Rezension Mushishi

Mit Mushishi wagt sich Manga Cult an einen Manga heran, der sich vielmals gewünscht wurde, aber auch nicht zu den Mainstream-Reihen gehört. Worum es geht und ob sich der Kauf lohnt, erfahrt ihr in meiner Rezension.

Mushishi ist eine der Reihen, deren Lizenzierung ich mir schon lange in Deutschland erhofft hatte, aber auch für fast unmöglich hielt. Umso größer war dann die Überraschung, als Manga Cult den Manga schließlich angekündigte und in das Sommer-Programm 2020 aufnahm.

Mushishi erschien bereits vor mehr als zehn Jahren in Japan. Der Manga wurde von Yuki Urushibara 1999 in der Afternoon Seasons Zôkan begonnen und wechselte nach Einstellung des Magazins 2002 schließlich zum Monthly Afternoon, wo er bis August 2008 lief. Insgesamt umfasst die Reihe zehn Bände und erhielt in Japan zahlreiche Auszeichnungen. Unter anderem bekam Urushibara 2003 den Media Arts Award als Preis für Exzellenz und 2005 den Kodansha-Manga-Award in der Kategorie „Allgemeines“.

Der Manga wurde zudem in eine Anime-Serie adaptiert.

Eckdaten zum Manga

Text&Zeichnungen
: Yuki Urushibara
Originaltitel: Mushishi
Kategorie: Seinen | Genre: Fantasy, Mystery
Verlag: Manga Cult
Preis: 15€ | Großformat

In zehn Bänden abgeschlossen

Weitere Informationen & Leseprobe zum Band

Worum geht es?

Ginko ist Mushishi oder Mushi-Meister. Wir begleiten ihn von Ort zu Ort, um Menschen zu helfen, deren Leben von den Mushi beeinflusst wurde. Mushi das sind rätselhafte Wesen. Mushi sind die grundlegendsten Lebensformen. Sie koexistieren mit Pflanzen und Tieren und sind auf sie angewiesen, um zu überleben. Nur die wenigsten Menschen können sie sehen oder wissen um ihre Existenz. Dennoch wird ihr Leben in vielerlei Hinsicht von ihnen beeinflusst, ob im guten oder schlechten Sinne.

Meine Meinung

Mushishi wird episodisch erzählt, heißt, es ist vielmehr eine Reihe von vielen Kurzgeschichten. Es gibt zwar Referenzen zu anderen Kapiteln, allerdings denke ich, man könnte jede einzelne Geschichte auch ohne die vorherige lesen und verstehen. Ein Format, welches vielleicht Leser abschreckt. Bei Mushishi aber funktioniert dieses Konzept. In jedem Kapitel steht eine neue Art von Mushi im Vordergrund, die mit einer bestimmten Umgebung oder einem Menschen interagiert. Ginko wird in vielen Fällen zur Hilfe gerufen, manchmal trifft er aber auch durch Zufall auf die Mushi.

Trotz der meist nur 40 Seiten wird in den einzelnen Kapiteln dennoch eine gute Tiefe geschaffen und Emotionen geschürt. So gelingt es, trotzdem eine runde Geschichte zu schaffen, obwohl es keinen wirklichen “Anfang” und “Ende” zu geben scheint. Im ersten Band der Reihe gibt es insgesamt fünf solcher Kurzgeschichten, die alle unterschiedlich sind und einen mitziehen. Gleichzeitig wird auch klar, dass es nicht immer auf ein Happy End hinausläuft. Selbst wenn alles perfekt gelaufen ist und der Mushi vertrieben werden konnte, kann etwas anderes zu einem Desaster führen. So bleibt trotz des doch wiederkehrenden Musters einer jeden Episode auch das Überraschungsmoment. Man weiß als Leser nicht, ob die Begegnung ein tragisches Ende nehmen wird oder nicht.

Die Geschichten haben zudem häufig auch etwas Tiefgründiges und Philosophisches, was im ersten Band aus meiner Sicht insbesondere in den Kapiteln “Die Kissengasse” und “Der reisende Sumpf” zum Vorschein tritt. Beeindruckend an Mushishi ist auch, dass egal wie schlimm die jeweiligen Geschichten scheinen, sie dennoch eine gewisse Ruhe auszustrahlen. Es scheint kaum hektische Bewegungen zu geben. Bisher konnte bei mir einzig Pakt der Yokai eine ähnlich ruhige, aber dennoch packende Lese-Atmosphäre schaffen.

Verbunden werden die Geschichten durch die Existenz der Mushi als auch durch Ginko, dem einzigen wirklichen Charakter in dem Manga, der als Mushishi den Leuten seine Hilfe anbietet. Viel über sein Leben und seine Hintergründe haben wir im ersten Band noch nicht erfahren und es gibt nur vage Andeutungen in einer der Geschichten. Ginko war mir von der ersten Seite an sympathisch. Er wirkt eher wie ein entspannter Typ, kann aber auch sehr ernst werden, wenn die Situation es verlangt. Im ersten Band zeigt sich bereits, dass er sowohl die Menschen als auch die Mushi zu verstehen scheint, da er heraushebt, dass Mushi nicht böse seien, sondern lediglich versuchten zu überleben, wie jeder andere es tut. Ginko hat weißes Haar und ein grünes rechtes Auge. Sein linkes Auge fehlt, wie wir in einer der Geschichten erfahren. Warum, das bleibt noch im dunkeln.

Ginko ist zwar der Hauptcharakter der Reihe, aber nicht immer der wichtigste Charakter in einem Kapitel. Er steht nie im Rampenlicht und in einigen Fällen dauert es sogar, bis er aktiv in Erscheinung tritt. Auch ist er nicht allwissend, was gleichzeitig einen gewissen Reiz ausmacht. Der Leser geht quasi mit ihm gemeinsam das Problem an und weiß manchmal nicht viel mehr als Ginko selbst.

Der Zeichenstil von Mushishi ist schwer zu beschreiben. Er ist keineswegs brillant oder anatomisch sauber, aber dennoch gelingt es der Mangaka durch ihren doch unsauberen, skizzenhaften Stil eine gute, mystische und fantastische Atmosphäre aufzubauen. Die meisten menschlichen Charaktere sind besonders an Händen und Füßen sehr unsauber gezeichnet. Ihre Kleidung ähnelt derjenigen der Edo-Zeit, Ginko hingegen trägt modernere Kleidung mit einem weißen Hemd mit Knöpfen sowie einem Trenchcoat und langem Schal. Die Mushi sehen oft aus wie Bakterien- und Pflanzenhybride und scheinen insektenähnliche Eigenschaften zu haben. Besonders angetan haben es mir die Zeichnungen der Landschaften, die für eine dichte, fantastische Atmosphäre sorgen.

Die Panels sind übersichtlich gestaltet, so dass man der Story leicht folgen kann.

Die von Manga Cult gewählte Ausstattung passt meiner Meinung sehr gut zum Grundton und der Thematik des Mangas. Der Umschlag ist in einer rauen Pappe gestaltet, die einem Aquarell-Papier ähnelt. Gewünscht hätte ich mir einzig eine Klappenbroschur, um das Ganze noch ein wenig hochwertiger wirken zu lassen.

Fazit & Bewertung

Ich würde Mushishi jetzt nicht dem großen Action-Fan empfehlen. Mushishi ist ein Manga, der vor allem durch seine mystische Atmosphäre lebt und ich würde sogar so weit gehen, dass wenn einem die ersten Geschichten nicht gefallen, dass es im zweiten Band nicht besser werden wird. Für all diejenigen, die ruhige Geschichten oder Yokai-Manga mögen, für die aber wird Mushishi eine richtig gute Story werden. Ich habe den ersten Band wirklich sehr genossen und freue mich bereits auf die nächsten Abenteuer von Ginko.

Vielen Dank an Manga Cult für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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