Night Light Hounds (Band 1)

Night Light Hounds (Band 1)

Werbung/Rezensionsexemplar
14. August 2026 · Deutsche Manga
Night Light Hounds (Band 1)

Gangster, Vampire, Werwölfe und das Flair der wilden Zwanziger? Bei dieser Mischung musste ich eigentlich nicht lange überlegen. Night Light Hounds klingt zunächst, als hätte Haruhisa Nakata einfach sämtliche Dinge zusammengeworfen, die irgendwie cool aussehen. Band 1 zeigt jedoch recht schnell, dass hinter dem düsteren Spektakel mehr steckt.

Manga-Daten

Originaltitel
Night light Hounds
Mangaka
Haruhisa Nakata
Verlag
Panini Manga
Veröffentlichung
19.05.2026
Seitenzahl
232
ISBN
9783741648250
Sprache / Ausgabe
Deutsch
Übersetzung
Martin Gericke
Genre
Fantasy, Thriller
Demografie
Shonen
Preis
8,99 €

Passt der Manga zu dir?

Für dich, wenn …

  • … Du magst Geschichten über Gangster, Vampire und Werwölfe.
  • … Du hast Freude an einem düsteren Setting mit dem Flair der Zwanzigerjahre.
  • … Du legst Wert auf ausdrucksstarke und sehr detaillierte Zeichnungen.
  • … Du kannst mit deutlicher Gewalt und bedrückenden Schicksalen umgehen.

Eher nicht für dich, wenn …

  • … Du suchst eine ruhige Geschichte mit wenig Action.
  • … Du möchtest Vampire und Werwölfe in einer vollkommen neuen Auslegung sehen.
  • … Dir sind sehr detailreiche Seiten schnell zu unübersichtlich.
  • … Du magst keine Hauptfigur, die zunächst recht hilflos erscheint.

Stimmung

düster · rau · melancholisch · blutig · rastlos

Themen

Überleben · Einsamkeit · Vertrauen · Ausbeutung

Auf Night Light Hounds bin ich vor allem wegen Haruhisa Nakata aufmerksam geworden. Viele von euch kennen ihn vermutlich durch Levius. Ich mochte den Zeichenstil dort bereits sehr und war entsprechend neugierig, was er mit Gangstern, Vampiren und Werwölfen anfangen würde.

Hängen geblieben bin ich dann ausgerechnet an Jimmy.

Jimmy ist ein schmächtiger Laufbursche, der im Grunde für alles ungeeignet ist, was sein Job von ihm verlangt. Besonders stark ist er nicht, mutig auch nur in den falschen Momenten und bei den Lakeside Fellows nimmt ihn kaum jemand ernst. Eigentlich die perfekte Figur, um in einer Geschichte voller Monster schon früh ein ziemlich unschönes Ende zu finden. Ich habe mich wirklich mehr als einmal gefragt, wie dieser Junge den nächsten Morgen erleben soll. Irgendwie mochte ich ihn sofort.

Night Light Hounds startete am 19. Oktober 2024 auf Shueishas digitaler Manga-Plattform Shōnen Jump+. Der erste japanische Sammelband erschien am 4. Februar 2025. Er enthält auch die Seiten, die bei der ursprünglichen Veröffentlichung in Farbe zu sehen waren.

Leider gibt es bei der Reihe einen ziemlich großen Haken. Shueisha hat sie frühzeitig beendet und mit dem vierten Band war im April 2026 bereits Schluss. Haruhisa Nakata würde nach eigener Aussage gerne irgendwann zu der Geschichte zurückkehren, entweder mit einem Verlag oder als Selfpublishing-Projekt. Nur weiß natürlich niemand, ob daraus wirklich etwas wird.

Ihr solltet das vor dem Kauf wissen. Vier Bände sind für diese Welt verdammt wenig.

Worum geht es?

Silent Bay City gehört den Gangstern. Jimmy hat seine Familie verloren und arbeitet als Laufbursche für die Lakeside Fellows. Innerhalb der Organisation steht er ziemlich weit unten. Er erledigt die Arbeiten, auf die sonst niemand Lust hat, lässt sich herumkommandieren und träumt vermutlich trotzdem davon, irgendwann wie ein richtiger Gangster zu wirken.

Dann trifft er auf ein namenloses Mädchen und beschließt, ihr zu helfen. In einer anderen Stadt wäre das vielleicht keine besonders folgenreiche Entscheidung. Hier bringt sie ihn mitten in einen Kampf zwischen Vampiren und den Night Hounds, Menschen, die sich in Werwölfe verwandeln können.

Für jemanden wie Jimmy sind beide Seiten ein paar Nummern zu groß. Wegsehen möchte er trotzdem nicht.

Wie war’s?

Jimmy ist kein cooler Held. Er kann keinen Raum betreten und sofort alle einschüchtern, gewinnt nicht plötzlich jeden Kampf und besitzt auch keine verborgene Macht, mit der er seine Gegner überrascht. Zumindest deutet im ersten Band nichts darauf hin. Meistens ist er überfordert. Aber er gibt dem namenlosen Mädchen etwas zu essen.

Diese Szene sagt eigentlich schon genug über ihn aus. Das Mädchen trägt einen Maulkorb, spricht kaum und wird von den Erwachsenen wie ein Werkzeug behandelt. Jimmy weiß nicht, wer sie ist. Er weiß auch nicht, wozu sie fähig ist oder ob von ihr vielleicht selbst Gefahr ausgeht. Er bleibt trotzdem bei ihr und behandelt sie erst einmal wie ein Kind. Das mochte ich.

Ihre Verbindung entwickelt sich schnell, fühlte sich für mich aber nicht übereilt an. Vielleicht erkennt Jimmy in ihr etwas von seiner verlorenen Familie. Vielleicht sieht er nur ein Mädchen, das noch weniger über das eigene Leben bestimmen kann als er. Nakata erklärt es nicht bis ins Letzte und das braucht er hier auch nicht.

Das Mädchen selbst hat mich ebenfalls neugierig gemacht. Sie redet kaum, dafür verändern sich ihre Blicke und kleinen Reaktionen, sobald Jimmy in ihrer Nähe ist. Viel erfährt man im ersten Band noch nicht über sie. Nach der letzten Seite wollte ich trotzdem viel dringender wissen, wie es mit den beiden weitergeht, als mehr über den Krieg zwischen Vampiren und Werwölfen zu erfahren. Wobei auch dieser Teil durchaus Spaß macht.

Zu Beginn hält sich Nakata mit den Monstern noch etwas zurück. Erst einmal lernen wir Jimmy, die Lakeside Fellows und Silent Bay City kennen. Das war für mich die richtige Entscheidung. Die Stadt ist bereits ohne übernatürliche Wesen kein Ort, an dem man gerne stranden möchte. Gangster bestimmen den Alltag, Menschen werden ausgenutzt und jemand wie Jimmy hat kaum eine Möglichkeit, sich gegen irgendetwas zu wehren.

Später wird es voller. Und stellenweise auch ein wenig unübersichtlich. Mehrere Organisationen tauchen auf, dazu kommen verschiedene Fähigkeiten und Machtverhältnisse. Ich musste gelegentlich zurückblättern, weil mir entfallen war, wer nun noch einmal zu welcher Gruppe gehörte. Der erste Band möchte an diesen Stellen sehr viel unterbringen. Vermutlich spielt dabei auch das schnelle Tempo eine Rolle, mit dem sich neue Reihen im Jump-Umfeld beweisen müssen. Viel Zeit zum gemütlichen Aufbau bleibt dort schließlich nicht.

Ganz rund ist das nicht. Langweilig wurde mir aber ebenfalls nicht. Vampire gegen Werwölfe ist natürlich keine besonders neue Idee. Nakata scheint auch gar nicht erst zu versuchen, das Rad komplett neu zu erfinden. Mich hat das nicht gestört. Die Verbindung mit dem Gangstermilieu reicht mir vollkommen aus, weil beides erstaunlich gut zusammenpasst.

Die Vampire brauchen kein abgelegenes Schloss. In Silent Bay City gibt es bereits Menschen, die andere einschüchtern, Geschäfte kontrollieren und Leichen verschwinden lassen. Warum sollten sie solche Strukturen nicht für ihre Jagd nutzen? Das liegt eigentlich ziemlich nahe und funktioniert gerade deshalb.

Bei Haruhisa Nakata hatte ich hohe Erwartungen an die Zeichnungen. Enttäuscht wurde ich nicht. Seine Figuren sehen markant aus und auch Silent Bay City besitzt sofort einen eigenen Charakter. Alte Autos, Mäntel, enge Straßen und schwere Gebäude erinnern an die 1920er-Jahre. Alles wirkt schmutzig und ein wenig überladen. Hübsch ist die Stadt nicht, aber das soll sie wohl auch gar nicht sein.

Richtig stark wird Nakata für mich immer dann, wenn die Monster ihre menschliche Form verlieren. Körper verformen sich, Gesichter wirken auf einmal fremd und die Gewalt kommt teilweise sehr plötzlich. In diesen Szenen versteht man sofort, weshalb Jimmy praktisch keine Chance hat. Er steht nicht heldenhaft vor einem scheinbar übermächtigen Gegner. Er ist tatsächlich vollkommen unterlegen.

Die vielen Details haben allerdings auch einen Nachteil. In den Kämpfen wusste ich nicht immer sofort, wer gerade was macht. Ein paar Panels musste ich länger ansehen, bevor ich die Bewegung verstanden hatte. Besonders in einem kleineren Buchformat könnte das anstrengend werden. Meistens mochte ich den wilden Eindruck trotzdem. Er passt zu dieser Stadt.

Und dann ist leider nach vier Bänden Schluss. Während des Lesens merkt man schnell, dass Nakata einiges vorbereitet. Die Organisationen, das namenlose Mädchen, Jimmys Vergangenheit und natürlich der Konflikt zwischen Vampiren und Night Hounds brauchen Platz. Der erste Band nimmt sich für Silent Bay City sogar recht viel Zeit.

Normalerweise würde ich das loben und einfach auf die nächsten Bände warten. Hier weiß ich allerdings schon, dass nur drei weitere folgen. Das ist schade und macht eine Empfehlung nicht gerade leichter.

Ich möchte den Manga deshalb aber auch nicht abschreiben. Der Auftakt hat mir gefallen und besonders Jimmy und das Mädchen haben mich gepackt. Vielleicht kehrt Nakata eines Tages wirklich zu der Geschichte zurück. Darauf verlassen würde ich mich beim Kauf allerdings nicht.

Fazit

Wer Night Light Hounds nur wegen Haruhisa Nakatas Zeichnungen beginnt, bekommt genau das, was man von ihm erwarten darf. Detailreiche Seiten, unangenehme Monster und eine Stadt, in der man nachts besser nicht allein unterwegs ist.

Für mich war Jimmy am Ende trotzdem der wichtigere Grund weiterzulesen. Ein hoffnungslos unterlegener Laufbursche, der einem Kind etwas zu essen gibt, obwohl um ihn herum fast jeder nur an den eigenen Vorteil denkt. Manchmal reicht das schon.

Wenn euch die frühe Beendigung nicht abschreckt und ihr düstere Fantasy mit Gangstern, Vampiren und Werwölfen mögt, könnt ihr dem ersten Band eine Chance geben. Erwartet nur keine lange Reihe, in der jede Idee ausführlich ausgearbeitet wird.

Transparenzhinweis

Dieses Rezensionsexemplar wurde mir vom Verlag Panini Manga zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst.

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