Manga-Listen

5 Manga, die eine deutsche Veröffentlichung brauchen #1

20. August 2026 5 Manga

Diese Auswahl ist von mir ausgewählt und folgt meinem eigenen Lesegeschmack. Sie ist kein vollständiges Ranking, sondern eine Orientierung für Titel, die aus meiner Sicht besonders gut zum Thema passen.

Es gibt Manga, bei denen ich mich seit Jahren frage, warum eigentlich noch kein deutscher Verlag zugegriffen hat. Einige Reihen sind längst abgeschlossen, haben erfolgreiche Anime oder Realverfilmungen bekommen und wurden bereits in anderen Ländern veröffentlicht. Nur bei uns sucht man sie weiterhin vergeblich.

Natürlich kann nicht jede Reihe lizenziert werden. Gerade lange Manga, ältere Titel oder ruhige Slice-of-Life-Geschichten sind für Verlage sicherlich ein Risiko. Kann ich irgendwo verstehen. Schade finde ich es trotzdem.

Für diese Liste habe ich fünf Manga ausgewählt, die ich wirklich gerne auf Deutsch lesen würde. Eine Rangliste ist das nicht. Mit dabei sind ältere Klassiker, abgeschlossene Reihen und ein noch laufender Titel. Es geht um Jazz, klassische Musik, Tengu, psychologische Abgründe und jede Menge Familiengeheimnisse. Vielleicht ist der eine Manga zu lang, der andere zu speziell und der nächste aus Sicht der Verlage einfach nicht mehr aktuell genug. Aber hey, hoffen darf man schließlich.

01
Burn the House Down

© Cover: Kodansha

Burn the House Down

Vor dreizehn Jahren brannte das Haus der wohlhabenden Familie Mitarai vollständig ab. Anzus Mutter übernahm damals die Verantwortung für das Feuer. Die Ehe zerbrach und Anzu verlor nicht nur ihr Zuhause, sondern auch das Leben, das sie bis dahin kannte.

Inzwischen ist ihr Vater mit Makiko verheiratet. Ausgerechnet mit der Frau, die früher mit Anzus Mutter befreundet war und nun ziemlich genau das Leben führt, das einmal ihrer Familie gehörte. Anzu glaubt nicht daran, dass ihre Mutter für den Brand verantwortlich war. Sie ist überzeugt, dass Makiko mehr weiß, als sie zugibt.

Unter einem falschen Namen lässt sich Anzu deshalb als Haushälterin in Makikos Haus einstellen. Dort möchte sie nach Beweisen suchen und endlich herausfinden, was in der Nacht des Feuers wirklich passiert ist. Keine besonders ungefährliche Idee, denn in dieser Familie scheint wirklich jeder etwas zu verheimlichen.

Mich reizt an Burn the House Down vor allem die psychologische Spannung. Der Manga braucht keine blutigen Morde am laufenden Band. Stattdessen tauchen immer neue Informationen auf, die den Blick auf die Figuren und die Vergangenheit verändern. Gerade glaubt man noch, alles verstanden zu haben, und dann passt plötzlich wieder etwas nicht.

Anzu ist dabei keine unfehlbare Ermittlerin. Sie handelt aus Wut, Schuldgefühlen und dem Wunsch heraus, den Namen ihrer Mutter reinzuwaschen. Natürlich trifft sie dadurch auch Entscheidungen, bei denen man ihr vermutlich am liebsten zurufen würde, dass sie es bitte lassen soll.

Der Manga wurde inzwischen als Netflix-Serie umgesetzt. Die Vorlage fehlt auf Deutsch trotzdem weiterhin.

Warum brauchen wir den Manga auf Deutsch?
Psychologische Thriller und Geschichten über düstere Familiengeheimnisse haben inzwischen durchaus ihr Publikum auf dem deutschen Manga-Markt. Mit acht abgeschlossenen Bänden wäre die Reihe zudem kein endloses Projekt. Intrigen, unerwartete Wendungen und eine Protagonistin, die sich immer tiefer in der Vergangenheit ihrer Familie verstrickt – ich denke, das könnte auch bei uns funktionieren.

02
Tengu no Daidokoro

© Cover: Kodansha

Tengu no Daidokoro

Ich habe den ersten Band von Tengu no Daidokoro mit meinem wirklich nicht besonders guten Französisch gelesen. Vermutlich habe ich dadurch nicht jedes Detail verstanden. Von den Figuren und der ruhigen Atmosphäre war ich trotzdem sofort verzaubert.

On lebt eigentlich mit seinen Eltern in New York. Dann erfährt er, dass seine Familie von Tengu abstammt. Als wäre das nicht bereits genug, muss er nach einer alten Tradition das gesamte Jahr, in dem er vierzehn Jahre alt ist, zurückgezogen in Japan verbringen. Dort soll er bei seinem älteren Bruder Motoi leben, den er kaum kennt.

Wer bei Tengu jetzt an große Flügel, übernatürliche Kämpfe und jede Menge Action denkt, wird vermutlich überrascht sein. Motoi führt ein ruhiges Leben auf dem Land, baut Lebensmittel an, kümmert sich um das Haus und kocht aus saisonalen Zutaten die unterschiedlichsten Gerichte. Für On, der in New York aufgewachsen ist, könnte die Umstellung kaum größer sein.

Natürlich spielt Essen eine wichtige Rolle. Die Gerichte werden ausführlich gezeigt und hängen eng mit den Jahreszeiten und den Zutaten aus der Umgebung zusammen. Für mich ist der Manga aber keine bloße Ansammlung hübsch gezeichneter Speisen. Viel wichtiger ist die Beziehung zwischen den Brüdern. On und Motoi kennen sich kaum und müssen erst einmal herausfinden, wie dieses gemeinsame Jahr überhaupt funktionieren soll. Beim Kochen, bei der Arbeit im Haus und durch die kleinen Erlebnisse des Alltags kommen sie sich langsam näher.

Und dann ist da noch Ons Herkunft. Was bedeutet es für ihn überhaupt, von Tengu abzustammen? Welche Traditionen gehören zu seiner Familie? Große Antworten gibt es nicht sofort. Der Manga lässt sich Zeit.

Warum brauchen wir den Manga auf Deutsch?
Ruhige Manga über Essen, Landleben und ungewöhnliche Familien sind vermutlich nicht die sicherste Lizenz auf dem deutschen Markt. Trotzdem glaube ich, dass es für genau solche Geschichten ein Publikum gibt. Ich würde jedenfalls sehr gerne weiterlesen, ohne mich erneut durch meine eher überschaubaren Französischkenntnisse kämpfen zu müssen.

Und sollte einem Verlag Tengu no Daidokoro doch zu ruhig sein, könnte er sich wenigstens Ai Tanakas restliches Werk ansehen. Mystery, Fantasy und Science-Fiction wären vielleicht ein etwas einfacherer Einstieg.

03
Sakamichi no Apollon

© Cover: Shogakukan

Sakamichi no Apollon

Sakamichi no Apollon gehört zu den Reihen, bei denen ich mich schon sehr lange frage, warum nie ein deutscher Verlag den Mut hatte. Spätestens zur Zeit der Anime-Adaption wäre der Titel aktuell genug gewesen. Passiert ist trotzdem nichts.

Kaoru Nishimi ist es gewohnt, immer wieder umzuziehen. Wegen der Arbeit seines Vaters bleibt er kaum längere Zeit an einem Ort und hat irgendwann aufgehört, enge Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen. Als er im Sommer 1966 nach Sasebo kommt und dort eine neue Schule besucht, möchte er deshalb am liebsten gar nicht erst auffallen.

Dann begegnet er Sentarou Kawabuchi.

Sentarou ist laut, temperamentvoll und an der Schule ziemlich gefürchtet. Eigentlich ist er so ziemlich das Gegenteil des zurückhaltenden Kaoru. Trotzdem verbindet die beiden bald ihre Liebe zur Musik. Kaoru spielt klassisches Klavier, Sentarou liebt Jazz und sitzt am Schlagzeug. Im Keller des Plattenladens von Ritsukos Familie beginnen sie gemeinsam zu spielen.

Kaoru kann nur schwer über seine Gefühle sprechen. Beim Klavierspielen funktioniert es plötzlich. Auch Sentarou muss nicht jedes Problem in Worte fassen. Ihre gemeinsamen Sessions sagen oft genug, was zwischen den beiden gerade nicht ausgesprochen wird. Dass ihre Freundschaft deshalb einfach wäre, bedeutet das allerdings nicht.

Dazu kommt Ritsuko, in die sich Kaoru verliebt. Sie kennt Sentarou bereits seit ihrer Kindheit und steckt bald mitten in diesem Geflecht aus Freundschaft, Liebe, Eifersucht und unausgesprochenen Gefühlen. Die Figuren verletzen einander, gehen auf Abstand und finden dann doch wieder zusammen. Der Jazz hält vieles davon überhaupt erst zusammen.

Warum brauchen wir den Manga auf Deutsch?
Yuki Kodama gehört zu meinen liebsten Josei-Mangaka und schafft es mit ihren Coming-of-Age-Geschichten immer wieder, mich zu verzaubern. Umso trauriger finde ich, dass ihre Werke bisher nicht bei uns angekommen sind.

Allgemein scheinen deutsche Verlage vor Reihen aus dem Flowers-Magazin recht großen Respekt zu haben. Anders kann ich mir kaum erklären, warum davon so wenige auf Deutsch erscheinen.

Mit neun Hauptbänden und einem zusätzlichen Bonusband wäre Sakamichi no Apollon außerdem durchaus überschaubar. Für mich ist die Reihe einer der Musik-Manga, die schon längst eine deutsche Ausgabe verdient hätten.

04
Nodame Cantabile

© Cover: Kodansha

Nodame Cantabile

Bleiben wir noch ein wenig bei der Musik. Diesmal geht es allerdings nicht um Jazz, sondern um klassische Musik und zwei Charaktere, die kaum unterschiedlicher sein könnten.

Shinichi Chiaki ist ein talentierter Musikstudent und ein ziemlicher Perfektionist. Er spielt hervorragend Klavier und Violine, möchte eigentlich aber Dirigent werden und seine Ausbildung in Europa fortsetzen. Seine Flugangst macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Chiaki sitzt in Japan fest und sieht zu, wie andere Musiker*innen die Chancen bekommen, nach denen er sich selbst sehnt.

Dann trifft er Megumi Noda, von allen nur Nodame genannt. Nodame lebt chaotisch, kümmert sich kaum um ihre Wohnung und spielt Klavier vollkommen anders als Chiaki. Er achtet auf Technik, Genauigkeit und die Vorgaben einer Komposition. Nodame spielt frei und voller Gefühl. Chiaki ist davon zunächst nicht unbedingt begeistert. Ihr Talent erkennt er trotzdem.

Nodame wiederum verliebt sich beinahe sofort in ihn und lässt sich auch von seiner wenig freundlichen Art nicht abschrecken. Was folgt, ist eine ziemlich eigenwillige Mischung aus Musik, Comedy und Romance.

Die beiden treiben sich regelmäßig gegenseitig in den Wahnsinn. Gleichzeitig beeinflussen sie sich musikalisch und persönlich. Chiaki muss lernen, dass Technik und Perfektion allein nicht alles sind. Nodame besitzt dagegen jede Menge Talent, hat aber keine Ahnung, was sie damit eigentlich anfangen möchte.

Klassische Musik wird hier ernst genommen, ohne dass der Manga steif wirkt. Proben, Wettbewerbe und Orchester gehören genauso zur Geschichte wie der teilweise herrlich absurde Humor.

Warum brauchen wir den Manga auf Deutsch?
Nodame Cantabile ist ein Klassiker unter den Musik-Manga. Die Reihe wurde mehrfach als Anime und Realserie adaptiert und hat längst bewiesen, dass klassische Musik, Romance und ziemlich schräge Comedy gut zusammenpassen.

Ja, 25 Bände sind für einen älteren Titel ein ordentliches Risiko. Das kann ich sogar verstehen. Inzwischen gibt es allerdings eine kompaktere Neuauflage, die sich für eine deutsche Veröffentlichung anbieten würde. Ich hoffe jedenfalls weiterhin, die Reihe irgendwann auf Deutsch ins Regal stellen zu können – zusätzlich zu meinen französischen Bänden.

05
Queen's Quality

© Cover: VIZ Media

Queen's Quality

Bei Queen’s Quality ärgert mich die fehlende deutsche Veröffentlichung besonders. Der Vorgänger QQ Sweeper ist schließlich bei uns erschienen. Nach drei Bänden endet die deutsche Ausgabe allerdings genau dort, wo die eigentliche Geschichte erst richtig beginnt. Wer weiterlesen möchte, muss auf eine andere Sprache ausweichen. Vielen Dank auch.

Fumi Nishioka besitzt zunächst kein festes Zuhause und kommt schließlich bei der Familie Horikita unter. Diese gehört zu den sogenannten Sweepers. Sie reinigen nicht nur gewöhnliche Räume, sondern können in die Gedankenwelt anderer Menschen eindringen. Dort beseitigen sie negative Energien und gefährliche Wesen.

Gemeinsam mit Kyutaro beginnt Fumi als Sweeper zu arbeiten. Schon bald stellt sich heraus, dass in ihr eine besondere und ziemlich gefährliche Kraft schlummert: Fumi ist eine Queen und kann die Gedanken anderer Menschen beeinflussen.

Diese Kraft kann helfen und schützen, aber ebenso großen Schaden anrichten. Welche Seite die Kontrolle übernimmt, hängt auch davon ab, ob Fumi lernt, mit ihren Ängsten und den verdrängten Teilen ihrer Vergangenheit umzugehen. Die Gegner sind dabei keine beliebigen Monster. Viele von ihnen entstehen aus negativen Gefühlen, traumatischen Erfahrungen und Erinnerungen, die jemand lieber tief vergraben hätte.

Kyutaro steht Fumi zur Seite und natürlich entwickelt sich auch die Beziehung der beiden weiter. Trotzdem besteht Queen’s Quality nicht allein aus Romance. Kyousuke Motomi verbindet die Liebesgeschichte mit Fantasy, Action, Humor und psychologischen Themen. Die Handlung wird im Vergleich zu QQ Sweeper deutlich größer und düsterer.

Warum brauchen wir den Manga auf Deutsch?
Weil wir den Anfang bereits bekommen haben. Ganz einfach.

QQ Sweeper endet nach drei Bänden, obwohl die Geschichte dort längst nicht abgeschlossen ist. Natürlich sind weitere 25 Bände ein Risiko. Inzwischen ist Queen’s Quality jedoch beendet und der deutsche Manga-Markt hat sich seit der Veröffentlichung des Vorgängers deutlich verändert. Auch längere Shōjo-Reihen mit Fantasy-Elementen bekommen wieder eine Chance.

Ob ein Verlag die Reihe nach so vielen Jahren tatsächlich noch fortsetzt, ist eine andere Frage. Besonders wahrscheinlich ist es vermutlich nicht. Verdient hätte es Queen’s Quality für mich trotzdem.

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