Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

Twilight Outfocus

Twilight Outfocus (Band 1)

Mit Twilight Outfocus findet ein weiterer Boys-Love-Titel Einzug in das Verlagsprogramm von Manga Cult. Wie sich der Auftakt schlägt, darüber spreche ich in meiner Rezension.

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Auch wenn Twilight Outfocus auf dem deutschen Markt der erste Titel von Jyanome ist, hat die Mangaka schon so einige Veröffentlichungen in Japan vorzuweisen. Ihr Debüt feierte sie in ihrer Heimat im Jahr 2012.

Twilight Outfocus startete unter dem Originaltitel Tasogare Out Focus 2019 im Honey Milk-Magazin von Kodansha. Durch den großen Erfolg folgten schnell einige Spin-Off-Reihen. Tasogare Outfocus Overlap setzt die Geschichte der beiden Hauptfiguren fort und wird im August bei Manga Cult als zweiter Band von Twilight Outfocus erscheinen.
Afterimage Slow Motion wurde ebenfalls bereits von Manga Cult lizenziert und erscheint im Dezember 2021. Dieser behandelt die Nebencharaktere aus dem Hauptband. Als weiterer Spin-off erschien in Japan zuletzt Yoiyoi Monologue

Wie war’s?

Mao Tsuchiya und Hisashi Otome sind Schüler auf einer reinen Jungenschule und teilen sich ein Zimmer. Sie haben sich ein Versprechen gegeben: Mao darf nie jemandem erzählen, dass Hisashi schwul ist und einen Freund hat, und Hisashi ist es verboten, Mao zu küssen, zu berühren oder sich für ihn zu interessieren.

Dank dieses Versprechens läuft ihre Mitbewohnerbeziehung hervorragend. Doch die Dinge ändern sich schlagartig, als der Filmclub der Highschool, in dem Mao Kameramann ist, beginnt, eine Liebesgeschichte zwischen zwei Jungen zu filmen, in der Hisashi die Hauptrolle spielen soll. Mao sieht Hisashi plötzlich in einem ganz anderen Licht und entdeckt, dass seine Gefühle schnell zu einer Belastung werden, zumal sein Mitbewohner auch bereits einen Freund hat.

Twilight Outfocus bietet sicherlich keine besonders neue Grundstory im Boys-Love Genre. Die Zutaten, die Jyanome für ihren Band wählt, sind Standard. Der Band erzählt, wie sich Mao und Hisashi während des Drehs des Filmclubs immer näherkommen. Zeigt ihre Probleme und die Spannungen die zwischen ihnen immer mehr entstehen, weil sie sich zueinander hingezogen fühlen, aber versuchen, das gegebene Versprechen nicht zu brechen. Ihre Gefühle werden im Laufe der Dreharbeiten dennoch immer intensiver.

Der klassische Storyverlauf funktioniert, da die Mangaka durch Authentizität hervorstechen kann. Jyanome zeigt gefühlvoll, wie sich die beiden Figuren immer näherkommen und sich zwischen den beiden WG-Bewohnern unterschiedlichste Emotionen zeigen. Eifersucht, Besitzdenken oder Sorge.
Die Charaktere sind gutgeschrieben und trotz der wenigen Seiten besitzen sie eine ordentliche Tiefe. Besondere Aufmerksamkeit schenkt die Jyanome der Vergangenheit von Hisashi, womit es gut gelingt, seine ruhige und resignierte Seite zu verstehen. Über Maos Vergangenheit und seine Ziele erfährt man indes weniger.

Authentisch wirkt der Manga aber vor allem auch durch seine Illustrationen und seinem Erzählen.

Das große Thema des Bandes rund um das Filmemachen wird auch auf der zeichnerischen Ebene aufgenommen. Jyanome inszeniert ihre Panels, als würden die Leser*innen die Protagonisten von einer Position hinter der Kamera beobachten. Daraus entstehen spannende Blickwinkel, die das Geschehen lebendig machen und die Leserschaft in die Geschichte eintauchen lassen. So gibt es viele Panels, die aus einem leicht erhobenen Winkel gezeichnet sind. Bei Nahaufnahmen sind unter anderem leichte Verformungen der Linse zu erkennen. Zum Beginn und zum Ende ihres Bandes wählt die Mangaka zudem eine ähnliche Szenerie, sowohl in der zeichnerischen Umsetzung als auch der Handlungsabfolge. Dadurch macht sie deutlich, inwieweit sich das Verhältnis der beiden Figuren zueinander verändert hat.

Der Stil der Mangaka besteht aus feinen Linien, die einen realistischen Touch besitzen. Sie gehen allerdings doch deutlich in die Bishonen-Richtung geht, durch den schlanken, hochgewachsenen Körperbau der Figuren. Jyanome schenkt der Mimik große Aufmerksamkeit und zeichnet oft gesenkte Blicke.

Die im Manga enthaltenen erotischen Szenen sind nicht zensiert, die Mangaka wählt jedoch Blickwinkel, in dem sie nicht als zu viel intime Bereiche abbildet. Womit der Titel auch einsteigerfreundlich ist.

Da die Reihe zuvor als Einzelband geplant war, lässt sich der Band auch abgeschlossen lesen und es gelingt ein durchaus passendes Ende, welches die Leser*innen zufrieden stimmt, aber auch einen gewissen Blick in die Zukunft gewährt.

Manga Cult bringt den Titel in seinem gewohnten Großformat. Darüber hinaus können sich die Fans auf eine Cover-Veredelung freuen, die das Thema des Mangas sehr gut aufgreift. Farbseiten gibt es nicht, dafür aber Steckbriefe mit weiteren Details zu den Helden im inneren des Einbandes.

Fazit

Twilight Outfocus erfindet das Rad storytechnisch sicherlich nicht neu, die Mangaka verleiht dem Titel durch spannende Ansätze in der zeichnerischen Umsetzung und auf der Erzählebene aber viel Leben. So findet man mit dem Band ein kurzzeitiges Lesevergnügen.

Zu empfehlen ist der Titel Fans von ruhigeren und authentischen Boys-Love-Titeln sowie Einsteiger*innen, die sich am Genre versuchen möchten.

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Bei diesem Manga handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir freundlicherweise von Manga Cult zur Verfügung gestellt worden ist. Vielen Dank dafür!

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