Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

Become You / Kimi ni Nare – Finde dich selbst

Ich bin auf Become You bei den US-Ankündigungen aufmerksam geworden. Mir hatte das Cover richtig gut gefallen und da ich ein großer Fan von Orange bin, war für mich klar, dass ich auch diese Reihe haben möchte. Als ich den Band günstig gesehen habe, kam er dann in meine Sammlung.

Bis ich ihn letztendlich gelesen hatte, dafür musste aber ein weiteres Jahr vergehen. Warum? Ich habe lange auf einen Folgeband gewartet. Nach der Ankündigung durch Carlsen und einigen Stimmen der Redaktion ist aber klar, dass, wenn überhaupt weitere Bände erscheinen, viel Zeit ins Land gehen wird. Gleichzeitig hieß es aber auch, man könne den Titel als Einzelband lesen, weshalb Carlsen diesen hier auch als einen solchen vermarktet. Update Feb. 2020 : Der Manga wurde inzwischen in Japan fortgesetzt.

Become You oder Kimi ni Nare – Finde dich selbst, wie der Manga auf Deutsch heißen wird, ist die dritte Reihe von Takano, die auf Deutsch erscheint. Ihr erster Titel auf dem hiesigen Markt war Orange, dem dann zuletzt Dreamin’ Sun folgte. Orange wurde 2016 für den Osamu-Tezuka-Kulturpreis nominiert.

Text/Zeichnungen: Ichigo Takano | Originaltitel: Kimi ni Nare | Verlag: Carlsen | Kategorie: Seinen | Genre: Drama, Slice of Life | Preis: 7,50€ | Erschein am: 23.03.2021 | Weitere Informationen

Es handelt sich um die bibliografischen Angaben zur deutschen Veröffentlichung. Solltest du Interesse an der englischen Ausgabe haben, welche dieser Rezension als Grundlage diente, findet du alle Infos darüber an dieser Stelle beim US-Verlag Seven Seas.

Inhalt

Ashie Taiyou hat eine Frohnatur und ist aufgeschlossen. Er träumt davon, Musiker zu werden. In seinem letzten Jahr an der Highschool möchte Ashie mit seiner Band einen letzten Auftritt hinlegen, aber alle seine Bandkollegen lassen ihn im Stich, um sich auf ihre Abschlussprüfungen zu konzentrieren. Ashie weigert sich hartnäckig, aufzugeben, und versucht, seinen Klassenkameraden Hikari Tsukimoto zu rekrutieren, ein Klavier-Wunderkind. Hikari hat das Klavierspielen jedoch aufgegeben und hat auch keine Lust auf Ashie. Ashies Hartnäckigkeit und seine Hingabe stimmen Hikari schließlich aber um und er beginnt, seinen Klassenkameraden zu unterstützen.

Wie war’s?

Im Schlusswort ihres Bandes erklärt Ichigo Takano, dass sie durch ein Lied der Band Kobukuro zum Schreiben dieses Mangas inspiriert wurde. Der Manga wurde nach dem Song benannt, welcher auch am Ende des Bandes in japanischer und englischer Sprache abgedruckt wurde. Wenn man den Songtext liest, ist klar, dass Takano die dort angesprochenen Themen auch in ihrem Manga verarbeitet: Es ist in Ordnung, wenn man mal stagniert, strauchelt und vielleicht sogar versagt. Sich zu verbessern und zu wachsen braucht Zeit und wenn man in Hektik verfällt, erreicht man am Ende wenig.

Während des gesamten Bandes kämpft Ashie mit sich selbst und der großen Kluft zwischen seinen Träumereien und der Realität, was er letztendlich mit seinem derzeitigen Können überhaupt erreichen kann. Trotz all seinem Ehrgeiz und der Zeit, die er investiert, ist er nicht in der Lage, die Gitarre so zu spielen wie er eigentlich möchte. Erst durch Hikari merkt er, dass er Unterstützung braucht, um sich zu verbessern. Umgekehrt hat aber auch er einen Einfluss auf den mürrischen, in sich gekehrten Hikari und gibt ihm die Liebe an der Musik zurück.

Ashie und Hikari sind das komplette Gegenteil, sowohl von ihrem Aussehen als auch von ihren Persönlichkeiten. Während Ashie immer locker drauf ist, hat sich Hikari abgekapselt. Er sitzt weit hinten in der Klasse und spricht wenig mit seinen Mitschülern. Auch in ihrem musikalischen Talent unterscheiden sich die beiden Schüler komplett: Während Ashie sich abmüht, ist Hikari so etwas wie ein Wunderkind. Obwohl die beiden in vielerlei Hinsicht gegensätzlich sind, unterstützen sie sich gegenseitig, um vorwärtszukommen. Neben den beiden Charakteren tritt zudem Ashies Sandkastenfreundin Sakura auf. Wer auf viel Romantik hofft, der aber dürfte enttäuscht werden. Es geht zwar auch um das Thema Liebe, allerdings nur ganz am Rande.

Wenn es über den Manga etwas Negatives zu sagen gibt, dann, dass ab und an das Pacing zu schnell wird und auch eine Rückblicksequenz auf Ashies Zeit an der Mittelschule nicht ganz nachvollziehbar ist, da das Warum nicht wirklich herauskommt.

Become You kann das mit seiner realistischen Darstellung der inneren Kämpfe der Charaktere wettmachen und liefert einen Manga, der insgesamt einen intensiven Erzählton vorweist und die Leser*innen in die Handlung hineinzieht. Erzählt wird der Titel aus der Zukunftsperspektive durch Ashie und man spürt auch eine gewisse Melancholie dahinter.

Da dem ersten Band eine lange Pause gefolgt ist und aktuell nicht sicher ist, ob und wann Takano den Band fortsetzt, lohnt sich auch ein Blick auf das Ende des Bandes. Von Carlsen wurde angedeutet, dass der Band als Oneshot lesbar ist. Dies lässt sich bejahen. Der Band kann in sich abgeschlossen gelesen werden, da es am Ende auch einen wagen Blick auf die Zukunft gibt, der nur vermuten lässt, dass die Mangaka nach dem Prolog, die Geschichte im Collage fortführen würde. Dennoch fühlt es sich an einigen Stellen auch so an, als wäre der Band eben nur das: Eine Einführung. Ein kurzer Blick auf die Vergangenheit des Charakters und den Weg, den er von nun an beschreiten wird. Es bleibt die Lust, mehr über die Figuren zu erfahren.

Die Zeichnungen sind eher einfach gehalten und die Mangaka verzichtet in ihren Panels meist auf Hintergründe. Dadurch stehen andersherum die Charaktere mehr im Vordergrund. Auch arbeitet sie wenig mit Splash-Pages, um bestimmte Momente in den Fokus zu rücken. Trotzdem gehen die besonderen Augenblicke in dem Manga nicht verloren. Die Charaktere sind akribisch gezeichnet, dass Emotionen leicht über die Veränderungen in Mimik und Gestik auszumachen sind. Takano arbeitet mit vielen unterschiedlichen Panelformen, die den jeweiligen Ton der Szenen gut widerspiegeln. Rasterfolie kommt ebenfalls zum Einsatz, sei es für Schattierungen oder Verzierungen. Die Verzierungen fallen dabei aber keinesfalls überladen aus, sondern werden eingesetzt, um die Stimmung auf’s Papier zu bringen.

Fazit

Der erste Band war ein gelungener Start und es lässt sich erahnen, dass diesem Auftakt weitere emotionale Bände folgen könnten. Die Geschichte rund um die beiden Schüler war nachvollziehbar und realistisch gezeichnet. Zudem trifft man auf zwei sympathische Hauptcharaktere, die sich perfekt ergänzen.

Der Manga ist vor allem für diejenigen eine perfekte Wahl, die eine ruhigere und emotionale Geschichte suchen, bei der es um Freundschaft geht und die Romantik erst einmal im Hintergrund steht. Insbesondere wenn man Orange mochte, könnte man auch an diesem Band seinen Gefallen finden.

Andere Meinungen zum Manga

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