Manga-Listen

Tatsuki-Fujimoto-Manga, die du auf Deutsch lesen kannst

6. Oktober 2026 5 Manga

Diese Auswahl ist von mir ausgewählt und folgt meinem eigenen Lesegeschmack. Sie ist kein vollständiges Ranking, sondern eine Orientierung für Titel, die aus meiner Sicht besonders gut zum Thema passen.

Bei Tatsuki Fujimoto denkt man vermutlich zuerst an Denji, Pochita und sehr viele Kettensägen. Verständlich. Allerdings besteht sein bisheriges Schaffen nicht nur aus Chainsaw Man. Fujimoto erzählt ebenso von zwei jungen Zeichnerinnen, einem Jungen mit einer Kamera oder einem Mann, dessen Körper ununterbrochen brennt. Gewalt und absurder Humor gehören fast immer dazu, doch direkt daneben stehen Einsamkeit, Verlust und der Wunsch nach einem halbwegs normalen Leben.

Das kann innerhalb weniger Seiten ziemlich wild werden.

Für diese Liste habe ich alle regulären Manga-Ausgaben zusammengestellt, die bislang auf Deutsch erschienen sind. Die Reihenfolge ist kein Ranking. Die beiden Bände 17–21 und 22–26 – Tatsuki Fujimoto Short Stories fasse ich in einem Eintrag zusammen, da sie als zweiteilige Sammlung angelegt sind.

(Veröffentlichungsstand: 14. August 2026)

01
Fire Punch

© Cover: KAZÉ Manga

Fire Punch

Die Welt ist unter Eis und Schnee begraben. Nahrung ist knapp, ganze Dörfer kämpfen ums Überleben und einige Menschen besitzen besondere Fähigkeiten. Zu ihnen gehören die Geschwister Agni und Luna, deren Körper sich selbst regenerieren. Agni hält sein Dorf am Leben, indem er immer wieder Teile seines Körpers als Nahrung zur Verfügung stellt.

Dann taucht Doma auf. Seine Flammen erlöschen erst, wenn ihr Ziel vollständig verbrannt ist. Luna und die übrigen Dorfbewohner*innen sterben, doch Agnis Regeneration ist stärker als das Feuer. Er überlebt und brennt weiter. Jede Sekunde, jeden Tag. Von diesem Moment an hält ihn vor allem ein Gedanke am Leben: Rache.

Nach diesem Auftakt könnte Fire Punch eine recht geradlinige Rachegeschichte werden. Fujimoto hat daran allerdings wenig Interesse. Agni wird zum Helden, Gott, Monster und Darsteller in einer Geschichte, die andere Menschen für ihn schreiben. Besonders deutlich wird das durch Togata, eine filmbegeisterte Figur, die Agnis Rachefeldzug kurzerhand in einen Film verwandeln möchte. Schon hier beschäftigt Fujimoto sich damit, wie Bilder eine vermeintliche Wahrheit erzeugen und wie schnell ein Mensch hinter seiner Rolle verschwindet.

Der Manga ist brutal und verlangt seinem Publikum einiges ab. Hunger, Kannibalismus, religiöser Fanatismus und ein Körper, der ohne Pause verbrennt, gehören noch zu den leichter zu erklärenden Dingen. Wer nach Chainsaw Man Fujimotos frühere, deutlich rauere Serie kennenlernen möchte, findet hier acht abgeschlossene Bände. Die deutsche Ausgabe erschien von 2018 bis 2019 vollständig bei KAZÉ Manga und ist gedruckt sowie digital erhältlich.

02
Chainsaw Man

© Cover: Egmont Manga

Chainsaw Man

Denji hat von seinem Vater vor allem Schulden geerbt. Gemeinsam mit dem kleinen Teufel Pochita jagt er deshalb andere Teufel für die Yakuza und verkauft sogar Teile seines Körpers. Marmelade auf dem Brot, eine Freundin und irgendwann vielleicht ein normales Leben würden ihm fürs Erste schon genügen. Als die Yakuza ihn verrät und töten lässt, verschmilzt Pochita mit seinem Herzen. Denji kann sich fortan in den Chainsaw Man verwandeln, einen Teufelsmenschen mit Kettensägen an Kopf und Armen. Die staatliche Teufelsjägerin Makima nimmt ihn daraufhin mit nach Tokio.

Natürlich liefert Chainsaw Man reichlich Kämpfe, Blut und Figuren, bei denen man besser nicht auf den nächsten Band wetten sollte. Denjis einfache Wünsche sind aber kein bloßer Witz. Er kennt weder ein sicheres Zuhause noch verlässliche Zuneigung und merkt oft erst spät, wenn andere genau das gegen ihn verwenden. Zwischen dem Chaos entstehen alltägliche Augenblicke: gemeinsam essen, einen Film ansehen oder morgens zur Schule gehen.

Der erste Teil konzentriert sich auf Denji und die staatlichen Teufelsjäger. Im zweiten rückt Asa Mitaka in den Mittelpunkt, eine Schülerin, die unfreiwillig ihren Körper mit dem Kriegsteufel Yoru teilt. Die Geschichte verändert sich dadurch spürbar, bleibt aber bei Figuren, die Nähe suchen und dabei regelmäßig alles noch komplizierter machen.

In Japan endete Chainsaw Man im März 2026 und umfasst vollständig 24 Bände.

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03
Look Back

© Cover: Egmont Manga

Look Back

Fujino zeichnet Vier-Panel-Manga für die Schülerzeitung und ist stolz auf die Reaktionen ihrer Mitschüler*innen. Dann bekommt die zurückgezogen lebende Kyomoto ebenfalls einen Platz in der Zeitung. Ihre Bilder sind so viel besser, dass Fujino von da an beinahe besessen übt. Als sie Kyomotos Vorsprung trotzdem nicht einholen kann, gibt sie auf. Erst eine persönliche Begegnung bringt sie zurück an den Schreibtisch: Kyomoto bewundert ausgerechnet Fujinos Manga. Aus der vermeintlichen Rivalität entsteht eine Freundschaft, später arbeiten beide gemeinsam an eigenen Geschichten.

Look Back kommt ohne Teufel und große Schlachten aus. Stattdessen zeigt Fujimoto, wie viel Zeit in einer fertigen Seite steckt: üben, verwerfen, noch einmal zeichnen und am nächsten Morgen wieder anfangen. Die vielen Bilder von gebeugten Rücken am Schreibtisch erklären den Titel beinahe von selbst. Ein einschneidendes Ereignis verändert später den Blick auf die gemeinsame Zeit der beiden Mädchen und auf die Frage, ob Fujino manches hätte verhindern können.

Der Einzelband umfasst 144 Seiten und erschien im Oktober 2022 vollständig bei Egmont. Wer Fujimoto bisher nur mit Chainsaw Man verbindet, lernt hier eine konzentriertere Seite seines Erzählens kennen.

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04
Goodbye, Eri

© Cover: Egmont Manga

Goodbye, Eri

Yutas Mutter ist schwer krank. Zu seinem Geburtstag bekommt er ein Smartphone und von ihr gleich einen Auftrag dazu: Er soll ihre letzten Monate filmen und nach ihrem Tod einen Film daraus schneiden. Yuta hält sich an ihren Wunsch. Als er das Ergebnis später vor seiner Schule zeigt, reagieren die anderen Schüler*innen allerdings mit Spott. Sein Film endet nämlich nicht mit stiller Trauer, sondern mit einer Explosion.

Yuta will daraufhin vom Dach des Krankenhauses springen. Dort trifft er Eri, die seinen Film gesehen hat und als eine der wenigen etwas damit anfangen konnte. Gemeinsam sehen sie sich unzählige Filme an und beginnen schließlich ein neues Projekt. Dieses Mal soll Yuta beweisen, dass er es besser kann. Natürlich bleibt auch Eri dabei nicht einfach nur seine hilfreiche Filmkritikerin.

Fujimoto zeichnet den Manga über weite Strecken in gleichmäßigen, waagerechten Panels. Die Seiten wirken dadurch wie Aufnahmen auf einem Smartphone, manchmal ruhig, manchmal verwackelt und gelegentlich so bewusst inszeniert, dass unklar wird, was überhaupt noch dokumentarisch sein soll. Yuta schneidet das Leben anderer Menschen zu einer Geschichte zusammen. Fujimoto macht mit seiner Geschichte genau dasselbe und lässt die Grenze zwischen Erinnerung, Film und Erfindung immer wieder verrutschen.

Wie schon Look Back ist auch Goodbye, Eri ein Einzelband, doch mit 208 Seiten fällt er deutlich umfangreicher aus. Themen wie Krankheit, Tod und Suizid solltet ihr vor dem Lesen im Hinterkopf behalten. Die deutsche Ausgabe erschien im April 2023 vollständig bei Egmont Manga.

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05
17–21 und 22–26 – Tatsuki Fujimoto Short Stories

© Cover: Egmont Manga

17–21 und 22–26 – Tatsuki Fujimoto Short Stories

Die Zahlen im Titel beziehen sich auf Fujimotos Alter beim Zeichnen der enthaltenen Geschichten. Beide Bände versammeln jeweils vier frühe One-Shots und zeigen, wie viele seiner späteren Ideen schon vorhanden waren, bevor Denji zum ersten Mal eine Kettensäge aus dem Kopf wachsen ließ.

In 17–21 geht es unter anderem um zwei Hühner in einer von Aliens beherrschten Welt, einen Schüler, der eine Kugel aufhalten möchte, eine völlig außer Kontrolle geratene Liebeserklärung und eine Auftragskillerin mit eher ungewöhnlichen Gefühlen. 22–26 bringt einen Jungen ans Klavier einer Meerjungfrau, erzählt von einer rätselhaften Krankheit, stellt die kleine Nayuta mit ihren gefährlichen Kräften vor und endet bei zwei Schwestern, die beide zeichnen.

Nicht jede Geschichte besitzt die Geschlossenheit von Look Back oder Goodbye, Eri. Die Bände sind eben keine glatt zusammengestellte Best-of-Auswahl, sondern ein Blick auf Fujimotos Entwicklung. Manche Ideen sind nur wenige Seiten lang, andere enthalten bereits Figuren und Konflikte, die später in veränderter Form wieder auftauchen. Besonders die Geschichte um Nayuta dürfte Leser*innen von Chainsaw Man bekannt vorkommen, funktioniert aber unabhängig davon.

Egmont veröffentlichte beide Sammlungen Anfang 2023 vollständig auf Deutsch. Wer Fujimotos Einfälle mag und kein Problem damit hat, dass eine Geschichte nach wenigen Seiten schon wieder vorbei ist, bekommt hier einen guten Blick in das Werk des Mangakas.

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