Passt der Manga zu dir?
Für dich, wenn …
- … du Katzen liebst oder selbst mit ihnen zusammenlebst
- … du humorvolle Alltagsepisoden mit kurzen Pointen magst
- … du einen leichten, warmherzigen Manga für zwischendurch suchst
Eher nicht für dich, wenn …
- … du keinen besonderen Bezug zu Katzen oder Katzenhumor hast
- … du eine fortlaufende Handlung oder deutliche Figurenentwicklung erwartest
- … dir wiederkehrende Gagstrukturen schnell eintönig werden
Mit My Cat’s Aura is Strong Today erscheint bei Seven Seas ein weiterer Katzenmanga für den englischsprachigen Markt. Der Titel von Utako Uguisu reiht sich damit in die inzwischen recht breite Auswahl an Manga ein, die vom Zusammenleben zwischen Menschen und Katzen erzählen. Mal niedlich, mal überzeichnet und manches Mal erstaunlich nah an der Realität.
Im Mittelpunkt stehen hier allerdings nicht die Menschen, sondern zwei Katzen. Und die kommentieren ihren Alltag mit einer beachtlichen Mischung aus Würde, Misstrauen und Selbstüberschätzung.
Kijineko ist ein getigerter Kater und gewissermaßen der Herrscher seines Zuhauses. Die Menschen, mit denen er zusammenlebt, betrachtet er nicht als seine Besitzer. Wie sollten sie das auch sein? Sumire und Kinnosuke sind vielmehr seine Diener, die offenbar nur existieren, um ihn zu füttern, zu bewundern und seinen Alltag möglichst angenehm zu gestalten.
So weit, so logisch.
Schwieriger wird es, wenn sich diese Menschen Freiheiten herausnehmen. Sie heben Kijineko einfach hoch, berühren ihn ungefragt, reden in einer vollkommen unwürdigen Babysprache mit ihm oder versuchen sogar, an ihm zu riechen. Dass Sumire und Kinnosuke all das für einen Ausdruck ihrer Zuneigung halten, spielt aus Kijinekos Sicht natürlich keine Rolle. Für ihn ist das Zusammenleben mit Menschen ein ständiger Wechsel zwischen angemessener Verehrung und kaum zu ertragender Zumutung.
Genau aus diesem Gegensatz zieht My Cat’s Aura is Strong Today einen Großteil seines Humors. Die Menschen sehen einen niedlichen Kater, der Unsinn macht und ihr Leben bereichert. Kijineko sieht sich selbst als überlegene Existenz, die ihre etwas begriffsstutzigen Untertanen mit strenger Pfote kontrollieren muss.
Wenn er um vier Uhr morgens Futter möchte, dann hat das Futter gefälligst um vier Uhr morgens bereit zu stehen. Befindet sich ein Gegenstand auf einem Tisch, kann man ihn selbstverständlich herunterwerfen. Zeigt Kijineko seinen Bauch, darf dieser bewundert, aber unter gar keinen Umständen berührt werden. Und wenn er seinen Menschen eine selbst erlegte Kakerlake präsentiert, wäre ein wenig Dankbarkeit wohl wirklich nicht zu viel verlangt.
Diese Katzenlogik trifft Utako Uguisu in meinen Augen ausgesprochen gut. Wer längere Zeit mit Katzen zu tun hatte, dürfte viele Situationen sofort wiedererkennen: das demonstrative Ignorieren, das plötzlich erwachte Bedürfnis nach Aufmerksamkeit oder die beleidigte Reaktion, wenn ein mit viel Mühe beschafftes „Geschenk“ nicht angemessen gewürdigt wird.
Mir hat besonders gefallen, dass Kijineko dabei niemals an seiner eigenen Sichtweise zweifelt. Aus seiner Perspektive ergibt schließlich alles einen Sinn. Das Problem sind immer die Menschen. Sie verstehen seine Befehle nicht, reagieren falsch und scheinen überhaupt nur sehr eingeschränkt dazu in der Lage zu sein, sich gegenüber einer Katze angemessen zu benehmen. Der Manga muss diese Widersprüche gar nicht groß erklären. Oft reicht schon ein Blick des Katers.
Später zieht mit Kuroneko ein ehemaliger Streuner in den Haushalt ein. Während Kijineko längst davon überzeugt ist, dass die Menschen zu seiner Versorgung da sind, begegnet Kuroneko seiner neuen Umgebung zunächst mit großem Misstrauen. Er betrachtet sich weniger als Haustier, sondern eher als Eindringling auf einer geheimen Mission.
Die Menschen müssen beobachtet werden. Ihre Absichten sind unklar, das angebotene Futter könnte eine Falle sein und selbst hinter einer freundlichen Berührung verbirgt sich womöglich ein finsterer Plan. Kuroneko kennt die Sicherheit eines festen Zuhauses noch nicht. Entsprechend angespannt bewegt er sich durch die Wohnung und versucht, jede Situation möglichst genau zu bewerten.
Der Gegensatz zwischen den beiden Katzen gehört für mich zu den stärksten Ideen des Bandes. Kijineko ist der verwöhnte Hausherr, der sämtliche Regeln längst festgelegt hat. Kuroneko dagegen muss erst lernen, dass ihm von diesen merkwürdigen Menschen keine Gefahr droht. Beide betrachten dieselbe Welt auf ihre eigene Weise und beide liegen mit ihren Schlussfolgerungen oft herrlich daneben.
Trotzdem hätte Utako Uguisu diesen Unterschied gerne noch deutlicher ausarbeiten dürfen. Denn obwohl Kijineko und Kuroneko aus völlig verschiedenen Lebenssituationen kommen, ähneln sich ihre Kapitel in ihrer Wirkung manches Mal stärker, als es ihren Persönlichkeiten guttut. Beide kommentieren die Menschen mit einer Mischung aus Arroganz, Misstrauen und Unverständnis. Beide halten sich für klüger als ihre Umgebung. Und beide sehen in Sumire und Kinnosuke etwas dümmliche Wesen, die selbst die einfachsten Regeln des Katzenlebens nicht begreifen.
Das ist durchaus lustig. Auf Dauer nutzt sich die Idee allerdings ein wenig ab.
Der Manga besteht größtenteils aus kurzen Alltagsepisoden. Eine große Handlung gibt es ebenso wenig wie eine klassische Entwicklung der Figuren. Stattdessen reiht Utako Uguisu kleine Beobachtungen aneinander: ein neu entdecktes Versteck, ein Stück Tonkatsu, eine Zikade, ein Insekt als Geschenk oder der nächste Versuch der Menschen, ihre Katzen mit Zuneigung zu überfordern.
Obwohl My Cat’s Aura is Strong Today kein klassischer 4-Koma-Manga ist, liest er sich stellenweise ähnlich. Die einzelnen Kapitel sind kurz, pointiert und meistens in sich abgeschlossen. Das macht den Band zu einer angenehmen Lektüre für zwischendurch. Beim Lesen am Stück fällt hingegen schneller auf, dass viele Gags nach einem ähnlichen Muster funktionieren. Ein Mensch tut etwas völlig Normales, die Katze deutet es falsch und im Hintergrund ahnt niemand, wie streng er gerade beurteilt wird.
Für mich funktioniert der Manga deshalb am besten in kleineren Portionen. Ein oder zwei Episoden lesen, über Kijinekos maßlose Selbstüberschätzung schmunzeln und den Band dann erst einmal wieder zur Seite legen. So kommen die einzelnen Beobachtungen deutlich besser zur Geltung. Hintereinander gelesen wirken manche Pointen hingegen wie leicht veränderte Wiederholungen.
Ohnehin ist der Humor recht klar auf Katzenmenschen zugeschnitten. Wer selbst mit Katzen zusammenlebt, wird vermutlich häufiger an eigene Erlebnisse denken. Wer dagegen keinen besonderen Bezug zu ihnen hat, dürfte aus dem Band wesentlich weniger ziehen. Dann bleiben am Ende vor allem einige nette, aber recht ähnliche Alltagsszenen.
Sumire und Kinnosuke selbst bleiben eher einfache Figuren. Sie sind sozusagen die klassischen Katzenmenschen: vollkommen vernarrt in ihre Tiere, stets zu übertriebener Verniedlichung bereit und natürlich davon überzeugt, dass ihre Zuneigung jederzeit willkommen sein muss. Für den Humor funktioniert das. Trotzdem hätte ich gerne noch ein wenig mehr von ihnen erfahren. Da der Blick fast vollständig bei den Katzen bleibt, dienen die Menschen meist nur als Stichwortgeber für die nächste Pointe.
Zeichnungen und Gestaltung
Richtig gut gefallen hat mir, wie genau Utako Uguisu die Körperlichkeit der Katzen einfängt. Die Zeichnungen sind niedlich, aber nicht vollkommen stilisiert. Kijineko und Kuroneko sehen weiterhin wie echte Katzen aus. Ihre Haltung, die Blicke und die Art, wie sie sitzen, liegen, lauern oder sich strecken, wirken sehr genau beobachtet.
Oft sind es Kleinigkeiten, die eine Szene tragen. Da ist etwa der Rücken einer Katze, die sich gerade hingesetzt hat, aber noch nicht ganz in der bekannten Laibform angekommen ist. Oder dieser seitliche Blick, bei dem man nie so genau weiß, ob er völlige Gleichgültigkeit oder tiefste Verachtung ausdrücken soll.
Bei Kuroneko lässt sich zudem an der Körperhaltung ablesen, dass er seiner neuen Umgebung noch nicht traut. Er wirkt angespannt, beobachtet jede Bewegung und scheint immer bereit zu sein, sich wieder zurückzuziehen. Solche Momente erzählen manches Mal mehr über ihn als seine inneren Kommentare.
Die vollfarbige Gestaltung unterstützt diesen Eindruck. Die Farben sind angenehm zurückhaltend und nicht zu grell. Dadurch entsteht eine warme Atmosphäre, ohne dass die Seiten überladen wirken. Die Katzen bleiben klar im Mittelpunkt. So soll es vermutlich auch sein. Kijineko würde eine andere Entscheidung schließlich kaum akzeptieren.
Fazit
My Cat’s Aura is Strong Today ist ein sympathischer Katzenmanga, der von Wiedererkennung, trockenem Humor und einer großen Liebe für die kleinen Absurditäten des Katzenalltags lebt.
Wer schon einmal um vier Uhr morgens von einer hungrigen Katze geweckt wurde, ein fragwürdiges „Geschenk“ auf dem Boden gefunden hat oder in die Falle eines einladend ausgestreckten Bauches getappt ist, dürfte sich hier schnell zu Hause fühlen. Auch dieser eine Blick, mit dem eine Katze sämtliche Entscheidungen des Tages infrage stellt, wurde ziemlich gut getroffen.
Eine große Handlung oder besonders viel Abwechslung sollte man allerdings nicht erwarten. Viele Episoden folgen einer ähnlichen Grundidee und auch die beiden Katzenstimmen hätten sich für meinen Geschmack deutlicher voneinander unterscheiden dürfen.
Dafür ist der Band warm, charmant und aufmerksam beobachtet. Vor allem die Zeichnungen fangen das Verhalten der Katzen erstaunlich gut ein. Für Katzenmenschen ist My Cat’s Aura is Strong Today daher auf jeden Fall einen Blick wert. Alle anderen sollten vielleicht erst einmal testen, wie viel Spaß sie an Kijinekos sehr spezieller Form der Weltherrschaft haben.
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