen zwei Welten aufzeigt. Leo ist umgeben von Menschen, die ihn akzeptieren, doch er fühlt sich innerlich einsam. Shishimaru wiederum ist beliebt, eingebettet in soziale Erwartungen, aber in seinem Innersten isoliert.
Auch die Nebenfiguren sind gut ausgearbeitet und haben eine Rolle in der Geschichte, die über das bloße Statistensein hinausgeht.
Die Zeichnungen von Mita Ori unterstreichen die Stimmung des Mangas perfekt. Der Stil ist weich, ausdrucksstark und voller kleiner, liebevoller Details. Es sind nicht nur die Gesichter der Figuren, die Gefühle transportieren, sondern auch die Umgebung und die Naturbilder, mit denen die Mangaka spielt. Alles wirkt stimmig, zart und gleichzeitig von großer emotionaler Dichte.
“Lion Hearts “ist ein Werk, das bewusst und feinfühlig mit dem Thema queerer Jugend umgeht. Es zeigt, wie Homophobie nicht immer laut sein muss und das manchmal schon ein unüberlegter Satz, ein Blick, eine unausgesprochene Erwartung reichen können, um tiefgreifende Selbstzweifel zu säen.
Anders als “Our Dining Table” wird dieser Band von Seven Seas im Großformat veröffentlicht, was es angesichts von über 300 Seiten angenehm zu Lesen macht. Darüber hinaus gibt es zu Beginn eine Farbseite, die die beiden Protagonisten zeigt.
Fazit
“Lion Heart”s ist eine feinfühlige Geschichte über das Erwachsenwerden, über Liebe, Zweifel, Angst und den Mut, sich selbst anzunehmen. Mita Ori gelingt ein ehrlicher Einblick in das Innenleben zweier Jugendlicher, deren Gefühle sich nicht in gängige Normen fügen wollen.
Fans von zarten Boys-Love-Manga mit Tiefgang kommen hier auf jeden Fall auf ihre Kosten.



