Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

Rezension Übel Blatt

Übel Blatt: Drivaltec (Band 1)

[Anzeige, da Rezensionsexemplar]

Erst im Juni 2020 fand bei KAZÉ Übel Blatt in der regulären Ausgabe sein Ende, nur kurz darauf erschien im November der erste Band der neuen Sammelbandausgabe Übel Blatt: Drivaltec. Diese soll in der Summe acht Bände umfassen, in denen jeweils drei Einzelbände zusammengefasst werden. Die Reihe erscheint monatlich und wird somit schon im Sommer 2021 wieder beendet sein.

In Japan erschien Übel Blatt über einen Zeitraum von 15 Jahren. Das Debüt feierte die Reihe im Dezember 2004 in der Young Gangan, in der die Reihe bis September 2009 lief. Nach einer zweijährigen Pause ab 2009 wurde die Serie ab August 2011 bis März 2019 bei Monthly Big Gangan weitergeführt. Bei der Japan Expo in Frankreich wurde die Serie 2008 mit dem Preis in der Kategorie Seinen ausgezeichnet.

Ich selbst habe schon häufiger einen Blick auf Übel Blatt geworfen, vor allem, weil ich zuletzt auch Freude an Berserk finden konnte. Gekauft habe ich die Reihe aber dann doch nie, weil sie schon eine ordentliche Länge aufzuweisen hatte. Die Sammeledition war so ein perfekter Zeitpunkt, um vielleicht doch noch in den Genuss der Dark-Fantasy-Reihe zu kommen, und ich entschloss mich, in Band eins reinzuschnuppern.

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Text/Zeichnungen: Etorouji Shiono | Originaltitel: Übel Blatt | Verlag: KAZÉ Manga | Kategorie: Seinen | Genre: Action, Fantasy | Preis: 19,99€ | in acht Bänden abgeschlossen | Mehr Informationen

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Inhalt

Im Jahr 3968 nach der göttlichen Schenkung wird Saalandien von den Armeen der Wischtech bedroht. Der Kaiser sendet daraufhin vierzehn tapfere Helden aus, welche den Feind besiegen sollten. Auf den Weg ließen drei Helden ihr Leben. Vier weitere sollen der Legende nach zum Feind übergelaufen sein und wurden zu den betrügerischen Lanzen. Die restlichen sieben sollten als die “Sieben Helden” bekanntwerden.

Zwanzig Jahre später macht ein Halbmensch Keinzell im Grenzgebiet auf sich aufmerksam, in dem er gegen die betrügerischen Lanzen kämpft und sie als Betrüger entlarvt. Doch sein Ziel ist noch viel größer: Er möchte sich an den sieben Helden rächen, nachdem diese in auf übelste Weise betrogen haben.

Wie war’s?

Wie bereits oben geschrieben, besteht der erste Band der neuen Omnibusausgabe aus den Bänden null bis zwei. Man bekommt also als Leser*in ziemlich viel Lesestoff serviert. Während Band null eher eine Art Vorgeschichte darstellt, geht es in Band eins mit der Handlung richtig los.

Im ersten Teil werden die Leser*innen in die Welt eingeführt, erfahren erste Details, was das Ziel des Protagonisten Keinzell ist. Auch nutzt der Mangaka diesen Band, um einige Nebenfiguren vorzustellen. Einen gelungenen Einstieg aber stellt dieser Band nicht da. Man hat zuweilen das Gefühl, als würde der Mangaka einfach zu viel auf einmal wollen. Die Handlung verläuft ziemlich schnell und es sind zu viele Figuren, um sie sich alle einzuprägen, zumal einige davon im späteren Verlauf auch einfach keine zentrale Bedeutung mehr zu haben scheinen. Während der Anfang der Geschichte noch etwas schleppend verläuft, wird es spätestens ab dem “ersten” Band besser, in dem sich der rote Faden immer mehr herauskristallisiert und alles etwas strukturierter zu verlaufen scheint. Auch nimmt das Erzähltempo zum Einführungsband ab. Gleichzeitig schafft der Mangaka es, sich auf weniger Figuren zu konzentrieren, die sich um Kleinzell versammeln. Wirklich an Tiefe gewonnen hat davon im ersten Sammelband vor allem Kleinzell. Über seine Geschichte und Gefühle erfahren die Leser*innen bereits einiges. Die Nebenfiguren bleiben im Vergleich etwas blasser und es bleibt hier auch abzuwarten, ob es sich nach einem Sammelband bereits von einigen wieder zu verabschieden gilt.

Die Grundhandlung von Übel Blatt ähnelt vielen anderen aus dem Bereich Dark Fantasy. Keinzell wurde von seinen Kameraden in einen Hinterhalt gelockt und auf brutale Weise in Stücke geschlagen. Diese Kameraden wurden später als die “sieben Helden” bekannt, nachdem sie die Geschichte rund um dieses Ereignis anders berichten, als es sich zugetragen hatte. Keinzell jedoch überlebt auf wundersame Weise und hat von nun an nur die große Rache als Ziel. Auch auf Action und Blut müssen die Fans des Genres nicht verzichten. Bereits in Band null geht es hoch her, wenn auch die Kampfszenen in der Summe abnehmen und es insbesondere im letzten enthaltenen Band der Omnibus-Fassung deutlich ruhiger zugeht.

Hervorzuheben gilt es in dieser Hinsicht auf den Erotik-/Fanservice-Charakter. In diesem Bereich ist die Reihe vor allem zu Beginn sehr überladen und es vergehen kaum Seiten, in denen man keine weibliche Figur nackt zu Gesicht bekommt. Ein Umstand, der nicht immer in die Handlung passt und der in den meisten Szenen einfach hätte anders dargestellt werden können. Im Verlauf des dicken Sammelbandes nimmt dies jedoch ab, wenn man auch im späteren Teil immer wieder mit Fanservice-Szenerien rechnen muss, die nicht immer gut in die Handlung eingebettet wurden.

Etorouji Shiono hat einen einfachen Zeichenstil und die wichtigsten Charaktere sind durchaus leicht auseinanderzuhalten, da sie sich in ihren Gesichtszügen und Staturen unterscheiden. Der Großteil der Panels hat gar keine Hintergründe oder Schattierungen, andere wiederum sind mit detaillierten Hintergründen versehen. Schwierig zu Folgen sind einige Kampfszenen. Es war manchmal nicht wirklich ersichtlich, was nun explodierte, woher ein Schuss kam und wo wer getroffen wurde.

In der Ausstattung des Bandes hat sich KAZÉ dazu entschlossen, den Band nicht in einem größeren Format herauszubringen, sondern bei dem üblichen Standardformat zu bleiben. Freunde von Ordnung im Mangaregal dürften sich bedanken, denn so kann man die Sammelbände ohne Größenunterschiede zu den anderen Titeln des Verlages räumen. In der Covergestaltung hat man sich zu einem minimalistischen, skizzenartigen Design entschieden, welches die Aufmerksamkeit auf jeden Fall auf sich lenkt.

Fazit

Übel Blatt: Drivaltec ist einer der bekannten Titel im Dark-Fantasy-Bereich, tut sich aber in den ersten Band schwer, mit den wirklichen großen Playern mitzuhalten. Die Handlung ist zwar brutal, wirkt aber zu weilen auch zu aufgesetzt, insbesondere was die übertriebene Nacktheit einiger Figuren angeht.
Wer sich schnell an Fanservice stört, der dürfte insbesondere am Auftakt des Bandes kaum Freude finden und den Manga genervt zur Seite legen. Auch werden zu viele, (bisher) unnötige Nebencharaktere eingeführt, so dass sich schnell der Blick für’s wesentliche zu verlieren scheint. Nachdem sich Übel Blatt fängt, bekommt man eine deutlich bessere Geschichte geliefert, wenn die Handlung in der Summe auch einfach gestrickt ist.

Ich selbst habe ich mich daher dazu entschlossen, zumindest noch Band zwei der Sammelband-Edition zu lesen, um mir ein besseres Bild zu verschaffen.

Fans von Dark Fantasy, die mit einer gradlinigen und einfachen Handlung zufrieden sind und Wert auf viel Action und Blut legen, die werden in Übel Blatt sicherlich auf ihre Kosten kommen.

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Bei diesem Manga handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir freundlicherweise von KAZÉ-Manga zur Verfügung gestellt worden ist. Vielen Dank dafür!

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