Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

The Beast King: Master of Medicines

The Beast King: Master of Medicines (Band 1)

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Ich bin nicht unbedingt der große Fan von Dungeon-Fantasy und es gibt wenige Mangareihen in diesem Bereich, die mich wirklich packen können. Trotzdem hatte ich Hoffnungen in The Beast King, da der Manga durchaus einen ruhigeren Fantasy-Titel verspricht.

The Beast King: Master of Medicines ist ein Fantasy-Manga von Tatsukazu Konda, der von Asahi Sakano illustriert wird. In Japan erscheint die Reihe unter dem Titel Juuou to Yakusou , was wörtlich etwa „Der Bestienkönig und die Heilkräuter“ bedeutet. Die Veröffentlichung startete im August 2023 auf der Plattform MangaONE. Auf dem englischsprachigen Markt liegt die Lizenz bei Seven Seas.

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Story: Tatsukazu Konda, Zeichnungen: Asahi Sakano | Originaltitel: Juuou to Yakusou | Übersetzung: Adrienne Beck | Genre: Fantasy | Verlag: Seven Seas | Aktueller Preis bei Walt’s: 14,99€ (Stand: 01.05.2026) | Der Manga bei Walt’s Comic Shop

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Wie war’s?

Nach dem Krieg zwischen Menschen und Monsterwesen ist an der Oberfläche Frieden eingekehrt. Die Ära der Abenteurer hat begonnen, die in die verlassenen Dungeons hinabsteigen, um Ruhm, Geld und seltene Schätze zu finden. Tina gehört zu diesen Abenteurern. Sie begleitet vor allem Anfänger durch einen bekannten Dungeon und scheint kurz davorzustehen, in der Gilde aufzusteigen. Doch als sie auf ein viel zu starkes Monster trifft, wird sie schwer verletzt und zurückgelassen. Gerade als ihr Tod unausweichlich scheint, taucht Galon vor ihr auf. Niemand anders als der legendäre König der Bestien, ein ehemaliger General des Dämonenkönigs, der eigentlich seit zwanzig Jahren tot sein sollte.

Statt Tina zu töten, rettet er ihr Leben. Allerdings nicht ganz ohne Gegenleistung. Galon ist inzwischen kein Krieger mehr, sondern Heiler. Seit Jahren behandelt er verletzte Monster, die von menschlichen Abenteurern angegriffen wurden. Tina soll ihm mit ihrer Magie dabei helfen. Damit beginnt eine ungewöhnliche Partnerschaft zwischen einer jungen menschlichen Abenteurerin und einem Dämon, den sie ihr ganzes Leben lang für ein Monster halten sollte.

Auf den ersten Blick wirkt The Beast King: Master of Medicines wie ein weiterer Fantasy-Manga, der sich an klassischen RPG-Motiven bedient. Es gibt Dungeons, Gilden, Monster, Magie, einen ehemaligen Dämonenkönig und eine Welt, in der Menschen und Dämonen lange verfeindet waren. Das alles ist in diesem Genre natürlich nicht neu. Gerade in den letzten Jahren hat man eine Vielzahl von Manga gelesen, die mit ähnlichen Elementen arbeiten. Umso spannender ist es, wenn ein Titel es schafft, innerhalb dieser bekannten Muster eine eigene Richtung einzuschlagen.

Und genau das gelingt diesem ersten Band recht gut. Die Geschichte spielt nicht einfach nur das bekannte Lied von heldenhaften Abenteurern und bösen Monstern. Stattdessen dreht der Manga die Perspektive um. Die Menschen, die sonst in solchen Geschichten selbstverständlich die Heldenrolle einnehmen, erscheinen hier immer wieder als Eindringlinge, Plünderer und Störenfriede. Sie betreten Dungeons, töten Monster, nehmen Schätze an sich und denken kaum darüber nach, welche Folgen ihr Handeln hat. Die Monster wiederum sind nicht bloß Gegner, die man besiegen muss, sondern Lebewesen mit Instinkten, Gefühlen, Familien und einer Funktion innerhalb eines Ökosystems.

Gerade dieser Gedanke macht den Manga interessant. Die Dungeons sind nicht nur Kulissen für Kämpfe, sondern eigene Lebensräume. Galon sieht die dort lebenden Kreaturen nicht als Bedrohung, sondern als Nachbarn, Patienten und Schutzbedürftige. Der Titel erinnert stellenweise an Delicious in Dungeon, allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Hier werden Monster nicht zubereitet, sondern geheilt. Auch dort steht ein genauerer Blick auf Dungeon-Ökosysteme im Mittelpunkt, doch The Beast King legt den Fokus stärker auf Mitgefühl, Pflege und Koexistenz.

Tina ist dabei die ideale Figur, um diese andere Sichtweise kennenzulernen. Sie ist keine grausame Person, aber sie ist mit den Vorurteilen ihrer Welt aufgewachsen. Für sie sind Dämonen und Monster zunächst Feinde, vor denen man Angst haben muss. Ihre erste Reaktion auf Galon ist deshalb auch blanke Panik. Dass gerade dieser angeblich gefährliche Dämon ihr Leben rettet, bringt ihr Weltbild ins Wanken. Nach und nach beginnt sie zu verstehen, dass die Geschichten, die Menschen sich über Monster erzählen, möglicherweise nur eine Seite der Wahrheit sind.

Galon wiederum ist eine sehr gelungene Figur. Sein Design als humanoider Löwe macht sofort Eindruck, doch seine Persönlichkeit steht im angenehmen Kontrast zu seinem Äußeren. Er ist kein blutrünstiger Dämon, kein finsterer Herrscher und auch kein gebrochener Ex-General, der nur auf Rache sinnt. Stattdessen hat er seine Krallen eingezogen und einen anderen Weg gewählt. Nachdem er selbst dem Tod entkommen ist, versucht er nun, andere zu retten. Das gibt ihm eine ruhige Würde. Gleichzeitig spürt man, dass seine Vergangenheit und seine frühere Rolle als General des Dämonenkönigs noch nicht vollständig erzählt sind.

Besonders interessant ist die langsam entstehende Beziehung zwischen Tina und Galon. Der Manga überstürzt hier nichts. Zu Beginn steht zwischen ihnen Misstrauen. Tina fürchtet ihn, Galon wiederum kann einer menschlichen Abenteurerin ebenfalls nicht ohne Weiteres vertrauen. Ihr Bündnis entsteht aus einer Notsituation heraus und ist zunächst eher ein Pakt als eine Freundschaft. Doch gerade dadurch wirkt es interessant, wie sich nach und nach kleine Momente der Annäherung ergeben. Tina erlebt durch Galon die andere Seite der Dungeons. Sie sieht verwundete Kreaturen, trauernde Monster und die Folgen menschlicher Gier. Galon wiederum erkennt in Tina jemanden, der bereit ist, über die Grenzen ihres bisherigen Denkens hinauszublicken.

Die Handlung des ersten Bandes bleibt dabei noch recht ruhig. Im Mittelpunkt stehen weniger große Kämpfe oder dramatische Wendungen, sondern die ersten gemeinsamen Heilungen, die Einführung in die Welt und das vorsichtige Aufbauen von Vertrauen. Das gibt dem Manga eine beinahe gemütliche Atmosphäre. Gleichzeitig ist er aber nicht harmlos. Die Verletzungen der Monster werden deutlich gezeigt, ebenso wie die Gewalt, die von den Abenteurern ausgeht.

Thematisch überzeugt der Band vor allem durch seine Frage nach dem wahren Feind. Wer sind hier eigentlich die Monster? Die Kreaturen, die in den Dungeons leben und ihre Reviere schützen? Die Dämonen, die von den Menschen pauschal verteufelt wurden? Oder die Menschen, die sich nach ihrem Sieg im Krieg als rechtmäßige Herrscher über alles fühlen und nun ohne Rücksicht nehmen, was sie wollen? Der Manga beantwortet diese Frage nicht plump, aber er macht schnell deutlich, dass die Welt komplizierter ist, als Tina bisher dachte. Die Dungeons wirken wie empfindliche Lebensräume, die durch menschliche Eingriffe aus dem Gleichgewicht geraten können.

Grafisch liefert Asahi Sakano eine solide und stimmungsvolle Arbeit ab. Der Stil ist nicht unbedingt außergewöhnlich und manche Monsterdesigns bewegen sich klar im bekannten Fantasy-Repertoire. Slimes, tierähnliche Kreaturen und klassische Dungeonwesen sind hier nichts, was man noch nie gesehen hätte. Dennoch funktioniert die Umsetzung sehr gut. Die Zeichnungen sind sauber, die Figuren ausdrucksstark und Galon besitzt eine starke Präsenz. Besonders schön ist, dass die Welt nicht leer wirkt. Die Hintergründe, Dungeons und Naturräume geben der Geschichte genug Atmosphäre, um in diese Fantasywelt einzutauchen.
Seven Seas veröffentlicht den Manga im Großformat. Zum Auftakt in den Band gibt es einige Farbseiten.

Fazit

The Beast King: Master of Medicines ist für mich nach Band eins eine positive Überraschung im Fantasybereich. Der Manga lebt weniger von großer Originalität im Worldbuilding als von seiner Haltung. Er schaut auf die sogenannten Monster mit Empathie, hinterfragt menschliche Überheblichkeit und baut eine vielversprechende Beziehung zwischen zwei Figuren auf, die eigentlich Feinde sein müssten. Tina und Galon sind ein ungleiches, aber sehr sympathisches Duo, dem man gerne folgt.

Wer Fantasy-Manga mit Dungeons, Monstern und RPG-Elementen mag, aber nicht schon wieder nur eine klassische Heldengruppe beim Monsterjagen begleiten möchte, sollte hier einen Blick riskieren.

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Der Manga wurde mir freundlicherweise von Walt’s Comic Shop zur Verfügung gestellt. Die Kooperation hat wie immer keinerlei Einfluss auf meine Meinung zu dem Titel. Walt’s Comic Shop gehört zu den größten Online-Shops für US-Comics in Europa und ist in Berlin ansässig. Der Shop bietet eine breite Palette von Comics, Manga und Graphic Novels in englischer Sprache an.

Viele Titel sind direkt bestellbar. Seid ihr auf der Suche nach bestimmten Titeln, könnt ihr auch direkt per E-Mail an das Team wenden.

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