Mit Sneeze: Naoki Urasawa Story Collection lieferte VIZ jüngst eine vielschichtige Sammlung von acht kurzen Geschichten vom Monster-Schöpfer Naoki Urasawa. Ich habe den Band für euch unter die Lupe genommen.

Die meisten dürften Naoki Urasawa wohl vor allem durch Thriller und Sci-Fi-Werke wie Monster, 20th Century Boys und Billy Bat kennen. In Sneeze bekommen die Leser*innen nun mehr von der anderen Seite des Mangaka zu sehen. Auch wenn es auch hier die Geschichten gibt, für die Urasawa bekannt ist, finden sich auch Kurzgeschichten darin, in denen Urasawa sich autobiografischen Themen zuwendet oder einfach einen witzigen Comic über Mäuse zeichnet.

Sneeze ist wie alle bisherigen US-Veröffentlichungen von Urasawa beim Verlag VIZ Media erschienen. Eine deutsche Veröffentlichung gibt es zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht. Der Band erscheint im Großformat mit Klappbroschur und enthält insgesamt acht Geschichten in unterschiedlicher Länge.


Text/Zeichnungen: Naoki Urasawa | Originaltitel: Kushami: Urasawa Naoki Tanpen-shuu | Verlag: VIZ Media| Kategorie: Seinen | Genre: Drama, Slice of Life, Thiller, Comedy | Preis: ~ 17,00€ | Weitere Informationen

Bitte beachtet, dass US-Bücher anders als deutsche Bücher keine Preisbindung haben. Der hier angegebene Preis kann je nach Shop variieren.


Wie war’s?

Sneeze beginnt mit dem Inhaltsverzeichnis und einer kurzen Definition des Titels, welches Urasawa für seine Kurzgeschichtensammlung gewählt hat. Diese lautet: “a sudden expiration of breath. A short work as opposed to a long work. It can even make the most beautiful person look momentarily ugly.” Während Urasawas bekannten Werke normalerweise über Jahre geschaffen wurden und meist über 20 Bände umfassen, handelt es sich bei seinen Geschichten in Sneeze um kurze Momentaufnahmen. Wie ein Niesen eben.

Dennoch bleibt Urasawa in dieser Sammlung seiner Vorliebe für überraschende Wendungen treu und zeigt, dass er sein Handwerk auch auf wenigen Seiten beherrscht. Die erste Geschichte in der Sammlung, “Damiyan”, ist ein gelungener Auftakt. Die Geschichte handelt über einen Yakuza-Gangster, welcher einen Jugendlichen anheuert, der durch einen einzigen Blick Menschen Unglück bringen kann. Der Humor in dieser Geschichte ist auf den Punkt gebracht, trotzdem bringt Urasawa aber auch eine Prise Melancholie mit der Familiengeschichte des Yakuzas hinein.

“Throw Toward the Moon” hat wohl am meisten den Charakter von Urasawas bekanntesten Werken. Es ist in der Co-Produktion mit Takashi Nagasaki entstanden, den man ebenfalls bereits aus den längeren Urasawa-Werken kennt und mit dem Urasawa schon eine lange Geschichte verbindet. In dem Werk geht es ebenfalls um psychische Kräfte, zeigt jedoch mehr von der cleveren und komplexeren Handlung. Hier reiht sich auch die Story um einen Kaiju-Fan ein, der nach Tokio reist, um ein echtes Monster zu sehen und schließlich ein wahrer Held und Retter der Stadt wird.

Neben den Werken, die man doch als typischen Urasawa bezeichnen könnte, bekommt man aber auch die persönliche Seite des Mangaka zu spüren. In “Henry and Charles” verfolgen wir in einer vollfarbigen Geschichte den Versuch zweier Mäuse an ein Stück Kuchen zu gelangen, ohne dabei die Katze zu wecken. Aus den Autorenkommentaren lässt sich herauslesen, dass er hier die Cartoons von Looney Tunes als Inspiration nahm.

Darüber hinaus gibt es einige autobiografische Geschichten, die Urasawa seiner Liebe zur Musik widmet. Da gibt es die Geschichte, die er von Kenji Endo (nach ihm benannt ist auch ein Charakter aus 20th Century Boys) erzählt bekam und schließlich zu einer Kurzgeschichte verarbeitet oder aber Essays, in denen er über die Reise nach den USA zu einem Rockfestival berichtet. In diesen Storys bekommen die Leser*innen den persönlichen Urasawa neben dem Mangazeichner: Den leidenschaftlichen Fan von Rockmusik.

So wie sich die Geschichten unterscheiden, so unterscheidet sich in Sneeze auch der Zeichenstil des Mangaka. Während die Essay-Geschichten eher in einem skizzenhaften Stil gezeichnet sind und improvisiert wirken, so bekommt man in anderen Geschichten den ausgefeilten Stil des Urasawa mit perfekt gesetzten Panels und einem natürlichen Bild-Text-Anteil. Dennoch gelingt es Urasawa auch in den minimalistischeren Beiträgen in diesem Band die Emotionen herüberzubringen und die markanten Züge der Charaktere herauszustellen.

Hervorzuheben ist auch, dass die letzte Geschichte in dem Band eine andere Leserichtung besitzt als die übrigen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass diese Geschichte für eine Kurzgeschichten-Sammlung in Frankreich gezeichnet wurde. Sie ist eine der zwei Storys in dem Band, die voll in Farbe gezeichnet sind. Daneben gibt es zahlreiche weitere Farbseiten.

Fazit

Für mich war es schwierig einen wirklichen Favoriten in Sneeze auszumachen. “Damiyan” und “Throw Toward the Moon” haben für mich einen besonderen Charme gehabt. Genossen habe ich aber alle der Geschichten, was relativ selten ist für eine Anthologie.

Empfehlen würde ich den Band vor allem Urasawa-Fans, die ihrer Sammlung ein weiteres Werk des Ausnahmekünstlers hinzufügen möchten. Auch weil man hier viel die Leidenschaft und Persönlichkeit des Mangaka spürt.


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