Secondhand Sisters (Band 1)

Secondhand Sisters (Band 1)

10. Oktober 2026 · Englische Manga
Secondhand Sisters (Band 1)

Nach dem Tod ihrer Mutter treffen Jun und Ran erstmals seit acht Jahren wieder aufeinander. Beide wollen im Elternhaus bleiben, doch Ran bringt ausgerechnet Ritsu mit – ihren Ehemann und Juns ehemaligen Freund. Secondhand Sisters ist ein beklemmendes Familiendrama über zwei Schwestern, die sich seit ihrer Kindheit gegenseitig bestrafen und noch immer nicht über die Verletzungen sprechen, mit denen alles begonnen hat.

Manga-Daten

Originaltitel
Kemutai Ane to Zurui Imouto
Mangaka
Battan
Verlag
Kodansha
Veröffentlichung
02.06.2026
Seitenzahl
144
ISBN
9798900740522
Sprache / Ausgabe
Englisch
Übersetzung
Mei Amaki
Genre
Drama
Demografie
Josei
Preis
15,99 €

Hinweis: Englischsprachige Manga unterliegen keiner Preisbindung. Der angegebene Preis kann entsprechend abweichen.

Passt der Manga zu dir?

Für dich, wenn …

  • … du intensive Familiendramen mit komplizierten, bewusst unsympathischen Erwachsenen magst.
  • … du Geschichten über Geschwisterrivalität, alte Verletzungen und ungesunde Beziehungen spannend findest.
  • … du langsame, beinahe klaustrophobische Spannung lieber magst als große äußere Ereignisse.

Eher nicht für dich, wenn …

  • … du liebenswerte Hauptfiguren und eine versöhnliche Geschichte über schwesterlichen Zusammenhalt suchst.
  • … du bei Untreue, Eifersucht und einem möglichen Liebesdreieck schnell aussteigst.
  • … du möchtest, dass Erwachsene ihre Konflikte vernünftig und offen miteinander klären.

Stimmung

Stickig · angespannt und unangenehm fesselnd

Themen

Geschwisterrivalität · Familie · Eifersucht

Ran hat ihrer älteren Schwester Jun schon als Kind alles Mögliche weggenommen: Spielzeug, Kleidung, Freunde und irgendwann sogar ihren Freund. Dass diese beiden Frauen nach acht Jahren Funkstille ausgerechnet im Haus ihrer verstorbenen Mutter zusammenleben sollen, ist deshalb eine ziemlich schlechte Idee. Secondhand Sisters setzt seine Figuren von Anfang an in eine Situation, die nur schiefgehen kann, und lässt alte Verletzungen, Eifersucht und halb verdrängte Gefühle langsam wieder an die Oberfläche kommen.

Die Reihe stammt von Battan, die in Deutschland sicherlich vor allem durch Run Away With Me, Girl bekannt sein dürfte. Was bis dato ihre einzige hierzulande veröffentlichte Reihe ist. Secondhand Sisters lief unter dem Originaltitel Kemutai Ane to Zurui Imōto von 2021 bis 2023 im Josei-Magazin Kiss und ist mit fünf Bänden abgeschlossen. Kodansha USA veröffentlicht die englische Ausgabe seit Juni 2026 als digitale Fassung und als Teil des Print-on-Demand-Services Kodansha Print Club.

Worum geht es?

Jun und Ran haben sich seit acht Jahren nicht gesehen. Erst der Tod ihrer Mutter bringt die beiden Schwestern nun wieder zusammen, wobei von einer richtigen Versöhnung keine Rede sein kann. Jun hat die Beerdigung organisiert und möchte anschließend im Haus der Familie bleiben. Ran hat jedoch denselben Plan und bringt zu allem Überfluss ihren Ehemann Ritsu mit.

Ritsu ist allerdings nicht irgendein Mann, sondern Juns ehemaliger Freund. Ran hat ihn ihr vor Jahren ausgespannt und später geheiratet. Für Jun war das der letzte in einer langen Reihe von Fällen, in denen ihre kleine Schwester etwas genommen und anschließend so getan hat, als hätte es schon immer ihr gehört.

Zunächst will Jun das Haus verlassen. Dann meldet sich jedoch ihr alter Trotz. Sie ist nicht bereit, Ran noch einmal kampflos etwas zu überlassen, und bleibt ebenfalls. Damit leben plötzlich zwei Schwestern, die sich kaum im selben Raum ertragen können, gemeinsam mit dem Mann, den beide lieben oder zumindest einmal geliebt haben. Vernünftige Gespräche sind unter diesen Voraussetzungen eher selten.

Meine Meinung

Der erste Band wird über weite Strecken aus Juns Perspektive erzählt, und es fällt zunächst leicht, sich auf ihre Seite zu stellen. Ran erscheint unzuverlässig, rücksichtslos und erschreckend unbeeindruckt davon, wie sehr sie ihre Schwester verletzt hat. Schon die Erinnerungen aus der Kindheit machen deutlich, dass Jun sich diese Geschichte nicht bloß zurechtgelegt hat. Ran nahm ihre Sachen, erklärte sie zu ihren eigenen und kam offenbar immer damit durch. Jahre später findet Jun eines ihrer alten Spielzeuge in einer Kiste mit Rans Namen wieder. Eine Kleinigkeit, aber eine, die sehr viel über diese Familie erzählt.

Jun ist ernst, verantwortungsbewusst und ziemlich kontrolliert. Sie hat gelernt, Ärger herunterzuschlucken, bis aus ihm ein fester Teil ihrer Persönlichkeit geworden ist. Ran wirkt dagegen leichtlebiger und spontaner. Sie taucht zu spät bei der Beerdigung auf, plant kurz danach eine Einweihungsfeier und entscheidet über das Haus, ohne Jun vernünftig einzubeziehen. Dass Jun irgendwann genug hat, kann ich gut verstehen. Kleidung auszuleihen ist eine Sache. Den Freund der eigenen Schwester zu heiraten, fällt dann doch in eine etwas andere Kategorie.

Battan belässt es allerdings nicht bei dieser einfachen Aufteilung. Gegen Ende des Bandes bekommen wir einen besseren Einblick in Rans Gedanken und in ihr Verhältnis zur Mutter. Das macht ihre Entscheidungen nicht plötzlich richtig, verändert aber den Blick auf sie. Jun und Ran haben unterschiedliche Väter, und Ran wuchs mit dem Gefühl auf, von der Mutter abgelehnt zu werden, während Jun bevorzugt wurde. Für Jun war Ran das verwöhnte Kind, dem alles erlaubt wurde. Ran sah in Jun dagegen die geliebte Tochter, neben der sie nie bestehen konnte.

Beide Erinnerungen können zumindest teilweise stimmen. Jun und Ran hatten zwar dieselbe Mutter, aber offenbar nicht dieselbe Kindheit. Anstatt ihren Ärger gegen die Mutter zu richten oder miteinander zu sprechen, haben sie sich gegenseitig zur Gegnerin gemacht. Ran nahm Jun Dinge weg, um sie zu bestrafen oder sich selbst zu beweisen, dass sie ebenfalls bekommen konnte, was ihre Schwester hatte. Jun reagierte mit wachsendem Hass und zog sich schließlich vollständig zurück. Über Jahre hinweg hat keine von beiden ernsthaft versucht, herauszufinden, was auf der anderen Seite passiert ist.

Das macht die Figuren nicht unbedingt sympathisch. Interessant sind sie aus meiner Sicht trotzdem. Jun ist so stur, dass sie lieber in einem Haus voller Menschen bleibt, die sie nicht ausstehen kann, als Ran den vermeintlichen Sieg zu überlassen. Ran trifft weitreichende Entscheidungen, als müsste sich der Rest der Familie ihren Wünschen ohnehin anpassen. Beide reden viel, ohne das auszusprechen, was wirklich wichtig wäre. Ein Notartermin und drei getrennte Wohnungen wären vermutlich gesünder. Als Handlung wäre das allerdings deutlich weniger unterhaltsam.

Und dann ist da noch Ritsu. Der Manga stellt ihn zunächst ein wenig so dar, als wäre er ein Gegenstand, den Ran ihrer Schwester gestohlen hat. Dabei war er schon damals ein erwachsener Mann und an diesem Schlamassel nicht gerade unbeteiligt. Er hat Jun verlassen, Ran geheiratet und lebt nun mit beiden unter einem Dach. Gleichzeitig wirkt seine Beziehung zu Ran alles andere als stabil. Seine Blicke wandern auffällig häufig zu Jun, und auch Jun scheint ihre Gefühle für ihn nie vollständig überwunden zu haben.

Ritsu nimmt dadurch eine merkwürdige Position ein. Einerseits steht er zwischen den Schwestern, andererseits profitiert er durchaus von ihrer Rivalität. Noch lässt sich schwer einschätzen, ob er bewusst mit beiden spielt, seine früheren Entscheidungen bereut oder schlicht zu feige ist, eine klare Position einzunehmen. Unschuldig ist er auf keinen Fall. Ich hoffe deshalb, dass die Reihe die Verantwortung nicht allein bei Ran ablädt. Sie hat ihre Schwester betrogen, aber Ritsu wurde schließlich nicht gegen seinen Willen geheiratet.

Die Rivalität um einen Mann ist auch der Punkt, bei dem ich noch etwas skeptisch bin. Zwei Schwestern, die sich wegen desselben Mannes gegenseitig zerstören, ist kein besonders neuer Konflikt. Wenn sich die Geschichte zu stark auf mögliche Untreue und erotische Eifersucht konzentriert, könnte das schnell anstrengend werden. Im ersten Band funktioniert es für mich vor allem deshalb, weil die Probleme zwischen Jun und Ran viel früher begonnen haben. Ritsu hat ihre Beziehung nicht zerstört. Er war eher der Moment, in dem all die Wut endgültig explodierte.

Obwohl äußerlich noch gar nicht so viel geschieht, entwickelt der Band eine erstaunlich dichte Spannung. Viele Kapitel bestehen aus Gesprächen, Erinnerungen und kleinen Grenzüberschreitungen. Ein Blick dauert ein wenig zu lange, eine Bemerkung trifft eine alte Wunde oder jemand betritt im falschen Moment einen Raum. Das Haus wird dabei immer enger. Die drei Figuren können einander kaum ausweichen, und selbst scheinbar harmlose Situationen fühlen sich an, als könnte gleich jemand die Beherrschung verlieren. Stellenweise liest sich das fast wie ein Thriller, obwohl sich alles innerhalb eines recht alltäglichen Familiendramas abspielt.

Sehr geholfen hat mir dabei Battans Zeichenstil. Die Figuren haben markante Gesichter mit breiten Augenbrauen, stark betonten Augen und einem erwachsenen, sinnlichen Ausdruck. Auch die Körper wirken weniger gleichförmig als in vielen anderen Manga. Jun und Ran sehen nicht nur wegen ihrer Kleidung unterschiedlich aus; Haltung, Bewegungen und Mimik passen ebenfalls zu ihren Persönlichkeiten.

Besonders auffällig sind die Zigarettenrauchschwaden, die durch die Räume ziehen und sich teilweise über die Figuren und Panels legen. Sie geben den Gesprächen etwas Stickiges und Unruhiges. Dazu kommen Seiten, deren Aufteilung lockerer und beinahe chaotisch wird, sobald sich Gedanken und Gefühle überschlagen. Battan muss nicht jede Spannung über Dialoge erklären. Oft reicht ein Gesicht oder die Art, wie zwei Figuren zueinander im Raum stehen.

Fazit

Secondhand Sisters ist ein unangenehm fesselndes Familiendrama über zwei Schwestern, die einander seit Jahren bestrafen, ohne ihre eigentlichen Verletzungen auszusprechen. Wer liebenswerte Hauptfiguren oder eine versöhnliche Geschichte über schwesterlichen Zusammenhalt sucht, dürfte mit Jun, Ran und Ritsu wenig Freude haben. Wenn ihr dagegen komplizierte Erwachsene, alte Familienkonflikte und ziemlich ungesunde Beziehungen mögt, bietet der erste Band einen starken Auftakt. Ich möchte jedenfalls sehen, wie lange diese drei noch so tun können, als ließe sich ihre gemeinsame Vergangenheit unter einem Dach kontrollieren.

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