Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

Highschool-Heldin (Band 1)

Highschool-Heldin (Band 1)

[Anzeige, da Rezensionsexemplar]

Mit Romance-Shojo hatte bei mir vor einigen Jahren alles angefangen, inzwischen haben es genau diese Titel schwer, mich wirklich zu begeistern. Die Suche nach den besonderen Mangaperlen in dieser Zielgruppe habe ich aber noch nicht aufgegeben.

Auf Highschool-Heldin bin ich vor einigen Monaten über die US-Ausgabe im digitalen Format bei Kodansha gestoßen. Die Prämisse klang für mich spannend, vor allem, da ich taffe weibliche Charaktere immer gerne mag. Ich hatte mir aber vorgenommen, noch die nächsten Ankündigungen in Deutschland abzuwarten. Eine gute Entscheidung, denn hierzulande wurde der Titel schließlich durch Egmont Manga angekündigt.

In Japan lief die Reihe vom November 2018 bis zum Mai 2020 im Shojo-Magazin Dessert von Verlagsriese Kodansha. In der Summe bringt es der Titel, der im japanischen Original unter Heroine Hajimemashita veröffentlicht wird, auf vier Sammelbände. Die Idee und die Zeichnungen stammen von Fuyu Amakura, für die es gleichzeitig das Debüt auf dem deutschen Markt ist.

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Text & Zeichnungen: Fuyu Amakura | Originaltitel: Heroine Hajimemashita. | Verlag: Egmont Manga | Zielgruppe: Shojo| Genre: Romance | Preis: 7,00€ | In vier Bänden abgeschlossen | Weitere Informationen & Leseprobe

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Wie war’s?

Highschool-Heldin erzählt die Geschichte von Shuko Kodakamine, einer Oberschülerin, die ihre gesamte Kindheit mit Judo und anderen Kampfsportarten verbracht hat. Dadurch haftet der Ruf an ihr, dass sie kein besonders feminines Mädchen ist, was sie auch beim Eintritt in die Highschool belastet. Sie möchte die Banalitäten eines Teenagers in ihrem Alter erleben, sich weiblich fühlen und den Jungs gefallen. Das Problem ist, dass sie ihren Ruf einfach nicht loswird. Sobald die Schule beginnt, drücken ihr tonnenweise Sportvereine Flugblätter in die Hand, um sie zu rekrutieren.

Eines Tages stößt sie durch Zufall auf Serizawa. Er hat das Ansehen, dass er sich an die Freundinnen von anderen Schülern heranmacht. So wird er oft von Eifersüchtigen gejagt. Als er Shukos Fähigkeiten und ihre Stärke bemerkt, beschließt er, einen Pakt mit ihr zu schließen. Wenn sie sich bereit erklärt, sein Leibwächter zu werden, wird er ihr helfen, ihren sehnlichsten Wunsch zu verwirklichen: Sie zu dem wichtigsten Mädchen in der Welt zu machen.

Highschool-Heldin erfindet das Rad der Shojo-Romance-Reihen sicherlich nicht neu. Im Allgemeinen ist die Handlung sehr klassisch und bedient sich einiger bekannter Tropes. Dennoch gibt es aber viele Dinge, die richtig gemacht werden. Insbesondere die Charaktere sind ein großer Pluspunkt der Reihe. Die beiden Hauptcharaktere sind unterhaltsam, machen bislang eine gute Entwicklung durch und haben eine freundschaftliche Beziehung, die auf Augenhöhe stattfindet.

Shuko ist eine weibliche Shojo-Protagonistin, die nicht naiv daherkommt. Sie ist intelligent, neigt aber dazu, sich nicht durchzusetzen und gegenüber den Schülern, die sie für ihre Clubs rekrutieren möchten, nicht klar ihre Meinung äußert. Sie ist auf der einen Seite zwar durch ihre Kampfsport-Erfahrung stark, dennoch hat sie viele sanfte Seiten. Ein wenig schade ist an dieser Stelle, dass sie sein möchte, wie alle anderen Highschool-Mädchen, die sich nur für Jungs und schöne Kleider interessieren. Hier bleibt zu hoffen, dass die Mangaka nicht auf typische Rollenmuster zurückgreift und eine Heldin entwickelt, die sich so wertschätzt wie sie ist und merkt, dass sie sich gar nicht großartig ändern muss und sollte, um einem Jungen zu gefallen.

Serizawa seinerseits ist ein Opfer seines Images als gutaussehender Schürzenjäger. Denn wie Shuko schnell merkt, trifft das auf ihn so gar nicht zu und er ist vielmehr ein Opfer von Missverständnissen und einem Problem, welches sie nur zu gut kennt: Er kann nicht nein sagen und möchte zu allen nett sein. Er stimmt schnell zu, weil er niemandem auf die Füße treten möchte. Serizawa ist ehrlich und geradlinig in seinem Handeln.

Die Beziehung, die sich zwischen ihnen entwickelt ist dadurch sehr ruhig und natürlich. Shuko und Serizawa lernen mit der Zeit mehr über den jeweils anderen und verstehen, dass hinter dem Gegenüber mehr steckt, als die Eigenschaften, die ihnen von außen zugeschrieben wurden. Beide helfen sich gegenseitig, ihre Schwächen zu überwinden und sich weiterzuentwickeln. Shuko sorgt dafür, dass Serizawa in komplizierten Situationen klar ausspricht, dass es sich um ein Missverständnis handelt, anstatt sich zum Sündenbock zu machen. Auch lernt er, deutlicher nein zusagen. Aber auch er steht ihr zur Seite und hilft ihr in schwierigen Momenten aus.

Die Szenen in inniger Zweisamkeit sind von der Mangaka auf ehrliche Weise beschrieben, wenn sie sich auch in typischen Shojo-Szenerien bewegt. Dadurch schafft sie es, dass der Titel bislang trotz allem sehr gut funktioniert.

Der Zeichenstil von Fuyu Amakura passt sehr gut zur Thematik. Ihre Linien sind skizzenhaft und weich. Das Design der Figuren ist sicher und in der Gestik gut ausgearbeitet. Wie in vielen Romance-Werken geht sie in den Panels recht sparsam mit Hintergründen um und arbeitet viel mit Rasterfolie. Ausschweifende Verzierungen gibt es jedoch nicht. Diese verwendet Amakura sehr sparsam. Besonders zu gefallen weiß die Dynamik ihres Stils in Bewegungen. Die Judogriffe und Bewegungen von Shuko sind flüssig und man spürt die Kraft, die von ihrem doch recht femininen, kleinen Körper ausgeht.

Enttäuscht werden dürften Fans von besonderen Ausstattungen. Egmont Manga bringt den Band mit keinerlei Extras, sondern im klassischen Taschenbuchformat ohne Farbseiten oder Umschlagsveredlung.

Fazit

Der erste Band von Highschool-Heldin bewegt sich nicht unbedingt in neuen Gefilden von Shojo-Romanzen und insbesondere erfahrene Leser*innen werden bereits im ersten Band über die eine oder andere Standardszene stolpern. Der Manga kann aber dennoch mit einem guten Konzept überzeugen. In den kommenden Bänden wird es spannend zu sehen sein, wie Fuyu Amakura ihre Idee weiterentwickeln wird.

Ich für meinen Teil hoffe, dass wir uns weiterhin in eher ruhigeren, undramatischen Romance-Gefilden bewegen, denn genau das ist es, was mich über so einige Tropes hinwegsehen lässt.

Empfehlen würde ich die Reihe Liebhaber*innen von Shojo-Titeln, die nach etwas Frischen und nicht zu Langem suchen.

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Bei diesem Manga handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir freundlicherweise von Egmont Manga zur Verfügung gestellt worden ist. Vielen Dank dafür!

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