Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

Asadora! (Band 1) - Manga Rezension

Asadora! (Band 1)

[Anzeige, da Rezensionsexemplar]

Asadora! ist die neueste Serie von Mangaka Naoki Urasawa. Die meisten dürften Naoki Urasawa wohl vor allem durch Thriller und Sci-Fi-Werke wie Monster, 20th Century Boys und Billy Bat kennen.

Wie viele seiner Werke ist auch Asadora! voller Geheimnisse und beleuchtet die Notlage alltäglicher Menschen, die, obwohl sie gewöhnlich sind, bemerkenswerte Dinge tun. Asadora! erscheint auf den japanischen Markt seit dem Oktober 2018 im Seinen-Magazin Big Comic Spirits, in dem bereits andere Werke des Mangakas veröffentlicht wurden. Aktuell sind sechs Bände auf dem japanischen Markt erschienen.

In Deutschland sicherte sich Carlsen Manga die Lizenz.

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Story&Zeichnungen:  Naoki Urasawa  | Originaltitel: Asadora! | Übersetzung: Miyuki Tsuji| Genre: Drama | Demografische Zielgruppe: Seinen| Verlag: Carlsen Manga | Preis: 12,00 € | Weitere Informationen zum Titel

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Wie war’s?

Asadora! beginnt mit einer Andeutung zukünftiger Ereignisse in Tokio, springt aber schnell ins Jahr 1959 zurück, um uns die Geschichte von Asa und ihrem Leben in der Stadt Port Nagoya zu erzählen. Dort lebt sie mit ihrer großen und immer noch wachsenden Familie. Da sie eines von vielen Kindern ist, wird sie von den Stadtbewohnern ständig mit dem falschen Namen angesprochen. Dadurch fühlt sie sich nicht nur von ihrer eigenen Familie, sondern auch von der Stadt vergessen. Die einzige Person, die sie beim richtigen Namen nennt, ist Shota, der in der Mittelschule ist und dessen Traum es ist, bei Olympischen Spielen teilzunehmen.

Während ihre Mutter in den Wehen liegt, rennt Asa durch die Stadt, um inmitten eines Taifuns einen Arzt zu finden. Auf dem Heimweg sieht Asa einen Einbrecher, der den Tatort verlässt. Asa nimmt die Verfolgung auf und lässt dem Einbrecher keine andere Wahl, als sie zu packen und an einen abgelegenen Ort zu bringen.

Der Einbrecher Kasuga, glaubt fälschlicherweise, dass Asa mit dem örtlichen Arzt verwandt ist, aber Asa korrigiert ihn: Sie habe nur einen Regenmantel von ihm geliehen bekommen. Kasuga erklärt daraufhin, dass er zum ersten Mal einen Einbruch begeht. In seinem früheren Leben war er während des Zweiten Weltkrieges bei der Luftwaffe. Er beschließt, sich zu stellen, doch der Taifun wird immer stärker und die beiden müssen sich zusammentun, um zu überleben.

Urasawa lädt die Leserschaft mit Asadora! in ein menschliches Drama ein, welches mit mysteriösen Elementen gefüllt ist und auch einen Touch von Supernatürlichen zu haben scheint. Im ersten Band gibt es neben der Eröffnungssequenz weitere Seiten, in denen übernatürliche Elemente behandelt werden, noch aber hüllt sich Urasawa darüber in Schweigen. Dennoch bietet der erste Band genug Drama und liefert einen Blick in das historische Japan.

Urasawa blickt auf das Japan der Nachkriegszeit und die Auswirkungen, die der Krieg immer noch auf die Figuren hat. Und das wird nicht nur durch die gezeigt, die selbst im Krieg waren, sondern auch durch die jüngeren Generationen, die indirekt davon betroffen sind.

Da ist Kasuga, der im Krieg Pilot war und nun darum kämpft, über die Runden zu kommen. Er verwechselt Asada mit der Tochter eines reichen Mannes und wollte sie nutzen, um Lösegeld zu bekommen, da er extrem verarmt ist. Er will kein Krimineller sein und kann es sich auch nicht leisten, einer zu sein, aber er beschreibt, dass ihm die Möglichkeiten ausgegangen sind.

Als Asada und er nach dem Taifun zusammen in einem Gebäude gefangen sind, erzählt Urasawa die Geschichte eines Armeepiloten im Zweiten Weltkrieg. Bei der Hintergrundgeschichte des Entführers geht es nie um Ruhm, Ehre oder darum, wie viele Amerikaner getötet wurden, sondern um Kameradschaft. Er beklagt sich darüber, dass er nie in den Krieg verwickelt werden wollte, sondern nur danach gestrebt habe, Pilot zu werden. Als er im Krieg war, wollte er ihn nur lebend überstehen.

Dann gibt es auch Figuren wie Shota, der von seinen Brüdern und seinem Vater unter Druck gesetzt wird, die Träume zu verwirklichen, die sie wegen des Krieges nicht leben konnten.

Eben in diesen Charakteren zeigt sich eine der großen Stärken des Mangakas. Die Figuren, obwohl wir sie gerade erst kennenlernen, fühlen sich bereits real an und verfügen über Tiefe. Jeder von ihnen hat seine eigene Geschichte, die sehr gut erzählt wird. Wie ihre Probleme und Geschichten sich gegenseitig beeinflussen, ist ebenfalls gut dargestellt.

Während im ersten Band mit dem Krieg und einer verehrenden Naturkatastrophe schwere Themen und Elemente behandelt werden, so ist der Grundton der Geschichte doch größtenteils nicht schwermütig. Diese Tatsache liegt unter anderem an der gelungenen Charakterisierung von Asa. Sie ist zwar nicht mit allen Umständen in ihrem Leben glücklich, verfügt aber über viel Mitgefühl für andere. Sie sieht das Beste in den Menschen, ganz gleich, was sie getan haben, und hilft ihnen, das Gute in sich selbst zu erkennen, das zwar verschüttet, aber die ganze Zeit da war.

Der Zeichenstil von Naoki Urasawa ist genau passend. Sein Stil ist sehr realistisch und er kann Mimik hervorragend darstellen, um so Emotionen abzubilden und die Figuren zum Leben zu erwecken. Die farbigen Seiten am Anfang ziehen das Publikum bereits in den Bann, aber auch die schwarz-weißen Seiten zeigen die ganze Erfahrung von Urasawa im Manga-Business. Es gibt viele einfache Panel, aber auch einige mit sehr detaillierten Hintergründen. Die Panels sind unterschiedlich groß gestaltet und durch einen Rahmen jeweils deutlich voneinander abgetrennt. Urasawa gehört zu den Mangaka, die über ein großes Verständnis filmischen Erzählens verfügen und so lassen sich die Panels leicht und flüssig verfolgen und ziehen die Leserschaft schnell in ihren Bann.

Carlsen Manga bringt den Manga in einem Großformat heraus. Freuen können sich die Fans dabei auf zahlreiche Farbseiten zu Beginn des Bandes.

Fazit

Der erste Band von Asadora! führt die Leserschaft in eine Geschichte voller Entbehrungen ein, zeigt aber auch Menschen, die ihr Bestes geben möchten. Urasawa liefert Charaktere, denen man sich sofort nah fühlt und die menschlich und real wirken. Das Mysterium, welches sich durch die Seiten zieht, hält zudem ein besonderes Spannungsmoment bereit, der sich langsam zu entwickeln scheint.

Asadora! zeigt zwar noch nicht ganz, wohin der Weg führt, doch Fans von Naoki Urasawa werden bereits nach diesen knapp 190 Seiten spüren, dass er sich auch für diese Reihe einen großen Plot bereitgelegt hat.

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Bei diesem Manga handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir freundlicherweise von Carlsen zur Verfügung gestellt worden ist. Vielen Dank dafür!

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