Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

Die Blumen des Bösen (Band 1) - Rezension

Die Blumen des Bösen (Band 1)

[Anzeige, da Rezensionsexemplar]

Lange mussten die deutschen Mangafans warten, nun ist auf dem hiesigen Markt mit Die Blumen des Bösen endlich ein Werk von Shuzo Oshimi erschienen.

Oshimi debütierte mit Superfly 2001 in Kodanshas Monthly Shonen Magazine. International bekannt ist er unter anderem für Die Blumen des Bösen oder Happiness. Seine Werke wurden in vielen verschiedenen Medien adaptiert.

Die Blumen des Bösen liefen vom September 2009 bis zum Mai 2014 unter dem Titel Aku no Hana im Bessatsu Shonen Magazine von Kodansha. Die Lizenz für den deutschen Markt sicherte sich Manga Cult, die die Reihe in Sammelbänden veröffentlichen werden.

Im ersten Band sind drei Bände enthalten, die übrigen Bände bestehen aus jeweils zwei Bänden der Orginalausgabe. Damit wird die deutsche Veröffentlichung am Ende fünf Bände umfassen. Entsprechend kostet der erste Band mit 20 Euro durch die höhere Seitenanzahl etwas mehr, die übrigen Bände werden 15 Euro kosten.

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Text/Zeichnungen: Shuzo Oshimi | Originaltitel: Aku no Hana | Übersetzung: Martin Gericke | Verlag: Manga Cult | Zielgruppe: Shonen| Genre: Drama | Preis: 20,00€ (ab Band 2: 15,00€) Großformat | In fünf Sammelbänden abgeschlossen | Weitere Informationen & Leseprobe

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Wie war’s?

Takao ist ein introvertierter Oberschüler, der nur wenige Freunde hat und sich oft in seine unzähligen Bücher flüchtet. Takao ist in die schöne Saeki verliebt und himmelt sie heimlich an. In seiner Klasse befindet sich auch die kühle und verstörende Sawa, die sich nicht für andere interessiert und keinen Respekt vor ihren Lehrern hat und nicht davor zurückschreckt, sie auf das Übelste zu beschimpfen.

Als Takao eines Abends in die Schule zurückkehrt, da er ein Buch an seinem Platz vergisst, findet er Saekis Sportsachen, die diese in der Klasse vergessen hat. Lange hadert er mit sich, lässt sich aber schließlich dazu hinreißen, den Turnbeutel zu öffnen und an ihren Sachen zu riechen. Als er merkt, dass er zu weit geht, wird er plötzlich von einem Geräusch aufgeschreckt. Unbewusst nimmt er Saekis Tasche mit und flüchtet aus der Schule.

Am nächsten Tag ist das Mädchen in Tränen aufgelöst und ihr Lehrer verlangt, dass die Sachen zurückgegeben werden. Die ganze Klasse spricht von einem Perversen, der die Sachen gestohlen hat. Takao ist hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, Saeki das zurückzugeben, was er ihr aus Versehen weggenommen hat, und der Angst, als Perverser zu gelten und dann in seiner Klasse die Hölle zu erleben.

Schnell aber stellt sich heraus, dass seine Situation noch aussichtsloser wird. Sawa hat ihn gesehen und beschließt, ihn zu erpressen. Der junge Mann wird zum Spielball des Mädchens. Takao müsse ihr alles über sein Leben und seine Tage erzählen, ohne Vorbehalte und nur auf Aufforderung und gerät in ihren Spielchen immer mehr unter Druck, beginnt aber auch eine Anziehung zu verspüren.

Shuzo Oshimi hat den Titel der Reihe nicht ohne Hintergedanken gewählt. Der Mangaka lehnt ihn an eine Gedichtsammlung des französischen Autors Charles Baudelaire an. Wenn man in die Sammlung schaut und sich die Rezeptionen des Werkes durchliest, so kann man aber auch inhaltlich einige Überschneidungen finden, die sicherlich nicht ohne Intention von Oshimi vorhanden sind.

Baudelaires Werk wurde kurz nach seiner Veröffentlichung unter anderem als unmoralisch, abstoßend und ekelhaft empfunden. Sein Verleger und Baudelaires selbst wurden zu Geldstrafen verurteilt und sechs Gedichte “wegen Verletzung des Schamgefühls und Aufreizung der Sinne” verboten.

Auch auf dem Cover des Sammelbandes wird auf das Werk des französischen Dichters Bezug genommen. Wie der Mangaka in einem Kommentar erwähnt, wurde die Blume einer Zeichnung des Symbolisten Odilon Redon nachempfunden, die sich unter anderem auf dem Coverumschlag der japanischen Ursprungsausgabe befindet. Auch innerhalb des Bandes selbst tauchen immer wieder Bezüge zum Werk von Baudelaire auf.

Die zahlreichen und ausführlichen Zwischenkommentare des Autos sorgen auch dafür, dass man spürt, wie viele Gedanken er in diese Reihe gesteckt hat. Er erzählt über seine Bewunderung und erste Berührung mit Baudelaire. Erklärt, dass Takao von sich selbst inspiriert ist und andere reale Menschen ihn zu den Charakteren in seinem Werk inspirierten. Außerdem ist die Szenerie seiner Geburtsstadt nachempfunden.

Auch wenn Shuzo Oshimi in dem ersten Sammelband gerade erst in seine Geschichte einführt, so lässt sich schon erkennen, was er mit der Reihe erreichen möchte. Es ist eine düstere, metaphorische Geschichte, die die Leserschaft in die Abgründe der menschlichen Seele blicken lässt. Umso weiter der Band voranschreitet, desto mehr lassen sich die dunklen Gedanken und Triebe der Figuren erahnen und selbst hinter der Fassade der Schulschönheit scheint etwas mehr zu stecken.

So fragt man sich zu Beginn des Bandes, wieso Takao sich so leicht von Sawa unterdrücken lässt. Sobald sie behauptet, ihn gesehen zu haben und ihn anzeigen zu können, lässt er es geschehen, obwohl er einfach nur die Tasche wegwerfen oder Sawas Behauptung leugnen müsste, da sie keine konkreten Beweise hat. In Wirklichkeit spiegelt dies jedoch vor allem Takaos Schwäche wider: Er ist ein schüchterner, unsicherer Junge, der leicht in Panik gerät und wahrscheinlich. Er hat den Charaktertyp, der sich von einem stärkeren Kopf beherrschen lässt, und Sawa gehört mehr als jeder andere zu dieser Kategorie.

Es entwickelt sich eine seltsame Beziehung zwischen Takao und Sawa. Zunächst muss er jeden Abend Sawa Bericht erstatten. Sie erzählt ihm dann ihre verdrehten Geschichten und zwingt ihn zu ein wenig seltsamen Handlungen. Sawas Charakter ist über weite Strecken dieses Bandes von einer ungesunden, ungewöhnlichen und mysteriösen Aura umgeben. Sie ist eine tickende Zeitbombe, deren Handlungen unvorhersehbar sind. Es dauert nicht lange, dann wird auch Saeki selbst mit hineingezogen und es entsteht ein kurioses Liebesdreieck.

Alleine der Blick auf die Beziehung der Charaktere lässt viele der Themen aus Baudelaires Werken wiedererkennen. Masochismus, menschliche Eitelkeit, Selbsthass, all das wird auch bei Oshimi aufgegriffen. Und wie Baudelaire werden mit Die Blumen des Bösen die Schranken der Norm überwunden. Der Manga strahlt eine Mischung aus Schönheit, Obszönität und Verbotenem aus.

In dem Titel geht es um Mobbing, das man als Jugendlicher erleben kann, um das Unbehagen in der Pubertät, die Einsamkeit, die man empfinden kann. Die Psychologie der Figuren ist besonders gut gelungen und Oshimi schafft einen vielschichtigen Titel, der viel Gesprächsstoff hervorrufen kann.

Unterstützt wird die intensive Atmosphäre in dem Titel durch Shuzo Oshimis Zeichenstil. Was all seine Manga auszeichnet, ist die Perspektive, aus der viele der Panels gezeichnet werden. Es gibt Panels, in denen Charaktere gezeigt werden, die etwas oder jemanden anschauen, die so gezeichnet sind, dass die Figur uns, den Leser, direkt anschaut und gefühlt Augenkontakt herstellt.

Auch werden Panels oft aus der Sichtweise des jeweiligen Charakters gezeichnet, wodurch die Leserschaft mit voller Wucht in die Geschichte hineingezogen wird und lebendige Bilder entstehen. Das macht den Schrecken, der den Szenen zugrunde liegt, umso wirkungsvoller. Außerdem verfügt er über ein sehr filmisches Erzählen. Sehr oft treffen die Leser*innen auf ein paar Panels mit Gesichtern, gefolgt von einem Panel, der einen winzigen Ausschnitt zeigt eines Körpers etc., auf den der Blick des Charakters gerade fällt.

Shuzo Oshimis Strich ist realistisch angehaucht, seine Panelführung klar und flüssig.

Der Band wird von Manga Cult im üblichen Großformat gebracht und weiß trotz der 592 Seiten durch ein gutes Handling zu überzeugen. Die Seiten sind dick genug, dass nichts von der anderen Seite durchscheint, aber nicht zu schwer, so dass der Band unnötiges Gewicht tragen muss. Positiv sticht auch die Bindung hervor. Der Band kann weit aufgeschlagen werden, ohne dass man als Leser*in einen gebrochenen Buchrücken befürchten muss.

Fazit

Der erste Sammelband von Shuzo Oshimis Die Blumen des Bösen lässt der Mangaka die Leser*innen tief in die dunklen Triebe der Menschen blicken. Wohin die Geschichte führt, lässt sich nach den ersten 592 Seiten noch nicht sagen, doch der Autor schafft es, eine Atmosphäre zu schaffen, die packend und interessant ist und uns auf die Fortsetzung hinfiebern lässt.

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Bei diesem Manga handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir freundlicherweise von Manga Cult zur Verfügung gestellt worden ist. Vielen Dank dafür!

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