Arte Band 1 - Rezension

Arte von Kei Ohkubo verspricht dem Leser eine neue Handlung rund um eine junge Adelige, die nichts sehnlicher möchte, als Künstlerin zu werden. Ein steiniger Weg, denn Arte lebt in einem Zeitalter, welches Frauen intellektuelle wie künstlerische Fähigkeiten absprach.

Mit Arte lizenziert Carlsen Manga einmal mehr einen Manga auf dem deutschen Markt, der historisch angehaucht ist. Die in Japan schon 13 Bände umfassende und noch laufende Reihe dreht sich um die titelgebende Heldin Arte und die Kunstwelt der Renaissance. Arte ist gleichzeitig das Debütwerk von Mangaka Kei Ohkubo.

ECKDATEN ZUM MANGA

Text & Zeichnungen: Kei Ohkubo
Originaltitel: Arte
Zielgruppe: Seinen | Genre: Historisch, Drama, Slice of Life, Romance
Verlag: Carlsen
Preis
: 10,00 € | Großformat

Weitere Information & Leseprobe

Worum geht’s?

Arte ist eine junge Adlige und obwohl ihr Weg vorbestimmt zu sein scheint, möchte sie sich davon nicht unterkriegen lassen. Arte liebt Kunst und sie ist bereit, alles aufzugeben, damit sie Malerin werden kann. Schnell aber muss sie feststellen, dass dieser Weg steiniger werden wird, als sie glaubt, denn Frauen in der Kunst scheinen undenkbar.

Wie war’s?

Schon der Klappentext lässt vermuten, dass Arte keineswegs mit einer Geschichte daherkommt, die es auf den Mangamarkt Deutschlands zu genüge gibt, sondern etwas Frisches, Neues bietet.

Dass es um Kunst geht, das ist aber nicht wirklich neu und scheint gerade wieder im Trend zu sein, wenn man sich die vergleichsweise vielen westlichen Lizenzierungen in diese Richtung ansieht. Nein, neu ist der zusätzliche historische Aspekt. Arte spielt im Florenz des 16. Jahrhunderts und bietet den Leser einen Blick auf die Renaissance sowie auf eine spannende Randerscheinung: Frauen in der Kunst.

Wer sich ein wenig mit der Historie jener Zeit auseinandersetzt, weiß, dass es zwar durchaus Künstlerinnen gegeben hat, die aber nur eine seltene Ausnahme waren. Künstlerinnen, die bis heute kaum Bekanntheitsgrad haben. An dieser Stelle setzt der Mangaka an. Arte kommt aus gutem Hause und nach dem Tod ihres Vaters ist ihre Aufgabe von der Mutter klar definiert: Arte muss eine gute Partie machen, einen Mann finden, der viel Geld hat, damit das Überleben der Familie gesichert ist. Denn eine Frau hatte in jener Zeit keinen Wert, konnte ohne einen Mann an ihrer Seite nur wenig erreichen. Arte aber sieht darin nicht ihr Glück und setzt sich in den Kopf, Künstlerin zu werden. Mit viel Glück kommt sie bei dem Meister Leo unter, der der Einzige zu sein scheint, der über die damalige “Definition” der Frau hinwegblickt.

Man bekommt im ersten Band das Gefühl, als hätte sich der Mangaka hier wirklich mit der damaligen Zeit auseinandergesetzt. Das historische Setting ist nicht nur Mittel zum Zweck, sondern wirklich gut durchdacht und realistisch dargestellt. Arte stößt auf ihrer Reise zur Künstlerin immer wieder auf das tiefe Misstrauen ihrer Zeit, welche Frauen intellektuelle und künstlerische Fähigkeiten absprach. Selbst in ihrem eigenen Hause lässt sich das sehen, als wir in Rückblenden erfahren, dass ihre Mutter völlig dagegen war, dass sie überhaupt Kunstunterricht erhielt. Auch verbrennt sie Artes Werke mit dem Kommentar, dass die Männer auf ein solches Hobby ablehnend reagieren würden. Auch als Arte auf der Suche nach einem Lehrmeister ist, wird die Hürde deutlich: Niemand schaut ihre Bilder überhaupt an, nur weil sie eine Frau ist und nicht weil sie kein Talent hat. Kunsthandwerk, das ist nichts für Frauen.

Auf der anderen Seite aber erlebt man auch, wir damals Kunst überhaupt geschaffen wurde. Wie eine Leinwand entstand oder aber, wie einige Künstler heimlich bei Leichenobduktionen zuschauten, um die Proportionen und den Aufbau des menschlichen Körpers besser zeichnen zu können. Damit greift der Mangaka auf eins der wichtigen Merkmale der Renaissance zurück, denn zum ersten Mal wird die anatomische Korrektheit des menschlichen Körpers für die Künstler bedeutend.

Einzig auf die Zugabe von Romantik hätte ich verzichten können oder zumindest im ersten Band. Für mich wäre es nicht von Nöten gewesen und die Unbeholfenheit Artes in dieser Sache war für mich auch leider klischeebehaftet. Wie die Brustschmerzen, die sie nicht zuordnen kann.

Die Charaktere sind bisher gut getroffen. Kei Ohkubo stellt im ersten Band insbesondere Arte in den Fokus und wir lernen ihre Charakterzüge und Ziele kennen. Daneben nimmt Leo viel Platz ein, über den wir durch einen kurzen Rückblick auch ein bisschen erfahren, ich würde mich aber freuen, wenn es noch etwas mehr in die Tiefe geht. Bisher ist er vor allem Typ: Harte Schale, weicher Kern. Es gibt aber Entwicklungspotential. Es gibt auch einige Nebencharaktere, die aber bisher alle einem Zweck dienten und nicht nur sinnloses Beiwerk waren.

Arte schafft es, nicht nur durch die Story den Leser schnell in den Bann zu ziehen, sondern auch durch den Zeichenstil. Kei Ohkubo hat einen sehr detaillierten Stil, was sowohl Charaktere als auch Gebäude angeht. Man fühlt sich sofort in das Florenz des 16. Jahrhunderts hineinversetzt und schlendert mit Arte durch die Straßen eines belebten Künstlerviertels der Stadt. Jedes Detail scheint zu stimmen, von den Hintergründen bis hin zur Kleidung der vergangenen Zeit.

Für die Aufmachung hat sich Carlsen Manga für ein Großformat entschieden, was sich angesichts der detaillierten Zeichnungen als die richtige Wahl herausstellt. Darüber hinaus wurden ein eher dunkleres Papier und eine Art Pappumschlag gewählt, der dem ganzen einen besonderen Touch geben soll.

Fazit & Bewertung

Arte legt mit Band eins einen starken Start hin und kann mit einer realistischen Darstellung und Erzählweise überzeugen. Einzig der romantische Anteil der Story hätte für mich im ersten Band noch nicht so deutlich sein müssen, war aber nur ein kleiner Wermutstropfen.

Die Handlung schreitet nicht zu hektisch voran und dürfte vor allem für Fans des Slice-of-Life-Genres ein guter Griff sein. Ich zumindest habe Band eins der historischen Künstlerinnen-Reihe genossen und bin gespannt, wohin Artes Weg im Folgeband führen wird.

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