RuriDragon (Band 1)

RuriDragon (Band 1)

Werbung/Rezensionsexemplar
5. Juli 2026 · Deutsche Manga
RuriDragon (Band 1)

In RuriDragon wacht die Schülerin Ruri plötzlich mit Hörnern auf und erfährt nebenbei, dass ihr Vater ein Drache ist. Statt daraus ein großes Fantasy-Abenteuer zu machen, erzählt Masaoki Shindo eine ruhige und humorvolle Slice-of-Life-Geschichte über körperliche Veränderungen, Anderssein und einen erstaunlich normalen Schulalltag.

Manga-Daten

Originaltitel
RuriDragon
Mangaka
Masaoki Shindo
Verlag
Egmont Manga
Veröffentlichung
09.06.2026
Seitenzahl
176 Seiten
ISBN
9783755505853
Sprache / Ausgabe
Deutsch
Übersetzung
Verena Maser
Genre
Slice of Life
Demografie
Shonen
Preis
8,50 €

Passt der Manga zu dir?

Für dich, wenn …

  • … du ruhige Slice-of-Life-Manga mit einem fantastischen Element magst
  • … du trockenen, beiläufigen Humor und ausdrucksstarke Figuren schätzt
  • … du Geschichten über Anderssein und körperliche Veränderungen ohne großes Drama interessant findest
  • … du einen warmen und entspannten Wohlfühlmanga lesen möchtest

Eher nicht für dich, wenn …

  • … du ein großes Fantasy-Abenteuer mit Drachenkämpfen und Geheimorganisationen erwartest
  • … du dir starke Konflikte, Mobbing oder eine tiefere Auseinandersetzung mit Ausgrenzung wünschst
  • … du bereits im ersten Band ausführliche Antworten zu Ruris Herkunft und ihrem Vater erwartest

Stimmung

cozy · ruhig · charmant

Themen

Freundschaft · Identität

Ruri Aoki wacht morgens mit zwei Hörnern auf. Ihre Mutter sieht sich die Sache an und erklärt fast beiläufig, dass Ruris Vater ein Drache sei. Damit wäre das Wichtigste ja geklärt, zur Schule soll Ruri trotzdem gehen. Dieser trockene Einstieg bringt ziemlich gut auf den Punkt, was RuriDragon sein möchte: Eine völlig absurde Veränderung trifft auf einen Alltag, der sich davon nur kurz aus der Ruhe bringen lässt. Das ist charmant und zunächst auch sehr lustig. Auf ein großes Fantasy-Abenteuer legt es der Manga dabei gar nicht erst an.

Die Reihe von Masaoki Shindo startete 2022 bei Shueisha im Weekly Shonen Jump, nachdem die Geschichte zuvor bereits als One-Shot in Jump Giga erschienen war. Nach einer längeren gesundheitlich bedingten Pause wurde die Veröffentlichung 2024 fortgesetzt; inzwischen erscheint der Manga digital im zweiwöchentlichen Rhythmus. In Japan liegen derzeit fünf Bände vor. Die deutsche Ausgabe startete am 9. Juni 2026 bei Egmont Manga.

Worum geht es?

Ruri führt ein ziemlich gewöhnliches Leben als Schülerin, bis ihr eines Morgens plötzlich Hörner aus dem Kopf wachsen. Ihre Mutter verrät ihr daraufhin, dass Ruris unbekannter Vater ein Drache ist und sich nun wohl die ersten Merkmale dieser Hälfte bemerkbar machen. Weitere Erklärungen bekommt Ruri nicht. Dennoch geht sie zur Schule, obwohl sich die Hörner nun wirklich kaum verbergen lassen.

Dort reagieren ihre Mitschülerinnen und Mitschüler neugierig, wollen die Hörner ansehen oder sogar anfassen, doch der befürchtete große Aufruhr bleibt aus. Ruri versucht derweil, ihren normalen Schulalltag irgendwie weiterzuführen. Das wird schwieriger, als sich eine weitere Drachenfähigkeit bemerkbar macht und sie plötzlich Feuer spuckt. Eine große Fantasygeschichte entwickelt sich daraus jedoch nicht. RuriDragon bleibt bei Ruri, ihrer Klasse und den kleinen Problemen, die eine Halbdrächin zwischen Unterricht und Gesprächen mit Freunden eben hat.

Meine Meinung

Dass Masaoki Shindo aus dieser Idee kein großes Abenteuer mit Drachenkämpfen, geheimen Organisationen oder einer besonderen Schule für außergewöhnliche Kinder macht, hat mir tatsächlich auf den ersten Seiten gefallen. Ruris neue Eigenschaften sind auch kein praktisches Power-up, mit dem sie plötzlich stärker und mutiger wird oder eine große Aufgabe bekommt. Sie ist nach wie vor zurückhaltend, etwas unbeholfen und in sozialen Situationen nicht besonders sicher. Eigentlich möchte sie einfach ihre Ruhe haben. Nun schauen ihr bloß alle auf die Hörner.

Vor allem Ruris Reaktionen funktionieren dabei sehr gut. Sie schreit nicht ständig herum und nimmt die Neuigkeit trotzdem nicht völlig gelassen hin. Meist wirkt sie müde, irritiert oder schlicht überfordert, als hätte ihr jemand ein Problem hingestellt, für das sie gerade wirklich keine Zeit hat. Ihre Mutter passt wunderbar in diese Art von Humor. Dass Ruris Vater ein Drache ist und sie diese kleine Information lange für sich behalten hat, behandelt sie ungefähr so, als hätte sie vergessen, einen Termin zu erwähnen. Man muss diese Nüchternheit nicht lange erklären. Der Witz sitzt.

Auch im Schulalltag nutzt der Manga den Gegensatz zwischen dem Fantastischen und dem Gewöhnlichen immer wieder. Da wächst einem Mädchen über Nacht ein unübersehbares Drachenmerkmal, und kurz darauf geht es schon wieder um Unterricht, Blicke im Klassenzimmer und die Frage, wer sich traut, Ruri direkt darauf anzusprechen. Diese Szenen geben dem ersten Band einen eigenen Ton. Er ist ruhig, locker und angenehm zu lesen, ohne wie eine gewöhnliche Fantasyreihe zu wirken.

Die Hörner lassen sich natürlich leicht mit den Veränderungen während der Pubertät verbinden. Ruris Körper macht etwas, das sie weder geplant hat noch versteht. Sie kann es nicht verbergen, alle anderen sehen es sofort und haben eine Meinung oder zumindest Fragen dazu. Ruri selbst muss erst einmal herausfinden, wie sie mit diesem neuen Teil von sich umgehen soll. Als Ausgangspunkt für eine Geschichte über Anderssein, Unsicherheit und das Erwachsenwerden ist das ziemlich stark.

Allerdings geht der Manga bisher sehr vorsichtig damit um. Ruris Klasse ist überrascht, ein paar Leute halten kurz Abstand und manche sind neugieriger, als Ruri lieb sein kann. Wirklich unangenehm wird es aber kaum. Es gibt keinen ernsten Spott, keine stärkere Ausgrenzung und nur wenig Reibung. Selbst das Feuerspucken wird erstaunlich kontrolliert aufgenommen. Natürlich muss eine Geschichte über sichtbare Unterschiede nicht automatisch in Mobbing und Grausamkeit abbiegen. Ich finde es durchaus schön, dass RuriDragon seinen Figuren erst einmal ein freundliches Miteinander zutraut.

Trotzdem ist mir diese Schulwelt ein bisschen zu glatt. Jugendliche können sich bereits an wesentlich kleineren Dingen festbeißen als an zwei echten Hörnern, und hier scheint die Sache nach kurzer Verwunderung beinahe zum normalen Klassenalltag zu gehören. Dadurch bleiben Vorurteile, Unsicherheit und der Blick der anderen eher an der Oberfläche. Der Manga deutet interessante soziale Situationen an. Vieles davon ist nett beobachtet, doch der erste Band geht selten einen Schritt weiter. Das freundliche Umfeld macht die Geschichte zugänglich, nimmt ihr aber auch Spannung.

Ähnlich geht es mir mit Ruris eigener Neugier. Ihr wird gesagt, dass ihr Vater ein Drache ist, und kurz darauf entwickelt sie Fähigkeiten, die sie überhaupt nicht versteht. Trotzdem stellt sie ihrer Mutter erstaunlich wenige Fragen. Man könnte das als Teil ihrer überforderten Art verstehen, irgendwann fällt es jedoch auf. Wer ist ihr Vater? Was weiß ihre Mutter über Drachen? Mit welchen Veränderungen muss Ruri noch rechnen? Offenbar kennt die Mutter zumindest einen Teil der Antworten und scheint sogar Kontakt zu Ruris Vater aufnehmen zu können. Der Manga lässt sich damit Zeit, obwohl diese Informationen für Ruri ziemlich wichtig sein müssten.

Die Mutter bleibt deshalb gleichzeitig eine der lustigsten und eine der fragwürdigsten Figuren des Bandes. Ihre Gelassenheit trägt viele gute Szenen, aber sie hat ihrer Tochter einen wesentlichen Teil ihrer Herkunft verschwiegen, bis die Hörner buchstäblich nicht mehr zu übersehen waren. Das könnte Ruris Vertrauen erschüttern oder wenigstens ein ernstes Gespräch auslösen. Bisher wird es eher als Teil des lockeren Tons behandelt. Schade, denn hier steckt ein Konflikt, der ganz ohne Bösewicht oder große Action auskommen würde.

Bei den übrigen Figuren ist der erste Band ebenfalls noch zurückhaltend. Ruris Mitschülerinnen und Mitschüler schaffen eine freundliche Schulatmosphäre und erfüllen in den einzelnen Szenen ihren Zweck, bleiben aber größtenteils noch recht blass. Nur wenige besitzen bereits ein klares eigenes Profil. Dadurch hängt viel an Ruri, und zum Glück trägt sie den Manga mit ihrer unbeholfenen, trockenen Art ziemlich gut. Für eine Reihe, die so stark vom Alltag und von Begegnungen in der Klasse lebt, darf der Cast in den nächsten Bänden aber gern etwas mehr Raum bekommen.

Optisch passt RuriDragon sehr gut zu dieser unaufgeregten Erzählweise. Masaoki Shindos Zeichenstil ist klar und locker, die Hintergründe sind eher schlicht und halten die Handlung fest im gewöhnlichen Schulalltag. Im Mittelpunkt stehen die Figuren, ihre Bewegungen und besonders ihre Gesichter. Ruris Mimik ist dabei die größte Stärke der Zeichnungen. Ihre müden Blicke, das leichte Genervtsein und die sichtbare Ratlosigkeit erzählen oft mehr als ein zusätzlicher Dialog. Ein kleines Verziehen des Mundes reicht, und man weiß ziemlich genau, wie wenig begeistert sie von der nächsten Überraschung ist. Der Humor würde ohne diese Gesichtsausdrücke deutlich schlechter funktionieren.

Fazit

Wer einen entspannten Schulmanga mit einem kleinen Fantasy-Twist sucht und keine große Action braucht, dürfte mit RuriDragon Spaß haben. Für diejenigen, die sich von Ruris Verwandlung schon im ersten Band stärkere Konflikte oder eine genauere Beschäftigung mit Anderssein und Pubertät erhoffen, bleibt der Auftakt vermutlich zu brav. Die Idee bietet aus meiner Sicht noch viel Platz, der erste Band nutzt davon bisher nur einen recht kleinen Teil.

Transparenzhinweis

Dieses Rezensionsexemplar wurde mir vom Verlag Egmont Manga zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst.

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