[Anzeige, da Rezensionsexemplar]
Mit “Zashisu” legt Masanori Morita einen Thriller vor, der sich radikal von seinen früheren Arbeiten wie Rookies unterscheidet. Wo früher sportlicher Ehrgeiz, Kameradschaft und jugendliche Energie im Vordergrund standen, herrschen hier Dunkelheit, Schuld und Paranoia. In nur drei Bänden erzählt Morita eine verdichtete Geschichte über Rache und verdrängte Traumata.
In Japan erschien das Werk von Morita vom Dezember 2022 bis zum Mai 2024 im Seinen-Magazin Grand Jump, welches unter anderem für Werke von Shinichi Sakamoto oder Kei Toume bekannt ist.
Obwohl der Mangaka in Japan bereits einige Hits gelandet hat, ist “Zashisu” der erste Titel von ihm, der auf dem deutschsprachigen Markt erhältlich sein wird.

Story & Zeichnungen: Masanori Morita | Originaltitel: Zashisu | Übersetzung: Sophie-Marie Ludwig | Genre: Thriller, Horror | Demografie: Seinen | Verlag: Panini Manga | Preis: 8,99€| der Manga auf der Verlagsseite

Wie war’s?
Im Mittelpunkt steht Umi Yamauchi, ein junger Lehrer, der versucht, in einem verkrusteten Schulsystem moralisch zu handeln. Er beobachtet, wie Schüler gemobbt werden, doch die Leitung seiner Schule sieht lieber weg, um ihren Ruf zu wahren. Umi ist ein guter Mensch, aber gefangen in einem System der Gleichgültigkeit. Seine Freundin Tamao Yagisawa arbeitet als Lektorin in einem Verlag und führt ein chaotisches, lebendiges Leben, das in starkem Kontrast zu Umis Zurückhaltung steht. Als sie eines Tages ein Manuskript auf den Tisch bekommt, das den Titel Zashisu trägt, hält sie es zunächst für ein schlecht geschriebenes Werk. Erst später erkennt sie entsetzt, dass der Text reale Ereignisse beschreibt.
Kurz darauf erschüttert eine Serie brutaler Morde das Land. Ein ehemaliger Mitschüler Umis wird gefesselt und vom Dach gestoßen, ein anderer stirbt durch eine grausame mittelalterliche Foltermethode. Diese Gewaltdarstellungen sind nichts für Zartbesaitete. Die eigentliche Grausamkeit liegt aber in der psychologischen Spannung, im Wissen darum, dass jede neue Seite ein weiteres Stück Wahrheit freilegt.
Das Unheimliche ist die zu perfekte Überschneidung zwischen Realität und Fiktion. Die Taten, die im Manuskript beschrieben werden, geschehen wirklich. Tamao verliert die letzten Seiten des Textes, und niemand weiß, wie die Geschichte endet. Es scheint, als hätte der Autor des Manuskripts seine eigenen Rachefantasien Wirklichkeit werden lassen. Umi ahnt, dass mehr hinter den Ereignissen steckt, und gerät selbst in einen Strudel aus Erinnerungen, Schuldgefühlen und Angst.
Die Prämisse von “Zashisu” ist im Grunde nicht revolutionär. Das Motiv von Todesfällen, die sich mit der Handlung eines Romans überschneiden, ist im Bereich psychologischer und mysteriöser Thriller bereits bekannt und gerne genutzt. Dennoch nutzt Mangaka Masanori Morita das Konzept für einen spannenden Auftakt, der durch sein Tempo und seine bedrückende Atmosphäre überzeugt. Was man allerdings kritisieren kann, ist, dass einige Verbindungen und Twists doch etwas zu weit hergeholt wirken. Besonders der finale Wendepunkt, der eine engere Verbindung zum Hauptcharakter zieht, wirkt zu einfach und zu brüchig, um wirklich glaubhaft zu sein. Dadurch verliert der Band am Ende ein wenig von der Wucht, die er zuvor aufgebaut hat. Auch das ausgerechnet die nächsten Seiten des Manuskripts fehlen ist vielmehr der Erzählspannung als einer möglichst realistischen Darstellung geschuldet.
Erzählerisch zeigt Morita seine ganze Routine. Die Handlung springt zwischen Vergangenheit und Gegenwart, ohne den Leser zu verlieren. Der Rhythmus ist schnell, fast atemlos. Jede Seite ist mit Dialogen und Gedanken gefüllt, dennoch schafft er es, dass sein Manga nicht überladen wirkt. Die Spannung steigert sich stetig, und selbst ruhige Szenen tragen ein unterschwelliges Gefühl der Bedrohung.
Stilistisch hat Morita vorwiegend einen klaren, nüchternen Strich. Seine Figuren sind schlicht gezeichnet, ihre Gesichtsausdrücke tragien die enorme Tiefe. Allerdings neigt er hier aus meiner Sicht auch ein wenig dazu, die Emotionen zu überzeichnen, was manchmal etwas störend wirken kann.
Von Panini Manga wird der Titel im handelsüblichen Taschenbuchformat des Verlags herausgebracht. Als Extra liegt eine Postkarte bei, darüber hinaus wird der Band durch einige Farbseiten eröffnet.
Fazit
Masanori Morita zeigt mit diesem Werk, dass er mehr kann als Sportsdramen. Der Auftakt von “Zashisu” hatte für mich aufgrund einiger erzählischer Elemente zwar Schwächen, in der Summe aber war es ein spannender erster Band, der Lust darauf macht, mehr zu erfahren und insbesondere Fans von psychologischen Thriller gefallen dürfte.

Bei diesem Manga handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir freundlicherweise von Panini Manga zur Verfügung gestellt worden ist. Vielen Dank dafür!



