Mit Der Traum von Olympia habe ich zuletzt mal wieder einen westlichen Comic gelesen. Erzählt wird vom Berliner Comiczeichner Reinhard Kleist die Geschichte vom Fluchtversuch der somalischen Leichtathletin Samia Yusuf Omar.

Ich habe diesen Comic gewählt, da mich der Titel sehr angesprochen hat und ich auch schon von Samia Yusuf Omars traurigem Schicksal gehört hatte. Herausgebracht wurde die Graphic Novel von Carlsen im Jahr 2017. 2018 wurde der Titel mit dem Max und Moritz-Preis in der Kategorie “Bester deutschsprachiger Comic-Künstler” ausgezeichnet.
Der Band erzählt die Geschichte von Sprinterin Samia Yusuf Omar. Sie vertrat Somalia bei den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking. In ihrer Heimat wurde sie daraufhin jedoch bedroht, weil eine Frau keinen Sport treiben sollte. Die junge Frau aber wollte für ihren Traum kämpfen, auch an den Spielen 2012 in London teilzunehmen, und entschied sich für eine gefährliche Flucht nach Europa, welches sie nie betreten sollte. Samia Yusuf Omar ertrank 2012 im Alter von nur 21 Jahren vor der Küste Maltas im Mittelmeer.

Wie war’s?

Der Traum von Olympia ist eine Geschichte, bei der der Leser schon von Beginn weiß, dass es kein gutes Ende für die Protagonistin nehmen wird, da die Handlung auf realen Ereignissen beruht. Der Leser wird mit ihrer ersten Teilnahme bei den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking in die Handlung eingeführt. Wir sehen ihrer Familie dabei zu, wie sie ihren Vorlauf im Sprint über die 200 Meter im Fernsehen verfolgen. Sie fällt auf, mit ihrem viel zu weiten Klamotten neben den durchtrainierten Frauen und hautengen Trikots. Samia Yusuf Omar schafft zwar eine neue persönliche Bestzeit, kommt aber als Letzte ins Ziel. Dennoch hat sie weiter den Traum vom professionellen Sport und fasst bereits die Teilnahme bei den Spielen 2012 in London ins Auge.

Doch in ihrer Heimat stößt sie auf Widerstand, Gewalt und Terror. Fundamentalisten bedrohen sogar das Leben der jungen Frau. Samia Yusuf Omar flüchtet zunächst in das Nachbarland Äthiopien, aber auch als dort ihre sportliche Karriere vor dem Ende zu stehen scheint, sieht sie nur noch einen Ausweg: Sie möchte über das Mittelmeer nach Europa fliehen.

Reinhard Kleist gelingt es, die Geschichte von Samia Yusuf Omar mit sehr viel Einfühlungsvermögen zu beschreiben und bleibt dabei so nah wie möglich an den realen Begebenheiten. Er baut Posts ihres Facebookprofils und SMS in den Panels ein und nutzt diese als eine zweite Erzählebene. Reiseabschnitte, für die er keine Belege findet, versucht er, anhand von Schilderungen anderer Flüchtlinge zu rekonstruieren. Dadurch wird die Geschichte sehr realitätsnah erzählt. Man ist von der ersten Seite an ganz nah an der Protagonistin dran, spürt ihre Liebe zum Sport und den Wunsch nach Freiheit.

Die Zeichnungen sind von starken Kontrasten gekennzeichnet und bestehen aus kräftigen Linien. Kleist gelingt es, die Gefühlslagen und die Emotionen der Figuren gut abzubilden, und reißt den Leser auch hier schnell mit.

Fazit & Bewertung

Samia Yusuf Omar war einer der Exoten bei Olympia 2008 und erweckte damit das Aufsehen vieler. Doch schnell verschwand die junge Dame wieder in der Versenkung und erst bei Olympia 2012 sollte ihr Name wieder fallen, als bekannt wird, dass die junge Sportlerin auf ihrem Weg nach Europa im Meer ertrank.

Mit seinem Comic ist Reinhard Kleist gelungen, ihr ein literarisches Denkmal zu bauen, aber auch ihre Geschichte als Erinnerung für all die anderen Flüchtlinge zu erzählen, die bei der waghalsigen Flucht über das Mittelmeer ihr Leben ließen, als sie dem Traum eines besseren Lebens nachjagten.

Der Traum von Olympia ist im umfassenden Katalog der Online-Comic-Plattform izneo enthalten. Auf Izneo findest du ein großes Angebot an europäischen & amerikanischen Manga, Graphic Novels sowie Comics, welche du über verschiedene Endgeräte, wie Smartphone, Tablet oder sogar die Nintendo Switch lesen kannst. Dort, wie auch hier unter dem Beitrag, steht euch auch eine kostenlose Leseprobe zur Verfügung. So könnt ihr in Ruhe in den Titel hereinschnuppern.

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