[Anzeige, da Rezensionsexemplar]
Panini Manga hat seinen Boys-Love-Bereich in den vergangenen Programmen deutlich ausgebaut. Mit The Coffeeshop Owner Knows Nothing About Love kommt nun ein weiterer Titel hinzu. Die Kapitel des Einzelbands erschienen zwischen April 2021 und Januar 2022 unter dem Originaltitel Master wa Koi wo Shiranai beim moment-Label von ShuCream. Die Printausgabe folgte wenig später beim Verlag Takeshobo. Für Mangaka Io Amaki markiert der Band zugleich ihr Debüt auf dem deutschen Markt.

Story & Zeichnungen: Io Amaki | Originaltitel: Master wa Koi wo Shiranai | Übersetzung: Dorothea Überall | Genre: Boys Love | Verlag: Panini Manga | Preis: 8,99€ | der Manga auf der Verlagsseite

Wie war’s?
Natsuki führt das kleine Café seines Vaters weiter. Es ist kein großer, moderner Laden, sondern ein Ort mit persönlicher Geschichte. Doch genau dieser Ort ist durch ein großes Sanierungsprojekt bedroht. Die Einkaufsstraße, in der sich Natsukis Laden befindet, soll umgestaltet werden. Akutsu, ein erfolgreicher Immobilienunternehmer, ist an diesem Projekt beteiligt und wird zu einem regelmäßigen Gast in Natsukis Café.
Damit beginnt eine Boys-Love-Geschichte, die zunächst mit einem Gegensatz arbeitet. Auf der einen Seite steht Natsuki, der zurückhaltende Cafébesitzer, der an seinem vertrauten Ort festhält und den Veränderungen mit Misstrauen begegnet. Auf der anderen Seite steht Akutsu, ein selbstbewusster Mann im Anzug, der beruflich genau jene Entwicklung vorantreibt, die Natsukis Zuhause und Lebensgrundlage gefährdet. Dass zwischen diesen beiden Figuren dennoch Anziehung entsteht, ist der zentrale Konflikt des Bandes.
Der Ausgangspunkt besitzt durchaus Potenzial. Ihre Begegnungen tragen zunächst eine natürliche Spannung in sich. Man versteht, warum Natsuki ihm nicht sofort offen begegnet. Akutsu ist nicht einfach nur ein attraktiver Stammkunde, sondern jemand, dessen Arbeit direkten Einfluss auf Natsukis Zukunft haben könnte.
Gleichzeitig ist der Manga deutlich stärker an der romantischen und erotischen Entwicklung der beiden interessiert als an der gesellschaftlichen Thematik. Der Wandel des Viertels bilden zwar den Hintergrund, werden aber nicht so ausführlich oder intensiv behandelt, wie es möglich gewesen wäre. Der Konflikt schwebt lange über der Handlung, verliert aber zwischendurch an Gewicht. Gerade weil die Ausgangslage so viel hergibt, ist es etwas schade, dass dieser Handlungsstrang eher sanft mitläuft, statt wirklich Druck aufzubauen.
Dadurch verspricht der Manga für mich mehr, als er am Ende bietet. Die Geschichte beginnt mit einer klaren Spannung zwischen persönlichem Erbe und geschäftlicher Modernisierung, konzentriert sich dann aber stark auf das erotische Knistern zwischen den Figuren. Das ist nicht grundsätzlich falsch, verschiebt aber den Schwerpunkt.
Natsuki ist unsicher, neugierig und offensichtlich unerfahren. Akutsu erkennt diese Unsicherheit und bietet ihm eines Abends an, es mit ihm auszuprobieren. Aus dieser Situation entsteht eine heimliche körperliche Beziehung, die für Natsuki zunächst schwer einzuordnen ist. Er hat keine Erfahrung mit Liebe, Beziehung oder Sexualität und weiß nicht, wie er seine Gefühle verstehen soll. Ist es nur körperliche Anziehung? Ist es Neugier? Oder steckt mehr dahinter?
Diese Unsicherheit ist ein wichtiger Bestandteil des Bandes. Natsuki ist kein souveräner Protagonist, der genau weiß, was er will. Vielmehr wird er als jemand gezeigt, der sich vorsichtig an die eigene Sexualität, an Nähe und an Verlangen herantastet. Akutsu nimmt dabei die aktivere Rolle ein. Er ist der klassische undurchsichtige Gegenpart, der nach außen kühl und kontrolliert erscheint, aber nach und nach weichere Seiten zeigt.
Dennoch bleibt die emotionale Entwicklung insgesamt etwas oberflächlich. Die Gefühle der beiden Protagonisten werden zwar abgebildet und in körperlichen Szenen deutlich angedeutet, aber nicht immer vollständig greifbar. Gerade Natsukis innerer Konflikt hätte mehr Raum verdient. Seine Unerfahrenheit, seine Bindung an das Café, seine Sorge um die Zukunft und seine wachsenden Gefühle für Akutsu hätten sich gegenseitig stärker beeinflussen können. Stattdessen wirkt manches eher schnell abgehandelt.
Auch Akutsu bleibt als Figur etwas blass. Warum er Natsuki so regelmäßig besucht, was ihn wirklich an ihm fasziniert und wie er selbst mit dem Konflikt zwischen Beruf und Beziehung umgeht, wird zwar angerissen, aber nicht so tief entwickelt, dass er vollständig greifbar wird.
The Coffeeshop Owner Knows Nothing About Love möchte vor allem eine süße, sinnliche und leicht zugängliche Geschichte erzählen. Als solche funktioniert der Band stellenweise durchaus. Wer eine eher unkomplizierte Romance mit erwachsenen Figuren, etwas Erotik und einer sanften Atmosphäre sucht, kann hier gut unterhalten werden.
Zeichnerisch macht der Manga einen soliden Eindruck. Der Stil ist weich, klar und hübsch anzusehen. Die Figuren sind attraktiv gezeichnet, die intimen Szenen funktionieren, und die Atmosphäre bleibt durchgehend sanft.
Die Erotik nimmt spürbar Raum ein, ohne dass die Geschichte dadurch völlig auf körperliche Szenen reduziert wird. Trotzdem liegt der Fokus stärker auf Anziehung und gegenseitigem Erkunden als auf einer ausführlichen emotionalen Auseinandersetzung. Das kann je nach Erwartung positiv oder negativ sein. Für eine kurze, sinnliche BL-Lektüre erfüllt der Band seinen Zweck. Für eine tiefere Geschichte über Liebe, Verantwortung und den Erhalt eines Familiencafés bleibt er etwas zu dünn.
Panini Manga veröffentlicht den Band in seinem handelsüblichen Taschenbuchformat. Als Extra gibt es einen Artprint, der das Cover abbildet.
Fazit
Insgesamt ist The Coffeeshop Owner Knows Nothing About Love ein solider, aber nicht außergewöhnlicher Boys-Love-Band. Die Grundidee ist charmant, das Café-Setting angenehm und die Dynamik zwischen Natsuki und Akutsu besitzt durchaus Knistern. Gleichzeitig bleibt die Handlung etwas zu glatt und die emotionale Tiefe begrenzt. Der Manga liest sich angenehm zwischendurch, hinterlässt aber keinen besonders starken Nachhall.
Der Band eignet sich vor allem für diejenigen, die ruhige, süße und sinnliche BL-Geschichten mögen. Wer dagegen ein stärkeres Drama erwartet, könnte etwas mehr Substanz vermissen. Die Zutaten waren meiner Meinung vorhanden, aber sie werden nicht alle vollständig ausgearbeitet.

Bei diesem Manga handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir freundlicherweise von Panini Manga zur Verfügung gestellt worden ist.



