Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

Strange Pictures - Manga Rezension

Strange Pictures – Seltsame Bilder (Band 1)

[Anzeige, da Rezensionsexemplar]

Mit Strange Pictures startet ein Mystery-Horror-Manga, der ähnlich wie Uketsus anderes Werk auf ein langsam wachsendes Unbehagen setzt. Die Romanvorlage erschien in Japan im Oktober 2022 bei Futabasha. Seit März 2024 läuft im Magazin Manga Action unter dem Originaltitel Hen na E die Manga-Adaption, die von Kikou Aiba gezeichnet wird und bislang drei Bände umfasst. Autor Uketsu ist hierzulande bereits durch The Strange House bekannt, das bei Panini Manga erhältlich ist.

Neben der normalen Ausgabe gibt es von Band 1 ebenfalls eine Ausgabe mit Variant Cover (13€).

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Story: Uketsu | Zeichnungen: Akinoko | Originaltitel: Hen na E | Übersetzung: Katrin Stamm | Genre: Thriller | Verlag: Panini Manga | Preis: 8,99€ | der Manga auf der Verlagsseite

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Wie war’s?

Im Mittelpunkt von Strange Pictures stehen seltsame Zeichnungen, ein mysteriöser Blog, eine mögliche Familientragödie und die Frage, ob Bilder manchmal mehr verraten, als ihre Urheber eigentlich sagen wollten.

Die Ausgangslage ist zunächst reizvoll. Zwei Studenten, die sich für Okkultes, Übernatürliches und merkwürdige Fälle interessieren, stoßen auf einen Blog. Dieser scheint anfangs nur das Tagebuch eines werdenden Vaters zu sein. Doch zwischen den alltäglichen Einträgen tauchen Zeichnungen auf, die auf den ersten Blick harmlos wirken, bei genauerer Betrachtung aber immer unheimlicher werden. Je länger sich die Figuren mit diesen Bildern beschäftigen, desto stärker entsteht der Verdacht, dass sich hinter dem Blog eine verstörende Wahrheit verbirgt.

Parallel dazu wird eine zweite Geschichte eröffnet: Eine alleinerziehende Mutter versucht, Arbeit und Kindererziehung unter einen Hut zu bekommen. Ihr kleiner Sohn zeichnet auffällig viel, sei es auf Papier, auf Wände oder auf Möbel. Auch hier wirken die Zeichnungen zunächst wie eine kindliche Eigenart, doch schnell entsteht der Eindruck, dass mehr dahintersteckt. Ob und wie diese beiden Erzählstränge miteinander verbunden sind, bleibt im ersten Band noch offen.

Gerade dieses Konzept ist die größte Stärke von Strange Pictures. Zeichnungen als Rätsel zu verwenden, passt hervorragend zum Medium Manga. Man liest nicht nur Dialoge, sondern betrachtet die Bilder aktiv mit. Man sucht Details, vergleicht Darstellungen, fragt sich, ob eine Linie zufällig gesetzt wurde oder eine Bedeutung besitzt. Dadurch wird man direkt in die Ermittlungsarbeit hineingezogen. Der Manga funktioniert in diesen Momenten fast wie ein Puzzle.

Die Atmosphäre ist dabei angenehm zurückhaltend. Strange Pictures ist kein Horror, der mit Blut, Monstern oder plötzlichen Schockbildern arbeitet. Das Unheimliche entsteht aus kleinen Verschiebungen. Ein Bild wirkt nicht ganz richtig. Eine Erklärung klingt plausibel, aber zu glatt. Eine Figur zieht eine Schlussfolgerung, die gleichzeitig absurd und verstörend erscheint. Genau daraus entsteht diese stille Art von Horror.

Allerdings liegt hier auch ein Problem. Die Erklärungen und Spekulationen wirken stellenweise sehr konstruiert. Der Manga verlangt früh eine hohe Bereitschaft, seinen Gedankensprüngen zu folgen. Manche Schlussfolgerungen aus den Zeichnungen erscheinen weniger wie organische Detektivarbeit, sondern eher wie eine bewusst überkomplizierte Konstruierung.

Strange Pictures bewegt sich schon im ersten Band nahe an der Grenze zum Überzogenen. Einige Theorien sind spannend, aber nicht immer überzeugend. Das muss nicht zwingend ein Problem sein, wenn spätere Bände die losen Teile clever zusammenführen.

Gerade im ersten Band fällt auf, dass das Rätsel stärker trägt als die Figuren. Sasaki und sein Freund fungieren vor allem als Leserlenkung. Sie betrachten den Blog, interpretieren die Zeichnungen, stellen Theorien auf und führen uns durch den Fall. Als eigenständige Charaktere bleiben sie dagegen noch eher blass. Man möchte wissen, was hinter den Zeichnungen steckt, aber nicht unbedingt, weil die Figuren so packend wären. Der Manga funktioniert in erster Linie über sein Konzept. Das ist bei einem Mystery-Titel nicht automatisch schlecht, aber wenn die Figuren nur dazu dienen, Rätsel zu entschlüsseln, fehlt der emotionale Anker.

Im Vergleich zu ähnlichen Mystery-Konzepten von Uketsu, insbesondere The Strange House, erkennt man eine verwandte Erzählstruktur. Wieder gibt es scheinbar alltägliches Material – dort Grundrisse, hier Zeichnungen –, das durch Interpretation zu einem düsteren Rätsel wird. Wieder folgen Figuren kleinen Hinweisen und entwickeln daraus immer unheimlichere Theorien. Wer diese Art von konstruiertem Rätsel-Horror mag, wird sich schnell angesprochen fühlen. Wer bereits bei The Strange House fand, dass manche Schlüsse zu weit hergeholt waren, wird auch hier ähnliche Probleme haben.

Der erste Band liest sich trotz seiner vielen Dialoge recht schnell. Das liegt vor allem daran, dass die Neugier gut bedient wird. Ständig taucht ein neues Detail auf, eine neue Deutung, eine neue mögliche Verbindung. Der Manga besitzt einen Sog, auch wenn nicht alles überzeugt. Man will wissen, was wirklich passiert ist. Man will verstehen, ob die Zeichnungen tatsächlich Hinweise enthalten oder ob die Figuren sich in ihren Interpretationen verrennen.

Zeichnerisch ist Kikou Aibas Stil solide. Die Panels sind sauber, übersichtlich und gut lesbar. Gerade in den ruhigeren Szenen passt diese Klarheit, weil die Zeichnungen innerhalb der Geschichte dadurch stärker hervortreten. Gleichzeitig fehlt dem Artwork stellenweise eine eigene starke Atmosphäre. Die Zeichnungen sind nicht schlecht, aber sie wirken oft etwas blass.

Panini Manga bringt die Reihe im handelsüblichen Taschenbuchformat heraus. Als Extra liegt ein Artprint bei, der das Cover zeigt.

Fazit

Für den Auftakt bleibt daher eine vorsichtige Empfehlung. Das Konzept ist stark, die Atmosphäre funktioniert, und die Idee, Horror über Zeichnungen entstehen zu lassen, ist sehr passend für einen Manga. Gleichzeitig wirken Figuren und Emotionen noch zu dünn. Das Rätsel ist interessant, aber die Menschen dahinter bleiben bislang eher Werkzeuge der Handlung. Dadurch fehlt dem Band an manchen Stellen die Tiefe, die nötig wäre, um das Unbehagen auch emotional spürbar zu machen.

Wer Freude daran hat, Bilder zu analysieren und sich in Theorien zu verlieren, wird den Manga vermutlich gern weiterlesen. Wer dagegen eine klare, emotionale und realistisch aufgebaute Handlung sucht, könnte sich von den überkonstruierten Schlussfolgerungen und den noch blassen Figuren eher distanziert fühlen.

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Bei diesem Manga handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir freundlicherweise von Panini Manga zur Verfügung gestellt worden ist.

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