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“Süße Bisse” ist für mich nicht unbedingt ein neuer Read. Ich habe den Manga bereits einige Monate vor dem deutschen Realease in der englischen Ausgabe von VIZ gelesen, bin nun aber umgestiegen. Und gestehen muss ich auch, ich habe kurz davor “Kamisama Kiss” von Julietta Suzuki nach nur einem Doppelband abgebrochen.
“Süße Biss” erscheint auf dem japanischen Markt unter dem Titel Oshi ni Amagami seit April 2022 im Shojo-Magazin Hana to Yume. Auf dem deutschen Markt liegt die Lizenz bei Loewe Manga, die den Band mit einem süßen Extra in Form von Sticker ausgestattet haben.

Text & Zeichnungen: Julietta Suzuki | Originaltitel: Oshi ni Amagami | Übersetzung: | Genre: Romance, Fantasy | Verlag: Loewe Manga | Preis: 8,99€ |

Hina Arukado stammt aus Rumänien, ist ein Vampir und hat die letzten Jahrzehnte eher zurückgezogen verbracht. Was sie schließlich doch aus ihrer gewohnten Umgebung lockt, ist keine große Sehnsucht nach Blut, Macht oder einem dramatischen Vampirleben, sondern Anime. Genauer gesagt: ihre große Liebe zu der Serie Vampire Cross und ganz besonders zu deren Figur Mao Ryuzaki. Hina ist ein Otaku durch und durch. Sie sammelt Merchandise, fiebert Events entgegen und verehrt ihren liebsten Charakter mit einer Hingabe, die wohl viele Fans nur zu gut nachvollziehen können.
Aus dieser Leidenschaft heraus zieht sie nach Japan. Dort trifft sie schließlich auf ihren Nachbarn Kyuta Amanatsu und der sieht ausgerechnet ihrem geliebten Mao zum Verwechseln ähnlich. Für Hina ist das ein Schock, fast schon ein Geschenk des Schicksals. Allerdings folgt direkt die Ernüchterung: Kyuta ist kein edler, sanfter Anime-Prinz, sondern schroff, direkt, ziemlich unhöflich und alles andere als begeistert von seiner neuen Nachbarin.
Damit ist die Ausgangslage von Süße Bisse schnell gesetzt. Eine zurückgezogen lebende Vampirin mit Otaku-Herz trifft auf einen mürrischen jungen Mann, der aussieht wie ihr fiktiver Lieblingscharakter, sich aber komplett anders verhält. Was zunächst nach einer sehr albernen Romantik-Comedy klingt, entpuppt sich im ersten Band als eine erstaunlich charmante Mischung aus Fandom-Humor, Vampirfantasy, sanfter Romance und kleinen dunkleren Untertönen.
Besonders interessant ist, dass Julietta Suzuki, bekannt durch Kamisama Kiss, den Vampir-Stoff nicht einfach nur als hübsche übernatürliche Verpackung nutzt. Natürlich ist der Manga in erster Linie süß, verspielt und witzig. Hina ist eine herrlich liebenswerte Protagonistin, Kyuta ein klassischer Tsundere-Gegenpart, und viele Situationen leben davon, dass Hinas Anime-Leidenschaft auf Kyutas bodenständige Genervtheit prallt. Gleichzeitig schwingen aber Themen mit, die für Vampirgeschichten schon immer wichtig waren: Begehren, Kontrolle, Isolation und Einverständnis.
Hina selbst ist dabei der große Gewinn dieses Auftaktbandes. Es wäre sehr leicht gewesen, aus ihr eine überdrehte, anstrengende Otaku-Karikatur zu machen. Eine Figur, die jeden mit ihrem Hobby überfährt, ständig schreit und keinerlei Grenzen kennt. Suzuki entscheidet sich zum Glück für einen deutlich sympathischeren Weg. Hina ist enthusiastisch, weltfremd und manchmal etwas zu sehr in ihrer eigenen Fandom-Blase gefangen, aber sie ist vor allem unglaublich lieb. Sie möchte Freunde finden, ihre Leidenschaft teilen und endlich ein Leben führen, das über ihre lange Isolation hinausgeht.
Dass sie ein Vampir ist, macht diese Sehnsucht noch spannender. Hina ist eigentlich mächtig. Sie ist älter, stärker und gefährlicher, als sie auf den ersten Blick wirkt. Trotzdem hat sie etwas Sanftes, Unsicheres und fast Mädchenhaftes an sich. Gleichzeitig ist sie keineswegs eine hilflose Heldin. Wenn es darauf ankommt, kann sie Kyuta beschützen. Dieser Gegensatz macht sie sehr reizvoll: Hina will weich sein dürfen, obwohl sie stark ist.
Gerade darin liegt eine schöne Umkehrung des klassischen Vampirromanze-Motivs. Häufig ist es der männliche Vampir, der geheimnisvoll, gefährlich und übermächtig erscheint, während die weibliche Figur in seine Welt hineingezogen wird. Hier ist es andersherum. Hina ist die Vampirin, Kyuta der Mensch. Sie ist diejenige mit übernatürlicher Kraft, während er auf eine ganz andere Weise verletzlich ist. Denn Kyuta besitzt einen Duft, der Vampire anzieht. Für andere Vampire ist er geradezu unwiderstehlich, was ihn immer wieder in Gefahr bringt.
Dass Kyuta Hinas Fantasie auch recht schnell ausbremst, tut der Geschichte gut. Er lässt sich nicht einfach in die Rolle ihres perfekten Lieblingscharakters pressen. Er ist genervt, schroff und anfangs auch nicht unbedingt sympathisch. Gleichzeitig merkt man recht schnell, dass hinter seiner ruppigen Art mehr steckt. Er ist nicht grausam, nur wenig geduldig und mit Hinas Energie zunächst völlig überfordert. Gerade weil er nicht sofort weichgespült wird, funktioniert die Dynamik zwischen den beiden. Hina ist voller Begeisterung, Kyuta hält dagegen. Sie schwärmt, er knurrt. Sie versucht, ihn in ihre Welt mitzunehmen, er behauptet, kein Interesse zu haben, lässt sich aber doch immer wieder darauf ein.
Nicht jede Nebenfigur wirkt sofort so stark wie Hina und Kyuta, aber der Band bekommt dadurch mehr Bewegung. Die Welt öffnet sich. Hina ist nicht einfach nur die süße Vampirin von nebenan, sondern Teil eines übernatürlichen Gefüges, das noch nicht vollständig erklärt ist. Vampirkräfte bleiben im ersten Band zwar noch etwas vage, doch das stört nicht allzu sehr. Für den Auftakt reicht es, dass sie für komische, romantische und gelegentlich gefährliche Situationen sorgen.
Zeichnerisch ist der Band ebenfalls sehr gelungen. Suzukis Stil wirkt modern, rund und angenehm weich. Hina ist niedlich, ohne übertrieben zerbrechlich zu wirken. Gerade das ist wichtig, weil sie zwar süß und verträumt erscheint, aber eben auch ein mächtiger Vampir ist. Kyuta wiederum bekommt genau die richtige Mischung aus Attraktivität, Gereiztheit und Tsundere-Ausstrahlung. Die Ähnlichkeit zu Mao wird spielerisch genutzt, ohne dass Kyuta dadurch seine Eigenständigkeit verliert.
Besonders schön ist die Ausdrucksstärke der Figuren. Hinas Begeisterung für ihr Fandom, ihre Verlegenheit, ihr Staunen und ihre ehrliche Freude werden sehr liebevoll eingefangen. Man spürt in den Zeichnungen, wie sehr sie für Mao, Anime und kleine Fan-Momente brennt. Gleichzeitig funktionieren auch die komödiantischen Reaktionen sehr gut.
Fazit
Süße Bisse eignet sich wunderbar für alle, die eine leichte, romantische Geschichte mit Vampiren, Fandom-Humor und einem ungleichen Duo suchen. Fans von Julietta Suzuki dürfen ohnehin neugierig sein, denn ihre Stärke für charmante Figuren und gegensätzliche Dynamiken zeigt sich auch hier deutlich.
Der erste Band verspricht eine süße, leicht schräge und warmherzige Romance.

Der Manga wurde mir freundlicherweise von What’s up Jonny zur Verfügung gestellt. Wie immer hat die Kooperation keinerlei Einfluss auf meine persönliche Meinung zum Titel.
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