Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

Die Reise des Mondbären - Manga Rezension

Die Reise des Mondbären

[Anzeige, da Rezensionsexemplar]

Mit “Die Reise des Mondbären” habe ich euch heute wieder einen Manga mitgebracht, dessen Zielpublikum vor alle die jüngere Leserschaft ist, der aus meiner Sicht aber auch Erwachsenen Spaß machen kann.

Die Geschichte stammt von Ho, einer Mangaka, die in Japan vor allem für ihre warmen, naturverbundenen Tiererzählungen bekannt ist. Ursprünglich wurde das Werk 2020 vorveröffentlicht und später als Einzelband gesammelt. Im Original trägt es den Titel Kuma to Karasu, also „Der Bär und die Krähe“. Der deutsche beziehungsweise Titel setzt stärker auf das poetische Bild des Mondbären, was sofort eine Stimmung erzeugt, aber gleichzeitig auch ein wenig verschleiert, dass die Krähe als zweite Hauptfigur mindestens genauso wichtig ist wie der Bär.

Auf dem deutschen Markt veröffentlicht Carlsen Manga den Titel und gliedert den Band dabei in das Kinderprogramm ein.

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Story & Zeichnungen: Ho | Originaltitel: Kuma to Karasu| Übersetzung: Martin Gericke | Genre: Slice-of-Life | Verlag: Carlsen Manga | Preis: 14,00 € | Einzelband | mehr Informationen auf der Verlagsseite

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Wie war’s?

Im Zentrum von “Die Reise des Mondbären” stehen zwei Figuren, die gegensätzlicher kaum sein könnten und sich doch an einem ähnlichen Punkt befinden: Ein Bär mit einer mondförmigen Zeichnung im Fell, der schon so lange allein lebt, dass er kaum noch daran glaubt, überhaupt noch andere Bären zu finden, und die Kleine Krähe, die sich verirrt hat und den Weg nach Hause sucht. Aus einer zufälligen Begegnung entsteht ein gemeinsamer Weg. Und wie so oft bei Reisegeschichten zeigt sich bald, dass das Ziel gar nicht das Wichtigste ist.

Was dann folgt, ist eine klassische “Reise des Erwachsenwerdens”, aber sie wird von Ho so erzählt, dass sie trotz der vertrauten Struktur frisch wirkt. Die Etappen des Weges sind abwechslungsreich gezeichnet. Es geht durch Wälder und über Berge, vorbei an Flüssen, hin zur Küste und in Bereiche, in denen menschliche Infrastruktur auftaucht, etwa Tunnel, Felder oder andere Spuren von Nutzung. Immer wieder begegnen Mondbär und Krähe anderen Tieren, darunter auch Figuren, die wie kleine Wegweiser wirken, etwa eine alte Eule, deren Auftreten auch das Thema Zeit und Verlust ganz unaufdringlich in die Geschichte einwebt.

Die große Stärke des Manga liegt in seiner Atmosphäre. Ho zeichnet Tiere relativ realistisch, lässt ihnen aber genug Ausdruck und Vereinfachung, um Emotionen klar zu transportieren. Die Natur wirkt dabei nicht wie eine austauschbare Kulisse, sondern wie ein eigener Raum, durch den man wirklich reist. Viele Seiten spulen nicht einfach nur Handlung ab, sondern lassen zu, dass wir in der Natur innehalten können. Das macht das Buch sehr zugänglich, auch für Menschen, die sonst wenig Manga lesen oder Leseanfänger sind.

Gleichzeitig bleibt es nicht bei reiner Niedlichkeit. Die Einsamkeit des Mondbären ist ein ernstes Thema, ebenso die Frage, was Zugehörigkeit bedeutet, wenn man nie erleben durfte, irgendwo dazuzugehören. Bei der Krähe kommt nach und nach hinzu, dass ihre eigene Situation komplexer ist, als sie zunächst wirkt. Ohne zu viel vorwegzunehmen lässt sich sagen, dass das Finale eine überraschend starke emotionale Zuspitzung besitzt und deutlich macht, warum es eigentlich irreführend wäre, nur vom Mondbären zu sprechen und ich mir gewünscht hätte, man wäre näher am Orginaltitel geblieben.

Neben den persönlichen Themen schwingen auch ökologische Untertöne mit. Der Manga zeigt, wie menschlicher Einfluss Lebensräume verändert, manchmal ganz direkt und bedrohlich, manchmal eher beiläufig, etwa durch Umgestaltung, Nutzung oder Fallen. Das wird nicht als Predigt formuliert, sondern ergibt sich organisch aus dem Weg, den die Figuren zurücklegen. Gerade diese Zurückhaltung macht die Botschaft stärker, weil sie nicht mit dem Zeigefinger kommt, sondern im Bild und in der Situation spürbar wird.

Ganz ohne Einschränkungen ist das Buch jedoch nicht. Die Beziehung zwischen Krähe und Mondbär entwickelt sich zwar glaubwürdig in ihren Ergebnissen, aber einzelne Sprünge im Erzählfluss können dazu führen, dass man bestimmte Zwischenschritte eher fühlt als konkret miterlebt. Manche Passagen wirken außerdem leicht wissensvermittelt, wenn Wissen über Tiere und Lebensweise relativ direkt in den Text eingebaut wird. Das passt grundsätzlich zu einer Jugendreihe, kann aber den erzählerischen Fluss gelegentlich kurz bremsen, weil es mehr nach Informationsdump als nach natürlicher Figurenstimme klingt.

Von Carlsen Manga wird der Band im Großformat mit einem speziellen Umschlagpapier veröffentlicht, was ich persönlich aber nicht unbedingt passend für das angestrebte Lesepublikum finde. Im Innenumschlag gibt es kleine Bildchen und Informationen. Farbseiten gibt es keine. Etwas Schade ist das recht dünne Papier.

Da der Band nicht dicker ist als die Norm auf dem Mangamarkt, ist der Preis von 14 Euro auch aus meiner Sicht relativ hoch angesetzt.

Fazit

In der Summe ist “Die Reise des Mondbären” ein stilles, liebevoll erzähltes Buch über eine ungewöhnliche Freundschaft. Der Band schafft aus meiner Sicht, den Spargat zwischen Kinder- und Erwachsenenliteratur. Während er die junge Leserschaft über Mut, Verlust, Verbundenheit und Natur nachdenken lassen kann, ohne sie zu überfordern, bietet er Erwachsenen genug Zwischentöne, um nicht wie reine Kinderlektüre zu wirken.

Wer Geschichten mag, in denen der Weg wichtiger ist als das Ziel und wer sich nach einem Manga sehnt, der einen entschleunigt, ohne banal zu werden, dürfte hier sehr glücklich werden.

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Bei diesem Manga handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir freundlicherweise von Carlsen zur Verfügung gestellt worden ist. Vielen Dank dafür!

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