Rezension: Twittering Birds never Fly

Kou Yonedas Twittering Birds Never Fly bietet einen Einblick in die Beziehung zwischen einem masochistischen Yakuza-Boss und seinem eigenwilligen Leibwächter. Ob die Reihe ihrem Hype gerecht wird, möchte ich in der Rezension zum ersten Band auf den Grund gehen.

Die Mangaka Kou Yoneda dürfte in Deutschland bereits einigen Fans bekannt sein. 2012 und 2014 erschienen zwei ihrer Werke, No touching at all und NightS, bei Tokyopop. Twittering Birds Never Fly erscheint seit 2013 im Magazin ihr hertZ und umfasst aktuell in Japan sechs Sammelbände. Kürzlich kündigte die Mangaka an, dass die Story wohl nur noch zwei oder drei Bände füllen wird.

In Deutschland hat sich Manga Cult die Rechte für den Titel gesichert und veröffentlich diesen im Großformat.

ECKDATEN ZUM MANGA

Text & Zeichnungen: Kou Yoneda
Originaltitel: Saezuru Tori wa Habatakanai
Genre: Drama, Boys Love
Verlag: Manga Cult
Preis: 10,00 € | Großformat

Weitere Informationen & Leseprobe

Worum geht’s?

Yashiro ist ein junger, attraktiver Yakuza-Boss mit einer nicht ganz geheimen Perversion: Er ist sexsüchtig und ein Masochist, der sich auf rauen, bedeutungslosen Geschlechtsverkehr einlässt. Bei solch einem besonderen Geschmack spielt die Liebe für Yashiro keine Rolle. Dies scheint sich zu ändern, als er auf seinen neuen Leibwächter Chikara Doumeki trifft. Einen ruhigen Anteil, der aber ebenfalls ein Geheimnis zu haben scheint. Was als merkwürdige sexuelle Anziehung zwischen einem Chef und seinem gehorsamen Untergebenen beginnt, wird schnell zu etwas Leidenschaftlicherem.

Wie war’s?

Der erste Band der Reihe ist in drei kleinere Geschichten aufgeteilt. Zum einen dem Oneshot Don’t Stay Gold, daraufhin folgen dann die ersten Kapitel der eigentlichen Handlung zu Twittering Birds Never Fly, ehe im Anschluss ein weiterer Oneshot mit dem Titel Kein Sturm wird den Untergang bringen und kein Abschied Tränen folgt. Die beiden Oneshots sind zwar in sich abgeschlossen, gehören allerdings zum gleichen Universum und sind für die Handlung von Twittering Birds nicht unbedeutend. Sie helfen insbesondere dabei die Hauptfigur Yashiro und dessen Handeln und Gefühle besser zu deuten und zu verstehen. Während das einführende Kapitel unmittelbar vor Twittering Birds spielt, ist der abschließende Onehot in der Highschool-Zeit von Yashiro einzuordnen.

Die erste Geschichte, Don’t Stay Gold, konzentriert sich auf die Beziehung zwischen einem Arztfreund von Yashiro, Kageyama, und einem jungen Straßenschläger, der gegenüber den Yakuza verschuldet ist. Auf Wunsch von Yashiro nimmt Kageyama den jungen Mann bei sich auf und es beginnt sich eine romantische Beziehung zu entwickeln. Gleichzeitig nutzt die Mangaka dieses Kapitel, um einige Charakterzüge von Yashiro zu verdeutlichen.

Die Handlung von Twittering Birds ist auf der Oberfläche simpel gehalten und ähnelt anderen im Yakuza-Mileu angesiedelten Werken, dennoch bringt der Titel auch frischen Wind mit, in dem er neue Wege geht und den Charakteren bereits im ersten Band eine sehr große Tiefe gönnt. Kou Yoneda scheut sich nicht davor, auch provokante Themen anzusprechen, und hält sich fern von typischen Klischees von Yakuza-Boys-Love-Titeln. Auch sollte der Leser sich im Klaren darüber sein, dass hier auch dunklere Themen angesprochen werden. Die Altersempfehlung von 16 Jahren sollte also durchaus ernst genommen werden.

Die Hauptstory dreht sich um die langsam entwickelnde Beziehung zwischen dem Yakuza-Boss Yashiro und dem Bodyguard Doumeki. Yashiro ist sofort von dem scheinbar gleichgültigen und einfältigen Mann fasziniert. Er kann nicht anders als seine Prinzipien zu brechen und fällt bei der ersten Begegnung über Doumeki her, obwohl er eigentlich nichts mit Untergebenen anfängt. Dabei wird aber auch klar, dass Doumeki nicht die Sorte Mann ist, mit der es Yashiro bislang zu tun hatte. Sein Bodyguard stellt sich nämlich als impotent heraus. Es baut sich daraufhin eine eigenartige Beziehung zwischen den beiden Männern auf. Doumeki akzeptiert Yashiros sexuelle Perversionen ohne Urteil, während Yashiro von Doumekis Impotenz nicht gestört ist. Umso mehr sie Zeit miteinander zu verbringen, desto tiefer scheint ihre Beziehung und Abhängigkeit zueinander zu werden.

Kou Yoneda gelingt es, die beiden Charaktere menschlich wirken zu lassen. Beide blicken auf traumatische Erlebnisse in ihrer Vergangenheit zurück, die sie gezeichnet haben. Es sind Charaktere mit Ecken und Kanten, mit denen der Leser mitfühlen kann. Insbesondere die Hintergrundgeschichte von Doumeki weiß dabei in den Bann zu ziehen. Während Yashiro sich selbstzerstörerischen Verhaltensweisen zuwendet, um seine Vergangenheit zu bewältigen, scheint Doumeki einer gewissen Gleichgültigkeit zu verfallen. Dass dem keinesfalls so ist, zeigen allerdings einige Szenen, in denen Yashiro ihn mit seinen Spielchen herausfordert und tiefere Emotionen hervorholt.

Das Artwork passt sehr gut zu dem Titel. Yoneda hat einen sehr erwachsenen und realistischen Zeichenstil, wodurch sich die Reihe von anderen Werken aus dem Genre hervorheben kann. Die Hintergründe sind meist sparsamer gezeichnet, womit sie den Fokus klar auf ihre Figuren legt. Die Panelanordnung indes ist eher genretypisch: Die Mangaka arbeitet mit unterschiedlicher Panelgröße, die sich auch mal überlappen können und nicht klar voneinander getrennt sind.
Schwierig zuzuordnen sind einige Sprechblasen, die in mehreren Szenen deplatziert wirken und so den Lesefluss stören können.

Gelungen ist Manga Cult auch die Übersetzung. Verena Maser hat es geschafft die herbe und unverblümte Sprache gut ins Deutsche zu übertragen, so dass der Titel auch in den Dialogen seine düstere Atmosphäre beibehalten kann und ins Setting passt.

Fazit & Bewertung

Angesichts des großen Hypes um den Titel, war ich skeptisch, ob Twittering Birds Never Fly die hohen Erwartungen auch wirklich erfüllen kann. Nach dem ersten Band bin ich positiv gestimmt, dass die Reihe einen frischen, neuen Boys-Love-Titel im nicht ganz unverbrauchten Yakuza-Milieu bieten kann.

Der Mangaka gelingt es, insbesondere durch die Charaktere und ihre Geschichten bereits früh eine gewisse Tiefe zu schaffen, so dass man als Leser zu ihnen eine Beziehung aufbauen kann. Ich für meinen Teil bin bereits gespannt, wohin der Weg des ungleichen Paars im Folgeband führen wird.

Vielen Dank an Manga Cult für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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