Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

My Broken Mariko

My Broken Mariko

Trigger-Warnung: Enthält Diskussion über Selbstmord, sexuellen Missbrauch und Selbstverletzung.

Für mich war eigentlich seit Ankündigung klar, dass ich über den Manga ausführlicher schreiben möchte. Auch habe ich schon früh beschlossen, ich kaufe ihn selbst, da ein Teil des Erlöses an die Suizidprävention geht.

Bei My Broken Mariko handelt es sich um das Debüt-Werk von Waka Hirako, welches 2019 auf dem japanischen Namen unter dem Titel Mai Burookun Mariko erschienen war. 2021 erhielt sie für ihr Werk den “New Face Award” beim Japan Media Arts Festival.

Die Lizenz in Deutschland liegt bei Egmont Manga.

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Story&Zeichnungen: Waka Hirako | Originaltitel: Mai Burookun Mariko | Zielgruppe: Josei | Genre: Drama, Slice-of-Life | Verlag: Egmont Manga | Preis: 12,00 € | In einem Band abgeschlossen | Weitere Informationen zum Titel

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Wie war’s?

Tomoyo Shino ist schon ihr ganzes Leben lang eine enge Freundin von Mariko. Sie sind zusammen aufgewachsen und Shino hat alles miterlebt, was Mariko durchgemacht hat: den Missbrauch durch ihren Vater und später durch verschiedene Freunde sowie Depressionen und Selbstverletzung. Der Manga beginnt damit, dass Shino erfährt, dass ihre Freundin Selbstmord begangen hat. Der Tod von Mariko wirft Shino völlig aus der Bahn. Sie ist zunächst ungläubig, da nichts darauf hindeutete, dass Mariko Suizid begehen würde. Dann schlagen ihre Gefühle in Wut um. Sie macht sich auf, Marikos Asche von den Leuten zurückzuholen, die sie nie wirklich geliebt haben und Mariko an den Ort zu bringen, an den sie schon immer gehen wollte.

Während sie sich auf den Weg zum Meer macht, blickt Shino auf die gemeinsame Zeit mit Mariko und versucht, mit der Trauer in ihrem Inneren umzugehen.

Mariko wurde von ihrem Vater sexuell missbraucht und erlebte auch in späteren Beziehung Missbrauch. Sie hatte das Gefühl, dass sie diese Gewalt verdiene. Sie hatte kein Selbstwertgefühl und trotz allem lächelt Mariko immer, egal wie schwer ihre Situation ist. Shino versucht, ihre Freundin aus ihrer schrecklichen Situation herauszuhelfen, scheitert jedoch immer wieder, da diese nie das Gefühl hat, dass sie es verdiente, dem Missbrauch zu entkommen, dem sie ausgesetzt war.

My Broken Mariko schreckt nicht davor zurück, die Schrecken von Marikos Leben zu Hause zu schildern, die ständige Traurigkeit und Verzweiflung, die Mariko an den Rand des Abgrunds getrieben hat. Diese Themen werden nicht als Kämpfe dargestellt, die gewonnen werden können. Es ist die traurige Realität. Mariko ist tot und ihre Peiniger sind immer noch auf freien Fuß. Der Manga beschäftigt sich vor allem mit Shino und wie sie mit dem Verlust ihrer Freundin fertig wird und langsam lernt, die Scherben ihres eigenen Lebens aufzusammeln.

Die Rohheit von My Broken Mariko wird durch den Zeichenstil noch unterstrichen. Der Stil von Waka Hirako hat etwas “Skizzenhaftes”. Sie arbeitet mit groben Linien, die sehr ausdrucksstark sind, was Gesichtszüge als auch die Körperbewegungen angeht. Die rauen Zeichnungen können die Emotionen gut transportieren und Hirako schreckt nicht davon zurück Rotz, Tränen und hässliche Fratzen zu zeigen, um ihre Leserschaft etwas fühlen zu lassen.

Die Art und Weise, wie Hirako die Gesichtsausdrücke der Charaktere zeichnet, hat manchmal auch etwas Humor – insbesondere bei Shino, die dazu neigt, bei Kleinigkeiten schroff und laut zu werden. So kann sie einige der schweren Themen, die sie in ihrem Oneshot behandelt, auflockern.

Die “Kamerawinkel”, die die Mangaka wählt, sind interessant und sorgen dafür, dass Hirako es schafft, ihre Leser*innen in die Panels hineinzuziehen und spannende Perspektiven und Blickwinkel zu schaffen. Ebenso gibt es Stellen, an denen die Panels in einen realistischeren Zeichenstil dargestellt werden, insbesondere dann, wenn sich die Protagonistin an Mariko erinnert. Eine Technik, die für einen Kontrast zwischen beiden Zeitebenen sorgt.

Der Manga konzentriert sich in Bezug auf Charaktere nur auf Mariko und Shino. Darüber hinaus begegnet Shino auf ihrer Reise noch einem fremden Mann, welcher als einziger größerer Nebencharakter fungiert. Shinos Charakter ist in Bezug auf ihre Trauer komplex und tief geschrieben. Ihre Wut, Frustration und Traurigkeit sind es, die die Geschichte vorantreiben. Über Shino selbst erfährt die Leserschaft hingegen sehr wenig außerhalb der Beziehung zu Mariko. Vielleicht auch, weil es auch in Shinos Leben neben Mariko und ihrem Job nicht sehr viel gibt. Dennoch hat man das Gefühl, dass es noch ein bisschen mehr geben muss, was es über sie zu erfahren gibt.

Das letzte Viertel des Bandes enthält eine unabhängige Kurzgeschichte namens Yiska. Ein moderner Western über ein indianisches Mädchen und einen alternden Cowboy. Die Story setzt sich wie My Broken Mariko mit Tod und Verlust auseinander, folgt aber einem actionreicheren Format. Die Geschichte ist einfach gestrickt, doch es gelingt dennoch, die Leser*innen zu unterhalten.

Egmont Manga bringt den Titel in einem Großformat-Band mit Klappenbroschur. Das Papier ist hell, allerdings auch ein wenig durchscheinend. Als Extra gibt es zudem einen großen Mini-Print mit einer Farbillustration. Die deutsche Ausgabe enthält ein umfangreiches Nachwort. Um die Suizid-Prävention zu unterstützen, spendet Egmont für jedes verkaufte Exemplar 50 Cent.

Fazit

My Broken Mariko ist eine raue, emotionale Reise über Trauer, Wut und Frustration. Der Einzelband ist sicherlich nicht jedem zu empfehlen und man sollte definitiv wissen, was einen erwartet. Wenn man sich darauf einlässt, dann ist My Broken Mariko die Art von Manga, die zum Nachdenken anregt und einen auch noch Tage nach dem Zuklappen des Bandes begleitet.

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