[Anzeige, da Rezensionsexemplar]
Mit „Bride of Ignat“ kommt ein weiteres Werk der Mangaka Moyori Mori auf den deutschen Markt. Bereits 2023 hatte der Verlag Hayabusa ihren Titel „Touching Your Night“ veröffentlicht. Die Reihe erscheint in Japan unter dem Originaltitel „Ignat no Hanayome“ im Magazin „from RED“, aus dem Hayabusa schon mehrfach Titel lizenziert hat. Die Serie ist noch nicht abgeschlossen; bislang ist ein Band erschienen.

Story & Zeichnungen: Moyori Mori | Originaltitel: Ignat no Hanayome | Übersetzung: Miryll Ihrens | Genre: Romance, Fantasy, Drama | Verlag: Hayabusa Manga | Preis: 8,00€ | mehr Informationen auf der Verlagsseite

Wie war’s?
“Bride of Ignat” lebt von einer visuellen Intensität, die sofort fesselt. Die Zeichnungen gehören zweifellos zu den größten Stärken des Bandes. Trotz der Schwarz-Weiß-Palette erzeugt die Komposition ein Gefühl von Licht, Tiefe und Atmosphäre, das man selten in diesem Genre sieht.
Die Handlung setzt im abgeschiedenen Dorf ein, dessen Bewohner seit Generationen einem Ritual folgen: Alle zwanzig Jahre wird eine „Braut“ an den Drachen des verschneiten Berges geopfert. Dieses Mal trifft es Rita.
Rita selbst verkörpert die emotionale Mitte des Manga, trägt jedoch ebenfalls eine gewisse narrative Ambivalenz in sich. Seine Einsamkeit, sein Außenseitertum und die fleckartigen Muster auf seiner Haut machen ihn zu einer Figur voller Verletzlichkeit. Gleichzeitig wird seine Persönlichkeit so emotional instabil und bedürfnisorientiert gezeichnet, dass seine Motivationen stellenweise problematisch wirken. Sein Wunsch, geliebt oder gebraucht zu werden, ist nachvollziehbar, doch seine starke Fixierung auf jede Person, die ihm Zuwendung schenkt, lässt ihn beinahe wie jemand mit einer Bindungsstörung erscheinen. Dass er sich freiwillig als „Braut“ opfern lässt, erscheint daher weniger als mutige Entscheidung, sondern eher als verzweifelter Ausweg, der psychologisch etwas zu oberflächlich behandelt wird.
Ignat, der einsame Drache in menschlicher Gestalt, bildet den starken Kontrast zu Rita. Seine Erscheinung ist kühl, würdevoll und schwer von Vergangenheit geprägt. Die Szenen zwischen den beiden gehören zu den stärksten Momenten des Manga, insbesondere als Ignat offenbart, dass Menschen der Lebensenergie eines Drachen nicht standhalten können und daher sterben, wenn sie sein „Braut“-Ersatz sein sollen.
Auch wenn die Erzählung in ihrer Grundstimmung atemberaubend atmopshärisch ist, stolpert man aus meiner Sicht hin und wieder über Ungereimtheiten. Es wird ohne weiteres Hinterfragen akzeptiert, dass diesmal ein Junge anstelle eines Mädchens geopfert wird, was im Widerspruch zum ansonsten strengen Festhalten an alten Bräuchen steht. Noch verwirrender wird es, wenn deutlich wird, dass frühere Bräute offenbar geheim mit Ignats zutun in einer nahegelegenen Stadt leben, ohne dass dies im Dorf jemandem bewusst zu sein scheint, obwohl man dort durchaus vereinzelt Dorfbewohner trifft. Warum also kennt Rita die Existenz dieser Stadt nicht, wo sie doch offensichtlich erreichbar ist? Und weshalb wird ihm dieser Ort erst so spät als mögliche Alternative zu Ignats abgeschiedener Höhle eröffnet? Diese Fragen lassen die ansonsten schöne, märchenhafte Welt an einigen Stellen weniger sorgfältig konstruiert wirken.
Trotz dieser strukturellen Schwächen entfaltet “Bride of Ignat” eine emotionale Atmosphäre. Der Manga erzählt von Einsamkeit, Zugehörigkeit, der Suche nach Bedeutung und dem komplizierten Verhältnis zwischen Selbstaufgabe und Selbstwert. Ritas Versuch, sich mithilfe von Ignats Schuppe in einen Drachen zu verwandeln, wird zu einem Symbol seiner Verzweiflung: einem Versuch, endlich irgendwo dazu zu gehören, selbst wenn der Weg dahin riskant oder schmerzhaft ist. Gleichzeitig wird Ignats stille, verschüttete Sehnsucht nach Nähe subtil angedeutet, was den Band mit einer sanften Melancholie auflädt.
Von Hayabusa Manga wird der Titel im handeslüblichen Taschenbuchformat des Verlags herausgebracht. Als Extra liegt eine SNS-Card bei.
Fazit
“Bride of Ignat” überzeugt durch schöne Zeichnungen, eine melancholische Grundstimmung und zwei verletzte Figuren, deren Beziehung viel Potenzial für emotionale Tiefe besitzt. Gleichzeitig leidet der erste Band aus meiner Sicht aber auch an einem zuweilen unausgereiften Weltenbau, mehreren logischen Brüchen und einer Figurendynamik, die manchmal zu einseitig oder psychologisch zu wenig ausgearbeitet wirkt.
Dennoch entfaltet sich eine stille, atmosphärische Geschichte über Einsamkeit und Nähe, die insbesondere für diejenigen passend ist, die auf der Suche, nach melancholisch, ruhigen Boys Love ohne Smut sind.

Bei diesem Manga handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir freundlicherweise von Carlsen zur Verfügung gestellt worden ist. Vielen Dank dafür!



