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Mangaka Oreco Tachibana hat sich international vor allem durch Promise Cinderella eine Fanbase verschafft. In den USA erscheint bei VIZ Media nun ihr aktuelles Werk “Firefly Wedding”.
In Japan erscheint die Reihe unter dem Namen “Hotaru no Yomeiri”. Die Serialisierung auf Shogakukans Ura Sunday Manga-Website und der MangaONE-App begann im Januar 2023. Stand März 2025 sind in Japan sieben Bände der Reihe veröffentlicht worden.

Story&Zeichnungen: Oreco Tachibana | Originaltitel: Hotaru no Yomeiri | Genre: Romance, Drama | Verlag: VIZ | Aktueller Preis bei Walt’s: 8,99€ (Stand: 20.05.2025) | Der Manga bei Walt’s Comic Shop

Wie war’s?
Oreco Tachibanas Manga “Firefly Wedding” entführt in ein historisches Japan zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Im Zentrum steht Satoko Kirigaya, eine junge Frau aus gutem Hause, die oberflächlich betrachtet alles besitzt: Schönheit, Bildung, einen ehrbaren Namen und die wohlwollende Zuneigung ihres Vaters. Doch Satoko lebt mit einer schweren Herzerkrankung, von der Ärzte überzeugt sind, dass sie ihr Leben früh beenden wird. Ihre familiäre Situation wird zusätzlich belastet durch die kühle Ablehnung ihrer Stiefmutter und die offene Feindseligkeit ihrer Halbschwester. Nur ihr Vater zeigt echte Zuneigung, doch auch seine Fürsorge äußert sich in traditionellen Bahnen, denn er möchte Satoko verheiraten, in der Hoffnung, so ihre Zukunft zu sichern. Dieses scheinbar schützende Familienbild beginnt zu bröckeln, als Satoko während eines Einkaufs entführt wird. Der Angriff stellt sich schnell als Attentat heraus, denn sie wurde nicht nur gekidnappt, sondern soll ermordet werden. Wer den Auftrag gegeben hat, bleibt zunächst im Dunkeln, doch die Ereignisse werfen einen düsteren Schatten auf das Bild der “ehrenhaften Familie”.
In dieser ausweglosen Lage trifft Satoko eine verzweifelte Entscheidung: Sie macht dem Attentäter einen Heiratsantrag. Shinpei Goto, ein junger Auftragsmörder, soll sie töten, doch sie bietet ihm stattdessen Ehe und damit möglicherweise ein besseres Leben. Was auf dem Papier wie eine kühne, romantisierte Rettung klingt, ist in Wahrheit ein taktischer Zug, geboren aus nacktem Überlebenswillen. Satoko kennt ihre gesellschaftliche Rolle, weiß um ihren Marktwert als adlige Frau, und nutzt ihn, um Zeit zu gewinnen. Shinpei ist zunächst skeptisch, doch als er miterlebt, wie Satoko sich gegen seine brutalen Komplizen zur Wehr setzt, beginnt er, sich zu verändern. In dieser neuen Konstellation entsteht ein fragiles Bündnis, das weniger auf Vertrauen als auf gegenseitiger Notwendigkeit beruht.
Was diese Geschichte besonders macht, ist der Kontrast zwischen Satokos innerer Stärke und der brutalen Umgebung, in der sie sich behaupten muss. Die Protagonistin entwickelt sich im Laufe der Kapitel von einer passiven, pflichtbewussten Tochter zu einer Frau, die beginnt, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Ihre Intelligenz, ihr Mut und ihre Fähigkeit, auch in Extremsituationen einen klaren Kopf zu bewahren, machen sie zu einer der stärkeren Shojo-Heldinnen der letzten Jahre. Im Gegensatz dazu wirkt Shinpei zunächst irritierend deplatziert. Sein Verhalten ist launenhaft, oft naiv, mitunter sogar kindlich, was nicht zu seiner Rolle als Auftragsmörder passen will. Wer hier einen kalten, kontrollierten Killer erwartet, wird enttäuscht. Stattdessen erscheint er als ein junger Mann, der emotional verkümmert ist und erst durch Satokos Einfluss beginnt, seine Rolle zu hinterfragen. Diese ungewöhnliche Dynamik zwischen den beiden Hauptfiguren sorgt für Spannung, kann aber ebenso befremdlich wirken, da sie die Grenzen zwischen Schutz, Kontrolle und Manipulation verschwimmen lässt.
Erzählerisch bewegt sich der Manga zwischen Tragik und Komik, was stellenweise funktioniert, aber nicht immer stimmig ist. Gerade in Momenten, in denen Satoko um ihr Leben fürchtet oder Gewalt angedeutet wird, wirken die humorvollen Einsprengsel unpassend und mindern die emotionale Wucht der Szene. Besonders problematisch ist die Darstellung der zentralen Beziehung. Es braucht es ein gewisses Maß an kritischer Distanz, um die Handlung nicht rein romantisch zu lesen.
Auch wenn das narrative Ziel nicht unbedingt eine klassische Romanze sein muss, bewegt sich Firefly Wedding nah an der Grenze zur Romantisierung toxischer Verhältnisse. Die Machtasymmetrie zwischen Satoko und Shinpei ist deutlich, und auch wenn Satoko klug und stark agiert, bleibt sie letztlich abhängig von einem Mann, der ursprünglich damit beauftragt war, sie zu töten. Firefly Wedding erzählt keine märchenhafte Liebesgeschichte, sondern eher ein Überlebensdrama mit romantischer Tarnung.
Auf visueller Ebene liefert der Manga ein durchaus beeindruckendes Spektrum. Einige Seiten, besonders in emotionalen Schlüsselmomenten, sind sehr detailliert und atmosphärisch stark. Andere wirken hingegen hastig gezeichnet oder weniger sorgfältig komponiert, was dem Gesamteindruck ein wenig schadet. Dennoch ist Tachibanas Stil einprägsam, mit ausdrucksstarken Gesichtern und dynamischer Panelstruktur, die das Tempo der Handlung gut unterstützt.
Von VIZ Media wird der Titel im handelsüblichen Taschenbuchformat des Verlags herausgebracht. Farbseiten gibt es keine.
Fazit
Insgesamt liefert “Firefly Wedding” einen Einstieg, der noch nicht genau zu wissen scheint, ich welche Richtung es gehen soll und ob sie Drama, Gesellschaftskritik oder düstere Romanze sein will. Der erste Band stellt viele Fragen, wirft moralische Dilemmata auf und verzichtet bewusst auf einfache Antworten. Die Heldin überzeugt, der männliche Gegenpart bleibt ambivalent, aber in vielen Aspekten problematisch.
Ob die Serie ihr Potenzial entfalten kann, wird sich in den Folgebänden zeigen. Potential wäre auf jeden Fall vorhanden.

Der Manga wurde mir freundlicherweise von Walt’s Comic Shop zur Verfügung gestellt. Die Kooperation hat wie immer keinerlei Einfluss auf meine Meinung zu dem Titel. Walt’s Comic Shop gehört zu den größten Online-Shops für US-Comics in Europa und ist in Berlin ansässig. Der Shop bietet eine breite Palette von Comics, Manga und Graphic Novels in englischer Sprache an.
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