Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

Sein geheimes Lächeln: Verliebt in einen Gärtner

Sein geheimes Lächeln: Verliebt in einen Gärtner

[Anzeige, da Rezensionsexemplar]

Nayuta Nago ist für Boys-Love-Fans in Deutschland sicherlich keine Unbekannte mehr. Zwei ihrer Werke sind auf dem deutschen Markt bereits erschienen. In den nächsten Monaten werden bei Hayabusa weiterere Titel folgen. Den Anfang macht “Sein geheimes Lächeln: Verliebt in einen Gärtner”.

Der Einzelband erschien in Japan unter dem Originaltitel “Hoshi to Harinezumi” von Dezember 2017 bis zum August 2018 im Boys-Love-Magazin Cab . Der Spin-off-Manga (Sein geheimes Lächeln: Verliebt in einen Schriftsteller) ist bei Hayabusa für den März 2026 geplant.

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Story & Zeichnungen: Nayuta Nago | Originaltitel: Hoshi to Harinezumi | Übersetzung: Melania Schmitz | Genre: Boys Love | Verlag: Hayabusa Manga | Preis: 8,00€ | mehr Informationen auf der Verlagsseite

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Wie war’s?

“Sein geheimes Lächeln: Verliebt in einen Gärtner” beginnt vielversprechend, bleibt am Ende jedoch hinter den Möglichkeiten zurück, die die Geschichte durchaus geboten hätte. Die Ausgangssituation ist klassisch, was sie aber nicht unbedingt weniger effektiv macht: Ikumi Chiba, wohlhabender Student aus Tokio, verbringt den Sommer im Elternhaus und begegnet dort Harukiyo, einem Gärtner mit einschüchterndem Äußeren und überraschend schüchterner Persönlichkeit. Die ersten Kapitel leben von Missverständnissen, vorsichtigen Blicken und unbeholfenen Annäherungen und schaffen eine angenehme, leichte Atmosphäre.

Gerade in dieser Anfangsphase funktioniert der Manga aus meiner Sicht am besten. Die Chemie zwischen den beiden Protagonisten ist spürbar, die humorvollen Situationen ergeben sich organisch aus ihrer gegenseitigen Unsicherheit. Besonders Harukiyo ist dabei ein klarer Sympathieträger. Seine Kombination aus Piercings, harter Schale und errötender Unsicherheit ist charmant und sorgt für viele niedliche Momente. Ikumi hingegen bleibt bereits zu Beginn deutlich blasser. Abgesehen davon, dass er reich, beliebt, einen coolen Kleidungsstil hat und freundlich ist, erfährt man über ihn kaum etwas, was ihn wirklich greifbar oder interessant macht.

Mit zunehmendem Fortschreiten der Geschichte treten die erzählerischen Schwächen dann immer mehr in den Vordergrund. Der Manga nimmt sich kaum Zeit, die Beziehung der beiden wirklich zu entwickeln. Viele wichtige Momente finden entweder sehr verkürzt statt oder werden komplett übersprungen. Nach wenigen gemeinsamen Tagen wird bereits eine romantische Beziehung angedeutet, ohne dass die emotionale Entwicklung dafür ausreichend vorbereitet wirkt. Besonders problematisch ist der größere Zeitsprung, in dem Ikumi und Harukiyo eine Fernbeziehung führen. Dass sie viel miteinander telefonieren, wird zwar erwähnt, doch worüber sie sprechen und wie sich ihre Gefühle dabei vertiefen, bleibt völlig offen.

Die romantischen und körperlichen Entwicklungen wirken dadurch stellenweise überhastet. Einige intime Szenen fühlen sich weniger wie ein natürlicher Schritt in der Beziehung an, sondern eher so, als wollte die Mangaka hier mit der Brechstange noch etwas Spice in die Geschichte bringen oder eine Strichliste abarbeiten. Konflikte werden zwar angedeutet werden, aber nie wirklich ausgespielt oder reflektiert. Selbst Harukiyos Wut, ein Moment mit großem Potenzial für Charakterentwicklung, verpufft nahezu wirkungslos.

Auch die Eigenschaften der Figuren bleibt insgesamt sehr oberflächlich. Harukiyo ist zwar liebenswert, reduziert sich aber letztlich auf seine Schüchternheit und sein äußeres Erscheinungsbild. Ikumi bleibt über weite Strecken austauschbar. Abgesehen von ihrer Anziehung zueinander erfährt man kaum etwas über ihre inneren Konflikte, Wünsche oder Ängste. Dadurch bleiben beide trotz sympathischer Ansätze erstaunlich blass und austauschbar.

Der Zeichenstil ist sauber und ansprechend, kann die erzählerischen Schwächen jedoch aus meiner Sicht nicht vollständig ausgleichen. Zwar macht der Manga optisch Spaß und lässt sich problemlos in einem Rutsch lesen. Nach dem Lesen bleibt aber wenig hängen. Die Geschichte endet, bevor sie wirklich begonnen hat.

Der kurze Auftritt von Harukiyos Bruder wirkt zudem merkwürdig deplatziert. Dass daraus ein Spin-off entstanden ist, erklärt diese Szene rückblickend, macht sie innerhalb der Hauptgeschichte aber nicht stimmiger. Man hatte bei ihm beim Lesen dieses Gefühl, was häufig in Boys-Love-Einzelbänden entsteht, dass es eine Person ist, die wir aus einer anderen Geschichte kennen sollten, hier aber als Randfigur fungiert.

Hayabusa Manga bringt den Band in seinem handeslüblichen Taschenbuchformat heraus. Als Extra gibt es in der Erstauflage eine SNS-Card, die die beiden Hauptfiguren zeigt.

Fazit

“Sein geheimes Lächeln: Verliebt in einen Gärtner” ist eine süße Boys-Love-Geschichte, die mit einem gut gelungenen Einstieg und einem sehr niedlichen Love Interest punktet. Gleichzeitig leidet der Manga aber unter fehlender Tiefe, zu schnellem Fortschritt und kaum ausgearbeiteten Figuren.

Viele gute Ansätze bleiben ungenutzt, wodurch die Geschichte letztlich oberflächlich und etwas beliebig wirkt. Nett für zwischendurch, aber weit davon entfernt, nachhaltig in Erinnerung zu bleiben.

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Bei diesem Manga handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir freundlicherweise von Carlsen zur Verfügung gestellt worden ist. Vielen Dank dafür!

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