Rezension - Conviction Dragnet 2

Ein gegensätzliches Paar auf einem Gerichtsmediziner und einem Polizisten, die beide andere Menschen ausnutzen, um ihr Ziel erreichen, treffen in der Reihe Conviction Dragnet aufeinander und müssen schnell erkennen, dass sie mehr verbindet, als sie zunächst glauben.

Autorin von Conviction Dragnet ist Michiru Fushino, für die es gleichzeitig die erste Reihe in Deutschland ist. Suzuka Oda, die für die Zeichnungen zuständig ist, dürfte den Shojo-Fans indes bekannt sein. Psychic Detective Yakumo stammt aus ihrer Feder und auch bei der derzeit laufenden Reihe Attractive Detectives wirkt sie als Zeichnerin mit.

Conviction Dragnet läuft in Japan gerade erst an und mit diesem Band befinden sich die Leser gleichzeitig auf dem aktuellen japanischen Stand im Oktober 2020.

In der Rezension versuche ich, auf große Spoiler zu verzichten, bedenkt aber bitte, dass ich manchmal auch wichtige Teile der Handlung erzählen muss, um meine Meinung verständlich zu reflektieren. Wollt ihr sicher gehen, nicht gespoilert zu werden, interessiert euch aber für die Reihe, schaut in meine Rezension zu Band eins rein.

ECKDATEN ZUM MANGA
Text: Michiru Fushino | Zeichnungen: Suzuka Oda
Originaltitel: Danzai no Dragnet
Kategorie: Shojo | Genre: Krimi, Drama
Verlag: Panini Manga
Preis: 7,99€

Worum geht’s?

Nach einer weltweit tödlichen Epidemie, der Roten Seuche, starben 70 Prozent der Weltbevölkerung. Nach diesem Einschnitt, der als die “große Katastrophe” bezeichnet wird, lebt Ruslan Kusaka zurückgezogen in einem Krankenhaus. Eines Tages wird durch einen Zufall Ryou Sanajima, Kriminalpolizist aus der Präfektur Hyougo, auf den exzentrischen Mann aufmerksam, der allerdings hohes medizinisches Wissen besitzt. Ryou schlägt Ruslan einen Deal vor und stellt ihn offiziell an, um für ihn Leichen zu obduzieren. Da Ruslan auf der Suche nach einer “schönen Leiche” ist, kommt ihm das Angebot gerade recht, aber auch Ryou nimmt den Gerichtsmediziner nicht ganz ohne Hintergedanken in seinen Dunstkreis auf …

Wie war’s?

Nachdem der erste Band der Reihe doch eher episodisch und einleitend war, bekommen es Ruslan und Ryou in diesem Band mit einem größeren Fall zu tun, der zum Ende des vorherigen Bands bereits angedeutet wurde. Ein Mörder verstreut Körperteile seiner Opfer in der Stadt und fügt diesen kleine Botschaften zu.

Es ist ein Mordfall, der sich über den gesamten Band immer mehr verdichtet und bei dem die beiden Hauptcharaktere schließlich feststellen, dass der Fall auch in ihrer Vergangenheit eine große Rolle spielt und persönlicher werden könnte, als sie zunächst geglaubt hätten.

Die gerichtsmedizinische Arbeit ist auch in diesem Band wieder sehr gut gelöst und als Leser hat man das Gefühl, dass hinter all dem was Ruslan erzählt, Wahrheit steckt ohne die Fakten selbst überprüft zu haben. Alle Fakten seiner Leichenschau klingen plausibel. Einen Schwachpunkt aus dem ersten Band kann das Duo, welches hinter dem Manga steht, nicht ganz ausmerzen: Wir bekommen einmal mehr nur einen einseitigen Blick auf die Ermittlungen um den Mordfall. Beim ersten Leichenfund wird detailliert auf die Leichenschau mit Ruslan geblickt, ehe ein Timeskip folgt. Elemente der Ermittlungen, die durch Lauf- und Büroarbeit erzielt werden, werden einmal mehr komplett ausgelassen oder nur kurz angeschnitten. Beim zweiten Fund gibt es zwar eine Zeugenbefragung, allerdings bekommt man das Gefühl, es geschieht, weil es sich bei den Zeugen um Personen aus dem näheren Umfeld der Beiden handelt, die noch wichtig werden könnten.

Auch gibt es bei diesem Fall wieder Lücken in der Logik und es scheint doch mehr als unglaubwürdig, dass die Polizei einen “Tathergang” in einem solchen Maße nachstellen würde, mit den gefundenen Leichenteilen neben minderjährigen Zeugen.

Gut gelungen ist in diesem Band hingegen die charakterliche Entwicklung der beiden Hauptfiguren. Wir lernen neue Facetten kennen, wodurch Ruslan als auch Ryou deutlich mehr tiefe erhalten. Ruslan scheint sich dessen bewusst, dass er keine Empathie gegenüber anderen Menschen zeigen kann, zumindest etwas, was dem nahe kommt, ist ihm aber dann doch zu entlocken. Auch verlässt er seinen Keller, wenn auch nicht immer freiwillig und zeigt gegenüber Souta Verantwortung.

Bei Ryou ist weiterhin zu spüren, dass er mit der Gefühlskälte von Ruslan nichts anfangen kann und er rastet regelmäßig aus, wenn dieser sich emotions- und empathielos zeigt. Größeren Raum nimmt im zweiten Band allerdings seine Vergangenheit und mögliche, persönliche Beziehung zum Mörder ein. Als Ryou Fieberträume hat, erinnert er sich an Bruchstücke aus der Kindheit, die er glaubt, verdrängt zu haben. Eine Vergangenheit, der er bereits im ersten Band näherkommen wollte.

Während die Story von Michiru Fushino stammt, ist Suzuka Oda für die Zeichnungen zuständig. Die Mangaka, die neben diesem Manga gleichzeitig noch an anderen arbeitet, liefert ihren bekannten Stil ab. Die Charaktere sind in einem Bishonen-Stil gezeichnet und die Linienführung ist klar und deutlich. Immer wieder gibt es auch größere Panels, die bestimmte Szenen noch intensiver wirken lassen. Die Panel-Gestaltung ist insgesamt doch recht typisch für Shojo. Oda arbeitet mit unterschiedlichen Panelgrößen und Formen, die sich auf Seiten auch mal überlappen können. Dem Geschehen kann man als geübter Mangaleser aber leicht folgen.

Zu Beginn des Bandes gibt es zudem eine doppelseitige Farbseite, die in Naturtönen gehalten ist.

Um den Dialekt einiger Nebencharaktere aus Original zu übertragen, hat sich Panini bei der Umsetzung ebenfalls für eine Dialektsprache entschieden. Dadurch wirkt der Charakter zudem auch sehr herb und deftig in seiner Umgangsform, was es sehr passend machte. Wer allerdings nicht geübt ist, im Lesen von Dialekten, könnte mit dieser Wahl seine Schwierigkeiten haben. Grundsätzlich sind es aber nur wenige Seiten, auf denen ein Dialekt angewandt wird.

Fazit & Bewertung

Conviction Dragnet hatte mich im ersten Band noch nicht komplett überzeugt, nach dem zweiten Band bin ich ein wenig positiver gestimmt, dass die Reihe sich in eine gute Richtung entwickeln könnte. Dennoch gab es erneut kleine Details, die mich störten und mir ein wenig das Lesevergnügen genommen haben.

Ich kann mir aber vorstellen, dass Leser und Leserinnen, die nicht so viel Wert auf die Logik mancher Handlungen als auch Ermittlungsarbeit der Polizei legen, an dieser Reihe ihre Freude finden könnten. Insbesondere, wenn man auf der Suche ist nach Shojo-Titeln, die sich nicht im Romance-Genre abspielen.

Vielen Dank an Panini Manga für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Weitere rezensierte Bände der Serie:
Band 1

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