Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

Hotel Inhumans (Band 1) - Manga Rezension

Hotel Inhumans (Band 1)

[Anzeige, da Rezensionsexemplar]

“Hotel Inhumans” stammt von Mangaka Ao Tajima und ist in Japan bereits mit zwölf Bänden abgeschlossen. Die deutsche Ausgabe erscheint bei Carlsen im Großformat, enthält einige Farbseiten und wird von Martin Bachernegg übersetzt.

Die Reihe erhielt zudem eine Anime-Adaption. Die erste Staffel erschien von Juli bis September 2025. Eine zweite Season soll ab Oktober 2026 beginnen.

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Story & Zeichnungen: Ao Tajima | Originaltitel: Hoteru Inhyūmanzu | Übersetzung: Martin Bachernegg | Genre: Drama | Verlag: Carlsen Manga | Preis: 10,00€ | In zwölf Bänden abgeschlossen | mehr Informationen auf der Verlagsseite

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Wie war’s?

Das Hotel Inhumans ist kein gewöhnliches Hotel. Wer hier eincheckt, sucht nicht einfach nur ein bequemes Bett, gutes Essen oder diskrete Entspannung. Die Gäste dieses Hauses sind Auftragsmörder, Killer, Schattenmenschen und jene, die in der normalen Welt keinen Platz mehr finden. Entsprechend fallen auch die angebotenen Dienstleistungen aus. Neben erstklassiger Bewirtung, Unterhaltung und Erholung bietet das Hotel moderne Waffen, gefälschte Identitäten, zuverlässige Informationsbeschaffung und eine Reinigung, die Leichen verschwinden lässt, als hätte es sie nie gegeben.

Im Mittelpunkt stehen die beiden Concierges Sara und Ikuo, die den Gästen jeden Wunsch erfüllen sollen. Fragen werden dabei möglichst wenige gestellt. Wer das Hotel betritt, bringt seine eigene Geschichte, seine eigenen Wunden und meist auch eine Menge Blut an den Schuhen mit. Sara und Ikuo nehmen diese Menschen auf, hören zu, organisieren, vermitteln und greifen ein, wenn es nötig wird. So entsteht ein episodischer Manga, der weniger einer durchgehenden Handlung folgt, sondern einzelne Schicksale in den Fokus rückt.

Der erste Band beginnt mit der Geschichte Siao, einem jungen Auftragsmörder, der seit seiner Kindheit für die Mafia arbeitet. Der Grund dafür ist seine Schwester, die als Geisel gehalten wird. Jahr für Jahr erhält er Tonaufnahmen von ihr, und all die Jahre hält er an dem Versprechen fest, dass sie mit ihrem zwanzigsten Geburtstag freigelassen werden soll. Doch kurz bevor dieser Tag kommt, zweifelt Siao daran, dass die Organisation ihr Wort halten wird. Mit diesem Wunsch, seine Schwester zu retten, gelangt er ins Hotel Inhumans.

Schon dieser erste Fall zeigt gut, welche Richtung der Manga einschlägt. Hotel Inhumans interessiert sich weniger für die Frage, wie cool oder tödlich seine Killer sind, sondern mehr dafür, was sie in dieses Leben geführt hat. Die Gäste sind gefährliche Menschen, keine Frage. Aber sie werden nicht nur als Waffen, Monster oder stilvolle Unterweltfiguren gezeigt. Hinter jedem von ihnen steckt eine Geschichte, oft eine tragische, manchmal eine bittere, gelegentlich auch eine überraschend zarte. Der Manga hat zwar Stil und eine gewisse Freude an seinem düsteren Setting, aber seine eigentliche Stärke liegt in der Melancholie. Die einzelnen Geschichten sind häufig bitter, manchmal warmherzig und oft von einer gewissen Tragik durchzogen.

Das macht der erste Band grundsätzlich gut. Gerade der Fall um Siao funktioniert emotional, weil sein Handeln nicht aus reiner Mordlust entsteht, sondern aus einer langen, schmerzhaften Bindung zu seiner Schwester.

Gleichzeitig zeigt sich an dieser ersten Geschichte aber auch eine Schwäche des Bandes. Sobald Siao das Hotel erreicht, läuft vieles erstaunlich reibungslos. Die Concierges nehmen seinen Wunsch an, organisieren die nötigen Schritte, und der Plan entfaltet sich ohne allzu große Hindernisse. Das ist stilvoll, aber nicht immer maximal spannend. Gerade weil die Ausgangslage so dramatisch ist, hätte man sich manchmal mehr Reibung gewünscht. Mehr Unsicherheit, mehr Risiko, vielleicht auch einen Preis, den das Hotel wirklich fordert. Das Einchecken mit Blut wirkt zunächst wie ein unheilvolles Versprechen, doch im Verlauf bleibt der Eindruck noch etwas harmloser, als man es bei einem solchen Ort erwarten könnte.

Das hängt auch mit der Struktur des Mangas zusammen. Hotel Inhumans ist im ersten Band sehr episodisch aufgebaut. Ein Gast kommt, seine Geschichte wird erzählt, Sara und Ikuro erfüllen seinen Wunsch, danach folgt der nächste Fall. Das hat durchaus seinen Reiz, weil jedes Kapitel ein neues Schicksal öffnen kann. Gleichzeitig fehlt dadurch noch der große rote Faden. Es fehle noch eine übergeordnete Handlung, die sofort den Drang auslöst, den nächsten Band lesen zu müssen.

Der erste Band ist interessant, atmosphärisch und oft gut erzählt, aber er entfacht noch nicht ganz dieses Gefühl von: Ich muss sofort wissen, wie es weitergeht. Dafür sind die einzelnen Geschichten zu abgeschlossen. Zwar gibt es Andeutungen, dass Sara und Ikuo selbst noch eine größere Rolle spielen, doch im ersten Band bleibt das noch im Hintergrund.

Am Ende wird die Entwicklung der beiden Figuren darüber entscheiden, ob Hotel Inhumans mehr wird als eine Sammlung guter Kurzgeschichten. Die Gäste können wechseln, ihre Schicksale können berühren und wieder verschwinden, aber wenn die Reihe es schafft, die episodischen Fälle mit einer übergeordneten Entwicklung der Concierges zu verbinden, könnte daraus eine gute Mischung entstehen.

Thematisch hat der Manga auf jeden Fall Potenzial. Gerade dadurch stellt der Manga immer wieder die Frage, was Menschlichkeit bedeutet. Sind diese Killer wirklich „unmenschlich“, nur weil sie töten? Oder zeigt sich Menschlichkeit gerade in ihren letzten Wünschen, in ihrer Trauer, in ihrer Liebe zu anderen, in ihrem Bedürfnis nach Erlösung? Der Manga romantisiert seine Figuren nicht vollständig, aber er gibt ihnen Raum, mehr zu sein als ihre Verbrechen. Das ist ein interessanter Ansatz, weil er Empathie erzeugt, ohne die Dunkelheit ganz auszublenden.

Besonders gelungen sind die bittersüßen Enden vieler Geschichten. Hotel Inhumans ist kein Manga, der einfach nur Happy Ends verteilt. Selbst wenn eine Geschichte auf den ersten Blick gut ausgeht, bleibt oft ein bitterer Nachgeschmack. Manche Wünsche können erfüllt werden, aber das bedeutet nicht, dass alles heil wird. Manche Menschen bekommen genau das, was sie wollten, und trotzdem bleibt Verlust zurück. Diese Mischung aus Trost und Schmerz passt sehr gut zum Setting.

Zeichnerisch hinterlässt der Band einen soliden bis sehr schönen Eindruck. Besonders schön sind die Farbseiten. Der Band enthält nicht nur zu Beginn, sondern auch zwischendurch Farbseiten.

Fazit

Was mir an Hotel Inhumans gefällt, ist, dass der Manga sein Killer-Setting nicht nur als Vorwand für Gewalt benutzt. Natürlich gibt es Waffen, Unterwelt, Aufträge und gefährliche Figuren. Doch im Kern geht es um Menschen, die irgendwo zwischen Schuld, Einsamkeit und letzten Wünschen stehen.

Gleichzeitig bleibt der Auftakt noch etwas hinter seinem Potenzial zurück. Die einzelnen Geschichten sind gut, manche sogar sehr gelungen, aber nicht jede Episode bleibt gleichermaßen stark im Gedächtnis. Der rote Faden fehlt noch, und die Hauptfiguren müssen sich erst weiter entfalten. Sollte das ab Band zwei gelingen, dann wird mich die Reihe aber sicherlich als Leserin gewinnen.

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Bei diesem Manga handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir freundlicherweise von Carlsen zur Verfügung gestellt worden ist. Vielen Dank dafür!

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