Arte Band 2 - Rezension

Arte von Kei Ohkubo spielt in der Renaissance und begleitet eine junge Adelige auf ihren Weg, eine anerkannte Künstlerin zu werden. Ein steiniger Weg, denn Arte lebt in einem Zeitalter, welches Frauen intellektuelle wie künstlerische Fähigkeiten absprach.

Nachdem mir Band eins von Arte wirklich zugesagt hatte, war für mich schnell klar, dass auch Band zwei der Reihe in mein Regal wandern muss. In Japan läuft die Reihe noch und hat inzwischen 13 Sammelbände. Der Manga ist gleichzeitig das Debütwerk von Mangaka Kei Ohkubo.

Carlsen Manga bringt den Titel über eine starke Frau, die ihren Weg geht, im Großformat heraus, wodurch die detaillierten Zeichnungen noch mehr Aussagekraft erhalten.

In der Rezension versuche ich, auf große Spoiler zu verzichten, bedenkt aber bitte, dass ich manchmal auch wichtige Teile der Handlung erzählen muss, um meine Meinung verständlich zu reflektieren. Wollt ihr sicher gehen, nicht gespoilert zu werden, interessiert euch aber für die Reihe, schaut in meine Rezension zu Band eins rein.

ECKDATEN ZUM MANGA

Text & Zeichnungen: Kei Ohkubo
Originaltitel: Arte
Zielgruppe: Seinen | Genre: Historisch, Drama, Slice of Life, Romance
Verlag: Carlsen
Preis
: 10,00 € | Großformat

Weitere Information & Leseprobe

Worum geht’s?

Arte steht vor ihrem ersten großen Auftrag und soll ein Porträt für eine wichtige Kundin des Ateliers machen. Dabei heißt es für sie stetig dazulernen und Hürden zu überwinden, sei es persönlich oder beruflich. Aber nicht nur für Arte heißt es hart schuften, um in der von Männern dominierten Welt einen Funken Anerkennung zu finden, auch andere Frauen müssen bis an ihre körperlichen Grenzen gehen, um ihre Ziele zu erreichen.

Wie war’s?

In dem zweiten Band von Arte geht es viel um den Wert eines Menschen. Die Mangaka rückt Berufe in den Fokus, die zu jener Zeit als niedrige Berufe oder unehrliche, sündenhafte Tätigkeiten galten. Wir erfahren so beispielsweise etwas über das Schicksal, welches einer Kurtisane drohen könnte, die einzig von den Wohltaten ihrer Kunden lebt und noch dazu ihre komplette Familie ernähren muss.

Auch geht es um das soziale System. Mit dem Blick auf Angelos Familie, wird klar, wie hart das Leben für die unteren Schichten zu jener Zeit war. Die Familie ist sehr Kinderreich, hat aber vor allem viele Töchter. Da sie nicht viel Vermögen haben, werden die jüngeren Schwestern keine Mitgift erhalten können, da die Familie bereits vor der Armut steht, um eine gute Ehe der anderen Töchter zu gewährleisten.
Auch wenn es im Manga nicht explizit erwähnt ist, so ist die Mitgift zur damaligen Zeit vor allem ein Mittel gewesen, um zu verhindern, dass vom niedrigen Stand in einen höheren hineingeheiratet werden konnte. Denn die Höhe der Mitgift war auch vom Vermögen des Gatten abhängig. Somit bleibt für diese Töchter nur eine Heirat in eine ebenfalls arme Familie.

Ein ähnliches Schicksal erleidet auch ein Mädchen, welchem Arte flüchtig begegnet. Sie stammt aus einer Bauernfamilie, die ebenfalls keine Mitgift stellen kann. Das Mädchen beginnt von klein auf für einen Hungerlohn zu schuften und muss dazu noch zusehen, wie die guten, gewinnbringenden Aufträge an die Männer gehen, weil man den weiblichen Bediensteten diese Arbeiten nicht zutraut.
Mit diesen Einzelschicksalen stellt die Mangaka sehr gut die damaligen Verhältnisse dar und rückt vor allem die Abhängigkeit der Frauen in den Mittelpunkt. Viele Frauen in einer Familie waren oft ein Risiko für Armut, da für die Verheiratung eine Mitgift aufgetrieben werden musste. Wie in der Geschichte des Bauernmädchens anklingt, wünschten sich vor allem ärmere Familien aus diesem Grund Jungen, da Töchter eine finanzielle Belastung mit sich brachten.

Gut umgesetzt ist auch, dass Ohkubo immer wieder zeigt, dass Kunst zur damaligen Zeit eben ein reines Handwerk war und anders ausgeübt wurde als in der heutigen Zeit. Es gab große Werkstätten, mit zahlreichen Lehrlingen. Auch geht es um mehr als nur schön malen zu können. Dies wird zum Ende deutlich, als Arte und Leo einen Vertrag nachverhandeln möchten, da dieser kaum Verdienst einbringen würde.

Arte stellt sich diesen Hürden mutig in den Weg, wenn sich auch ein gewisses Muster einstellt. Bislang ist jeder Mann, dem sie sich entgegenstellt, ihrem Arbeitseifer schließlich erlegen und in seiner zuvor bezogenen Position eingeknickt. Hier wird spannend zu sehen sein, wie die Mangaka in den kommenden Bänden mit solchen Situationen umgehen wird.

Über diesen Band kann man Arte als Person wachsen sehen. Auch wenn sie weiterhin eine gewisse Naivität besitzt, arbeitet sie daran, immer unabhängiger zu werden, und als eigenständige Frau wahrgenommen zu werden. Sie möchte keine leichteren Aufgaben, oder dass man auf sie Rücksicht nimmt wegen ihres Geschlechts. Ihre Verliebtheit aus dem ersten Band greift die Mangaka zwar auf, entscheidet sich aber für einen sehr guten Weg, diese Situation zu lösen. Während Arte zunächst nicht weiß, wie sie mit diesen neuen Gefühlen umgehen soll, versteht sie durch Gespräche mit Mitmenschen sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren und die Romantik rückt in den Hintergrund.

Kei Ohkubo hat einen sehr detaillierten Zeichenstil, was sowohl Charaktere als auch Gebäude angeht. Der Leser fühlt sich, in das Florenz des 16. Jahrhunderts hineinversetzt. Jedes Detail scheint zu stimmen, von den Hintergründen bis hin zur Kleidung der damaligen Zeit.

Fazit & Bewertung

Für mich konnte der zweite Band von Arte lückenlos an den ersten Band der Reihe anschließen. Es gefällt mir sehr, wie die Mangaka das Leben der Frauen in der Renaissance hervorhebt und auch über das Kunsthandwerk hinausblickt. Wenn es etwas zu bemängeln gäbe, dann das doch wiederkehrende Muster von Gegenwehr und späterer Einsicht. Hier würde ich mir auf Dauer mehr Abwechslung wünschen.

Insgesamt bin ich schon sehr gespannt, wohin der im letzten Kapitel eröffnete Erzählstrang führt und freue mich bereits auf Band drei der Reihe.

Weitere rezensierte Bände der Serie:
Band 1

Vielen Dank an Carlsen für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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