Passt der Manga zu dir?
Für dich, wenn …
- … du Friends-to-Lovers-Geschichten magst, bei denen das Geständnis nicht bis zu den letzten Seiten hinausgezögert wird.
- … du einen warmen, respektvollen Boys Love ohne erzwungene Beziehungsdramen und viel Erotik suchst.
- … du Geschichten interessant findest, die unterschiedliche Ängste vor einem Coming-out ernst nehmen.
- … du reduzierte, ausdrucksstarke Zeichnungen und wiederkehrende Motive rund um Fotografie, Licht und Dunkelheit magst.
Eher nicht für dich, wenn …
- … du bei Boys Love vor allem explizite oder besonders körperliche Szenen erwartest.
- … du eine Geschichte mit großen äußeren Konflikten und überraschenden Wendungen suchst.
- … du detailreiche Hintergründe und einen eher klassischen Zeichenstil bevorzugst.
- … du Themen wie Homophobie, Ausgrenzung und die Angst vor Ablehnung lieber vermeiden möchtest.
Arata liebt die Fotografie. Besonders häufig steht dabei sein Kindheitsfreund Miyamoto vor der Kamera, der nicht nur im Basketballclub aktiv, sondern auch bei den Mädchen der Schule sehr beliebt ist. Aratas Aufnahmen von ihm finden deshalb reißenden Absatz. Was allerdings niemand weiß: Arata fotografiert Miyamoto nicht nur aus geschäftlichem Interesse. Er ist schon lange in seinen besten Freund verliebt.
Wenn Miyamoto wieder einmal von einem Mädchen ein Liebesgeständnis bekommt, lauscht Arata heimlich. Bisher hat Miyamoto jedes Mädchen abgewiesen, weil er angeblich bereits jemanden liebt. Eines Tages wird Arata beim Zuhören erwischt und Miyamoto bietet ihm an, das Geheimnis endlich zu lüften.
Die Antwort dürfte für die meisten von euch keine große Überraschung sein.
Meine Meinung
Eine Liebesgeschichte über zwei Kindheitsfreunde ist nun wirklich nichts Neues. Trotzdem hat mich Blitzlicht in der Dunkelheit schnell für sich gewonnen, denn Nojico Hayakawa hält sich nicht lange mit unnötigen Missverständnissen auf. Das Geständnis erfolgt recht früh. Danach geht es um die eigentlich viel interessantere Frage: Wie wird aus einer jahrelangen Freundschaft plötzlich eine Beziehung?
Arata und Miyamoto müssen erst einmal herausfinden, wie sie miteinander umgehen wollen. Beide sind verliebt, beide wünschen sich Nähe und trotzdem drücken sie ihre Gefühle vollkommen unterschiedlich aus. Miyamoto ist offen, etwas naiv und sagt ziemlich geradeheraus, was er möchte. Arata denkt dagegen über jeden möglichen Blick und jede Reaktion nach. Eine ziemlich anstrengende Mischung, vor allem für ihn selbst.
Seine Angst kommt allerdings nicht aus dem Nichts. Arata hat bereits erlebt, wie ein homosexueller Mitschüler schikaniert wurde. Seitdem fürchtet er sich davor, dass andere Menschen von seinen Gefühlen erfahren könnten. Selbst nachdem er mit Miyamoto zusammengekommen ist, verschwinden diese Sorgen nicht einfach. Er liebt ihn, aber er weiß noch nicht, wie offen er diese Liebe zeigen kann und möchte.
Ich fand es gut, dass der Manga Arata dafür nicht verurteilt. Miyamoto geht viel unbeschwerter mit ihrer Beziehung um, doch seine Art wird nicht als die einzig richtige dargestellt. Menschen brauchen unterschiedlich lange, um ihre Gefühle anzunehmen. Manchmal weiß man selbst noch nicht genau, was man möchte, obwohl man sich seiner Liebe längst sicher ist.
Miyamoto ist dabei eine kleine Wucht. Mit seiner offenen und manchmal etwas unbeholfenen Art bringt er Wärme in Aratas Gedankenchaos. Er steht zu seinen Gefühlen und gibt Arata die Sicherheit, die dieser dringend benötigt. Trotzdem ist er nicht nur der starke, fröhliche Teil der Beziehung. Auch Miyamoto wird unsicher, eifersüchtig oder verletzlich. Beide dürfen einmal mutig sein und im nächsten Moment wieder zurückweichen. Das macht ihre Beziehung für mich glaubwürdig.
Vor allem gehen sie respektvoll miteinander um. Es gibt keine erzwungene Dramatik und kein Spiel mit den Gefühlen des anderen. Die Schwierigkeiten entstehen hauptsächlich durch ihre Unsicherheit und den Blick der Menschen um sie herum. Dass ihre Beziehung bereits recht früh beginnt, gibt der Geschichte außerdem genügend Raum, um genau diese kleinen Veränderungen zu zeigen.
Neben Arata und Miyamoto bekommen auch ihre Freunde und Mitschüler etwas Aufmerksamkeit. Besonders die Mädchen, denen Arata seine Fotos verkauft, bringen immer wieder Humor in die Geschichte. Gleichzeitig bleiben die Freunde der beiden nicht nur namenlose Stichwortgeber. Bei zweien von ihnen deutet sich sogar eine eigene Geschichte an. Trotzdem muss ich sagen, dass ich auch gerne mehr über sie erfahren hätte. Sie sind wichtig für Arata und Miyamoto, aber bleiben vergleichweise doch recht flach und treiben bestimmte Wendungen vorwärts.
Fotografie, Licht und Dunkelheit
Der Zeichenstil von Nojico Hayakawa ist vermutlich nicht für jeden etwas. Viele Hintergründe bleiben leer und manche Seiten wirken auf den ersten Blick recht reduziert. Dadurch richtet sich die Aufmerksamkeit aber automatisch auf die Gesichter, Bewegungen und kleinen Reaktionen der Charaktere. Gerade Aratas Unsicherheit wird so sehr deutlich.
Am stärksten ist der Manga für mich immer dann, wenn die Fotografie nicht nur ein Hobby bleibt, sondern Teil der Bildsprache wird. Arata versteckt seine Gefühle hinter der Kamera. Er kann Miyamoto durch das Objektiv ansehen, ohne ihm offen sagen zu müssen, warum er ihn ständig fotografiert.
Besonders gelungen ist das Motiv des zusammengerollten Films, den Arata mit seinen Gefühlen vergleicht. In der Dunkelheit ist alles sicher verwahrt. Sobald Licht darauf fällt, besteht jedoch die Gefahr, dass das Bild zerstört wird. Seine Liebe fühlt sich für ihn genauso an: Solange niemand davon weiß, kann ihm nichts passieren. Gleichzeitig kann daraus auch niemals ein sichtbares Bild werden.
Diese Verbindung aus Dunkelkammer, Film, Licht und Blitz zieht sich durch die gesamte Gestaltung. Einige Seiten wirken dadurch fast ein wenig verträumt, ohne dass die Geschichte kitschig wird. Die Zeichnungen sagen häufig mehr über Aratas Gefühlswelt aus als seine Worte. Das hat mir richtig gut gefallen.
Auch die Mischung aus ernsten Gedanken und kleinen humorvollen Szenen funktioniert. Obwohl sich der Manga mit Homophobie, Ausgrenzung und der Angst vor Ablehnung beschäftigt, wird die Beziehung der beiden nicht zu einer einzigen Leidensgeschichte. Miyamotos direkte Art und die Reaktionen ihrer Freunde lockern den Manga immer wieder auf.
Explizite Erotik spielt kaum eine Rolle. Im Mittelpunkt stehen die erste Liebe, vorsichtige Annäherungen und die Frage, wie zwei Jugendliche ihre Gefühle ausdrücken können. Wer bei Boys Love vor allem nach körperlichen Szenen sucht, wird hier vermutlich nicht ganz glücklich. Für Einsteiger und alle, die sanfte Schulromanzen mögen, ist der Manga dagegen sehr gut geeignet.
Fazit
Blitzlicht in der Dunkelheit erzählt eine warme Geschichte über zwei Kindheitsfreunde, die sich schon lange lieben und trotzdem erst lernen müssen, als Paar miteinander umzugehen. Aratas Angst vor dem Urteil anderer wird ernst genommen, ohne dass sie die gesamte Geschichte erdrückt. Miyamoto bildet dazu mit seiner offenen Art einen schönen Gegenpol.
Am meisten haben mir die Zeichnungen und der Einsatz der Fotografie gefallen. Filmrollen, Dunkelkammer und Blitzlicht greifen Aratas Gefühle immer wieder auf und geben dem Manga eine ganz eigene Stimmung. Nur von den Figuren hätte ich mich am Ende noch nicht verabschieden wollen.
Ein schöner Einzelband für alle, die Friends-to-Lovers-Geschichten, ausdrucksstarke Bilder und Boys Love ohne viel Erotik mögen.
Transparenzhinweis
Dieses Rezensionsexemplar wurde mir vom Verlag Hayabusa zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst.
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