Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

Ein perfekter Antrag Manga Rezension

Ein perfekter Antrag

[Anzeige, da Rezensionsexemplar]

Mit Ein perfekter Antrag erschien im Mai jüngst ein neuer Boys-Love-Einzelband bei Egmont Manga. Der Titel stellt gleichzeitig das Deutschland-Debüt von Mangaka Mayo Tsurukame dar.

In Japan erschien die Reihe unter dem Titel Perfect Propose vom Mai 2019 bis zum Juli 2020 im Boys-Love-Magazin GUSH. Darüber hinaus wurde das Werk in einem Sammelband herausgebracht.

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Text & Zeichnungen: Mayo Tsurukame | Originaltitel: Perfect Propose | Verlag: Egmont Manga | Übersetzung: Christine Steinle| Genre: Boys Love, Drama| Preis: 8,00€ | Einzelband | Weitere Informationen & Leseprobe

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Wie war’s?

Hirokuni ist ein fleißiger und ehrgeiziger Mann. Das einzige Problem ist, dass er sich von seinem Vorgesetzten unterbuttern und niedermachen lässt. Er arbeitet stundenlang, vernachlässigt dabei seinen Schlaf und sein Privatleben. Noch dazu bekommt er immer wieder Ermahnungen, weil er seine Arbeit nicht richtig machen würde.

Eines Tages wird die Anstrengung zu viel für seinen Körper und er bricht zusammen. Er hätte sich nicht träumen lassen, dass der junge Mann, der ihn findet, Kai, ein Freund aus Kindertagen ist.

Diese Begegnung stellt den Alltag der beiden Protagonisten auf den Kopf, denn Kai, der durch Krankenhausaufenthalt seines Chefs (den er als Vater/Vormund betrachtet) auf der Straße lebt, wird auch durch das zutun von Hirokunis Mutter bei ihm in der Wohnung aufgenommen.

Was die Romanze betrifft, so verläuft Ein perfekter Antrag in sehr klassischen Bahnen und mit großen Überraschungen muss die Leserschaft im Laufe der Erzählung nicht rechnen. Die Geschichte um zwei Kindheitsfreunde, die sich im Erwachsenenleben durch Zufälle wiedertreffen ist ruhig erzählt und lässt sich Zeit. Sie entdecken ihre Freundschaft wieder und Hirokuni merkt zunehmend, das Kai für ihn vielleicht mehr ist als nur ein bloßer Freund, dem er in einer Notlage aushilft.

Kai und Hirokuni sind zwei sehr gut konstruierte Charaktere mit völlig unterschiedlichen Eigenschaften, die jedoch recht gut zusammenpassen. Die Erzählung ist einfühlsam, humorvoll und wohlwollend.

In Bezug auf den Romantik-Part gibt es allerdings auch ein großer Makel. Nach nur wenigen Seiten gibt es eine Szene, in der Kai Hirokuni sexuell belästigt und dieser klar sein Missfallen zum Ausdruck bringt. Hier wird leider wie so oft in Boys-Love-Titeln sexuelle Gewalt verharmlost und romantisiert. Eine Tatsache, die dem Titel aus meiner Sicht einige Punkte kostet.

Punkten kann die Geschichte rund um Hirokuni vor allem neben der Romantik-Handlung. Die schreckliche Arbeitsatmosphäre von Hirokuni wird wirklich eindrucksvoll beschrieben. Er arbeitet 16 Stunden am Tag, auch am Wochenende und hat natürlich er keinen Urlaub. Und während seiner 16 Stunden Arbeit hat er keine Zeit zum Verschnaufen oder gar zum Essen.

Man sieht Hirokunis ganze Verzweiflung angesichts der Aufgaben, von denen er weiß, dass er sie nicht rechtzeitig erledigen kann, die Macht, die sein Vorgesetzter über ihn hat, und die Art und Weise, wie er ihn herabsetzt, um zu bekommen, was er von ihm möchte. Und dem gegenüber sehen wir auch alle Stufen von Hirokunis Entwicklung, der den Abgrund erkennt, in den er gefallen ist. Dank Kai gelingt es ihm nach und nach, sich selbst wieder zu respektieren und zu achten.

Und auch Kai hat durch seine Vergangenheit durchaus sein Päckchen zu tragen und die Situation, vor der er durch den Krankenhaus-Aufenthalt seines Chefs steht, ist keinesfalls einfach für ihn.

Der Zeichenstil von Mangaka Mayo Tsurukame besteht aus einem feinen Strich und passt damit gut zur allgemeinen Atmosphäre des Titels. Wie viele Boys-Love-Künstlerinnen arbeitet auch sie mit dem Fokus auf die Charaktere und die Hintergründe sind im Gegenzug eher einfach gestaltet oder bleiben leer. Texturen und Schattierungen werden mit Rasterfolie ausgefüllt.

Fazit

Ein perfekter Antrag sticht vor allem durch die Handlung neben der eigentlichen Romanze hervor und liefert der Leserschaft ein realistisches Bild über die japanische Arbeitswelt. Die Romanze selbst wird in einem angenehmen Tempo erzählt, schafft es aber leider nicht, sich von einigen leidigen Tropes der Boys-Love-Erzählungen zu lösen.

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Bei diesem Manga handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir freundlicherweise von Egmont Manga zur Verfügung gestellt worden ist. Vielen Dank dafür!

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