Das Bildnis der Hexe - Rezension

Waisenkind Aisha hat eine ungewöhnliche Gabe: Malt sie Bilder mit ihrem eigenen Blut, erwachen diese auf geheimnisvolle Weise zum Leben. Die Bilder bringen aber nicht nur Heiterkeit, sondern auch Unheil und so schickt sie ihren einzigen Freund, Loki, auf eine Reise.

Mit Das Bildnis der Hexe bringt KAZÉ-Manga mit Hachi einen neuen Mangaka auf den deutschen Markt. Die Reihe erschien beim japanischen Verlag Shueisha im Online-Magazin Shonen Jump+ und ist in Japan inzwischen mit insgesamt acht Bänden abgeschlossen. Auf dem deutschen Markt ist der Manga in einem zweimonatigen Veröffentlichungsrhythmus angesetzt und erscheint seit dem April 2020.

ECKDATEN ZUM MANGA

Text&Zeichnungen
: Hachi
Originaltitel: Majo no Kaigashuu
Zielgruppe: Shonen | Genre: Action
Verlag: KAZÉ-Manga
Preis: 6,95€

In acht Bänden abgeschlossen.

Weitere Informationen zum Titel

Worum geht’s?

Das Bildnis der Hexe handelt um ein Erbe des Waisenkindes Aisha, die mit ihrem Blut Bilder schaffen kann, die Wunder bewirken. Sie freut sich, dass sie Menschen helfen kann und nimmt allerlei Aufträge an. Doch die Gier der Menschen nach ihren Bildern sorgt dafür, dass diese plötzlich nicht mehr nur Gutes bewirken, sondern beginnen, Unheil zu bringen und zu töten.
In all ihrer Verzweiflung schickt sie ihren einzigen Freund, Loki, auf die Reise, die von ihr gemalten Bilder zu finden und dafür zu sorgen, dass sie für immer aus der Welt verschwinden.

Wie war’s?

Das Bildnis der Hexe beginnt im ersten Kapitel mit einem Blick in die Vergangenheit und den Ursprung der “Bilder der Hexe” als auch Lokis selbst. Wir erfahren, dass Loki und Aisha scheinbar gemeinsam in einem Waisenhaus leben und beste Freunde sind. Aisha hat die Fähigkeit mit den Bildern, die sie aus ihrem Blut malt, Wunder zu vollbringen und will Menschen damit glücklich machen. Doch ihre Gabe entwickelt sich schnell zu einem Albtraum, als die Gier und der Neid der Erwachsenen immer größer wird. Aisha leidet darunter und sieht nur noch einen Ausweg: Sie verzichtet schweren Herzens auf die Unterstützung von Loki an ihrer Seite und schickt ihn raus in die Welt, mit dem Wunsch, er solle ihre Bilder finden und vernichten.

Nach dem ersten Kapitel macht die Handlung einen großen Sprung in die Gegenwart und wir begleiten den Protagonisten Loki bei seiner Aufgabe, die sogenannten Blutbilder aufzuspüren und zu zerstören. Es wird schnell klar, dass viel Zeit vergangen ist und Loki noch einen langen Weg vor sich hat, um wirklich alle Bilder zu finden, die Aisha in ihrem kindlichen Eifer gemalt hat.

Im ersten Band ist die Handlung des Mangas episodisch aufgebaut und es dreht sich jeweils um die Geschichte eines bestimmten Blutbildes, welches Loki vernichten möchte. Im Zuge dessen erfahren die Leser etwas über die derzeitigen Besitzer des Bildes und erhalten Einblick in ihre Geschichten und Beweggründe. Diese können dabei leicht melancholisch sein, aber auch simpel und boshaft. Das finale Kapitel bietet allerdings Raum für viel Interpretation und könnte den Auftakt in eine größere, übergeordnete Geschichte liefern. Denn dort tritt ein Gegenspieler auf, der es nicht nur auf das Überleben der Blutbilder abgesehen hat, sondern auch auf Loki.

Die Grundstimmung der Story ist dabei eher düster gehalten und auch die Monster, die den Blutbildern entspringen gehen doch eher in eine gruseligere Richtung. Insbesondere im ersten Kapitel erzeugt der Manga aber auch eine nachdenkliche, melancholische Stimmung, die insbesondere mit den Gefühlen und der Hilflosigkeit von Loki, aber auch von Aisha zusammenhängt.

Während Aisha als handelnde Person nach dem ersten Kapitel in den Hintergrund tritt, lernen wir im ersten Band vor allem Loki kennen. Der scheint durch seine Vergangenheit schon fast wie eine Art Gefangener, dessen einzige Aufgabe darin besteht, den Wunsch von Aisha zu erfüllen und alle Bilder zu finden, ehe er selbst verrottet. Denn auch Loki selbst ist nichts weiter als eines von Aishas Werken, wie der Leser relativ früh ahnt und erfährt.
Er ist insgesamt ein finsterer Zeitgenosse, es zeigt sich im ersten Auftrag aber auch, dass sein Herz am rechten Fleck ist und er Mitgefühl entwickeln kann. Des Weiteren scheint er eine Art Fluch mit sich herum zu tragen, wie in einem Kampf im finalen Kapitel angedeutet wird. Viel aber erfährt der Leser darüber nicht und so bleibt eine gewisse Spannung für die kommenden Bände erhalten.

Die Nebencharaktere hingegen haben noch Luft nach oben und wirken im ersten Band noch eindimensional und ohne viel Tiefe.

Der Zeichenstil von Hachi ist von klaren und sauberen Linien gekennzeichnet. Der Mangaka arbeitet mit starken schwarz-weiß-Kontrasten und häufig finden sich detaillierte Hintergründe in den Panels. Die Panel-Gestaltung fällt sehr unterschiedlich aus und es gibt Panels von unterschiedlicher Größe und Anordnung, die auch ab und an überlappen. Um bestimmte Szenen noch besser auszudrücken, gibt es auch einige sehr groß gestaltete Panel, die über eine oder zwei Seiten gehen. Die Charaktere sind dabei sehr abwechslungsreich und unterschiedlich gezeigt, sodass sie leicht zu unterscheiden sind. Einzig in den Kämpfen stockt der Lesefluss ab und an, insgesamt lässt sich die Handlung aber ohne große Schwierigkeiten verfolgen.

Umgesetzt wurde der Manga von KAZÉ-Manga in der üblichen Standardgröße des Verlags. Als Extra gibt es eine Farbseite, die Loki zeigt.

Fazit & Bewertung

Das Bildnis der Hexe hat für mich zwar noch ein bisschen Luft nach oben, konnte mich im ersten Band aber durchaus überzeugen und bietet mit den Blutbildern einen interessanten Aufhänger und mit Loki einen spannenden Charakter, der noch viel Potential für eine Entwicklung in den Folgebänden hat.

Zu empfehlen ist die Reihe vor allem denjenigen, die gerne Shonen lesen und sich auf keine zu lange Reihe einlassen wollen. Mit acht Bänden hat Das Bildnis der Hexe die perfekte Länge, um sich in der Handlung ausreichend zu entwickeln ohne dabei zu sehr abzuschweifen.

Vielen Dank an KAZÉ-Manga für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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