Rezension Billy Bat

Eine Fledermaus, bekannte historische Persönlichkeiten, das Ende der Welt und Comickünstler. All das vereint Naoki Urasawa in seinem Werk Billy Bat, welches insbesondere das anspruchsvolle Publikum zufriedenstellen dürfte.

Naoki Urasawa gehört zu den Mangaka, von denen ich inzwischen doch mit die meisten Reihen in meinen Regalen stehen habe und der mich immer wieder mit seiner Art zu Erzählen überzeugen kann. Vorstellen möchte ich euch heute seine zuletzt beendete, längere Serie: Billy Bat. Erschienen ist Billy Bat in den Jahren 2008 bis 2016. In Deutschland erschien die Reihe bei Carlsen Manga von 2012 bis 2018.

ECKDATEN ZUM MANGA
Text&Zeichnungen
: Naoki Urasawa | Ko-Szenarist: Takashi Nagasaki
Originaltitel: Billy Bat
Kategorie: Seinen | Genre: Drama, Historisch, Krimi
Verlag: Carlsen Manga
Preis: 8,95€ (1.Auflage) / 12,00€ (2.Auflage)

Abgeschlossen in 20 Bänden

Mehr Informationen und Leseproben

Worum geht’s?

In Billy Bat dreht sich alles um eine geheimnisvolle Fledermaus. Zunächst folgt der leser Kevin Yamagata. Der Amerikaner mit japanischen Wurzeln zeichnet im Jahr 1949 eine beliebte Comic-Serie rund um eine Fledermaus als Titelfigur. Dann stellt sich aber heraus, dass es wohl in Japan bereits vor ihm jemand gab, der einen Comic mit eben dieser Figur schrieb. Um zu klären, ob er die Figur benutzen darf, fliegt Kevin nach Japan und gerät dadurch in einen Strudel von kuriosen Ereignissen. Nach und nach wird klar, dass hinter Billy Bat eine Figur steckt, die schon Jahrhunderte existiert und immer wieder die Menschen lenkte. Sind seine Comics etwa nur Vorhersagen realer Ereignisse und wird er von der Fledermaus gelenkt? Dazu soll das Geheimnis der Figur auf eine 2000 Jahre alte Schriftrolle zurückgehen, deren Besitz die Weltherrschaft bedeutet.
Eine Schriftrolle, auf die viele scharf sind.

Wie war’s?

Schon der Einstieg in Billy Bat zeigt, dass wir es mit einer Geschichte auf mehreren Ebenen zu tun haben. Eingeführt wir zunächst nämlich Billy Bat. Ein Fledermausdetektiv, den wir in seinem ersten Fall begleiten. Dann kommt der Szenenwechsel und wir sehen im nächsten Panel eine Skizze von eben diesen Billy Bat, ehe wir seinen Schöpfer Kevin Yamagata kennenlernen, der darüber philosophiert, was seinem Comic noch fehlt.

Dann nimmt die Geschichte richtig Fahrt auf. Es stellt sich heraus, dass es in Japan wohl bereits einen Manga mit dieser Figur gibt und Kevin beschließt nach Japan zu reißen, um das Original zu finden und den Schöpfer um Erlaubnis zu bitten, seine Figur zu verwenden. Was er zu diesem Zeitpunkt nicht ahnt, ist, dass dies nur der Anfang eines spannenden, verzwickten Abenteuers ist und er sich bald in den Wirren von Mord, Intrigen und dem Ringen nach Macht wiederfinden wird. Als dann auch noch seine Comic-Figur mit ihm redet, wird plötzlich klar, dass sich hinter diesem Billy Bat mehr verbirgt, als es zunächst scheint.

Naoki Urasawa nimmt einen simplen Aufhänger, um daraus eine komplexe Geschichte zu entfalten, die einen riesigen historischen Bogen spannt. Von der Kreuzigung Christi über das Kennedy-Attentat, den Fall der Berliner Mauer, die Mondlandung, bis hin zu 9/11. Alles hängt irgendwie mit Billy Bat zusammen, jeder Charakter hat Gewicht und keine noch so kleine Szene ist unbedeutend. Es gibt viele Zeitsprünge und der Leser muss immer auf der Hut sein. Aber es lohnt sich, denn das hier ist höchste Erzählkunst, die man auf dem Mangamarkt selten antrifft.

In der Tiefe ist Billy Bat noch viel mehr. Es geht um die Frage, ob wir unser Leben überhaupt selbst bestimmen oder uns irgendwas lenkt. Sind es die Charaktere, die die Zügel in der Hand haben oder Billy Bat? Es geht darum, was die Menschen antreibt un das Gegenpaar Gut und Böse.

In Billy Bat gibt es viele Charaktere, da aber viele der später eingeführten Figuren mit Spoilern einhergehen, werde ich darauf verzichten, euch diese näher vorzustellen. Obwohl Urasawa in Billy Bat mit vielen Charakteren arbeitet, gelingt es ihm, allen Leben einzuhauchen. Die Charaktere scheinen eine Seele zu haben und haben eine klare Motivation. Neben seinen eigenen Charakteren gibt es auch reale, historisch bedeutende Persönlichkeiten, die ebenfalls gut dargestellt wurden.

Der Zeichenstil von Naoki Urasawa ist genau passend. Sein Stil ist sehr realistisch und ich mag es besonders, wie er Emotionen darstellt. Viele der emotionalen Szenen haben einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Auch zeichnet er sehr detailreich und seine Charaktere lassen sich leicht unterscheiden. Häufig wird der Manga durch “Billy Bat-Comics” durchschnitten, die dabei aber sehr gut integriert sind und zu einem erzählerischen Stilmittel werden. Manchmal schauen sie auf ein Ereignis zurück oder zeigen uns Szenen von Ereignissen, die gerade passieren oder noch passieren werden. Der Zeichenstil dieser Comic-Sequenzen wirkt dabei mehr Richtung Cartoon-Stil, was dem Ganzen eine weitere besondere Note gibt. Der Übergang zwischen den jeweiligen Szenen und Panels ist dabei sehr gut gelungen und trotz der großen Sprünge kann man der Story gut folgen.

Die Reihe kommt in jedem der Bände mit einer großen Zahl an Farbseiten daher, die nicht nur zu Beginn eines Bandes eingebettet sind, sondern auch mal im Verlauf des Mangas. Anders als die Neuveröffentlichungen der Uraswa-Manga bei Carlsen und Panini ist Billy Bat im Normalfromat gedruckt worden.

Fazit & Bewertung

Die Reihe ist trotz seiner komplexen Geschichte und der Vielzahl an Charakteren ein äußerst gelungener Manga, der gerade für Fans von Suspense-Manga viel Lesevergnügen verspricht. Darüber hinaus ist das Drama realistisch und entwickelt sich im guten Tempo mit vielen interessanten Twists, die den Leser bei der Stange halten.

Billy Bat hat zwar noch nicht den Bekanntheitsgrad von Monster und 20th Century Boys muss sich hinter den bekanntesten Reihen von Urasawa aber nicht verstecken und liefert eine gut durchdachte Story ab. Wer also mehr von Urasawa lesen möchte, sollte nicht zögern und sich diese Reihe zulegen. Etwas schade finde ich lediglich die Wahl des Formats, da es im Großformat sicherlich seine Wirkung noch besser hätte entfalten können.

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