[Anzeige, da Rezensionsexemplar]
Ryuhei Tamura dürfte den deutschen Fans vor allem durch seine Shonen-Reihe Beelzebub bekannt sein, die auch eine Anime-Adaption erhielt und hierzulande bei Tokyopop erschien, inzwischen jedoch vergriffen ist. Seine nachfolgenden Serien “Hungry Marie” und “Hard-Boiled Cop & Dolphin”, beide im Weekly Shonen Jump vorveröffentlicht, fanden mit jeweils vier beziehungsweise fünf Bänden ein eher frühes Ende.
Vielleicht auch deshalb schlägt Tamura nun neue Wege ein: Mit “Cosmos” verabschiedet er sich von Shueisha und veröffentlicht seit 2023 im Seinen-Magazin Sunday GX bei Shougakukan. Ein Wechsel, der nicht nur den Verlag betrifft, sondern auch Ton und Zielgruppe und der zeigt, dass Tamura nach seinen turbulenten Shonen-Jahren eine andere erzählerische Richtung einschlägt.
Auf Deutsch wird die Reihe von Carlsen Manga veröffentlicht.

Text & Zeichnungen: Ryuhei Tamura | Originaltitel: Cosmos| Übersetzung: Katrin Stamm | Genre: Drama, Comedy, Action | Demografische Zielgruppe: Seinen | Verlag: Carlsen Manga | Preis: 7,50€ | mehr Informationen auf der Verlagsseite

Wie war’s?
Nach dem chaotischen Hard-Boiled Cop and Dolphin schlägt Mangaka Ryuhei Tamura mit “Cosmos” leisere Töne an, zumindest auf den ersten Blick. Die Geschichte verbindet Sci-Fi mit Slice-of-Life, schräge Action mit ruhigen Zwischentönen und erzählt von einem ungewöhnlichen Duo, das sich durch intergalaktische Versicherungsfälle auf der Erde kämpft.
Kaede Mizumori ist auf den ersten Blick ein ganz normaler Oberschüler. Doch er besitzt eine besondere Fähigkeit: Er kann Lügen riechen. Diese Gabe macht sein Leben nicht gerade einfacher, denn im Alltag begegnen ihm ständig Unwahrheiten. Um sich vor emotionaler Enttäuschung zu schützen, hält er andere auf Distanz. Als jedoch seine Mitschülerin Hinakawa ihn bittet, ihren seit Tagen verschwundenen Freund Aizawa zu suchen, nimmt Kaedes Leben eine unerwartete Wendung.
Der Fall bringt ihn in Kontakt mit Rin Homura, einer kühlen und exzentrischen Ermittlerin für das intergalaktische Versicherungsunternehmen Cosmos. Aizawa entpuppt sich als Alien mit finanziellen Problemen und Rin erkennt schnell den Wert von Kaedes Fähigkeit. Sie möchte ihn für ihre Arbeit gewinnen.
Die Idee eines Versicherungsunternehmens für Aliens klingt zunächst nach purer Comedy, wird jedoch überraschend ernsthaft umgesetzt. Hinter den humorvollen Einfällen und der actionreichen Verpackung verbergen sich Geschichten voller Einsamkeit, Verlust und “Menschlichkeit”. Kaede begegnet Aliens, die an Krankheit leiden, gestrandet sind oder einfach nur versuchen, ihr Dasein auf der Erde zu meistern.
Dabei ist es gerade Kaede, der Mitgefühl und emotionale Tiefe in die Geschichten bringt. Während Rin eher analytisch und sachlich agiert, wird durch Kaede immer wieder deutlich, dass es nicht auf die Herkunft eines Wesens ankommt, sondern auf seine Gefühle und sein Schicksal. Diese Gegenüberstellung verleiht dem Manga eine warme, fast melancholische Note, ohne in Kitsch abzudriften.
Der erste Band erzählt in drei abgeschlossenen Kapiteln jeweils einen Fall. Dabei reicht das Spektrum von absurd-komisch bis tieftraurig. Besonders der dritte Fall, in dem ein Alien in menschlicher Gestalt mit einer schweren Diagnose konfrontiert ist, überrascht mit emotionaler Wucht. Zwar bleiben manche Nebenfiguren etwas blass und Kaedes Hintergrund wird bisher nur angerissen, aber gerade das macht neugierig auf die Fortsetzung.
Die Balance zwischen humorvollen Einfällen, solider Action und nachdenklichen Momenten gelingt insgesamt gut, auch wenn die Struktur teilweise episodisch und noch etwas unausgereift wirkt. Die Mischung aus ruhigem Erzähltempo, punktuell gesetzter Dynamik und einem originellen Setting sorgt jedoch für einen durchweg unterhaltsamen Lesefluss.
Die Zeichnungen überzeugen mit dynamischen Panels, klarer Linienführung und einem leichten Hang zur Überzeichnung, der gut zum Ton des Mangas passt. Vor allem die Designs der Aliens stechen hervor: Manche wirken wie aus einem Science-Fiction-Albtraum, andere fast schon niedlich. Die Action-Szenen, besonders ein Kampf in einem überfüllten Zug, sind flott inszeniert und gut nachvollziehbar.
Auch der Humor wird visuell transportiert, etwa durch übertriebene Reaktionen oder schräge Mimik. Gleichzeitig gibt es viele ruhige Bildmomente, in denen Tamura zeigt, dass er Atmosphäre auch ohne viele Worte erzeugen kann.
Von Carlsen Manga wird der Titel im handelsüblichen Taschenbuchformat herausgegeben. Farbseiten und andere Extras gibt es nicht.
Fazit
“Cosmos” ist ein Auftakt, der mich überraschen konnte, vor allem, weil ich noch die vorherige Reihe des Mangakas im Kopf hatte. Der Ton ist durchaus erwachsener und der Mangaka lädt bereits im ersten Band zum Nachdenken an. Nun bleibt es abzuwarten, ob es ihm gelingt, die Mischung aus leichter Comedy und ernster Note beizubehalten.
Zu empfehlen ist der Titel Fans von Action-Titeln, die aber auch eine gewisse Ernsthaftigkeit mit sich bringen.

Bei diesem Manga handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir freundlicherweise von Carlsen zur Verfügung gestellt worden ist. Vielen Dank dafür!



