Herzlich willkommen auf meinem Mangablog. Hier findet ihr Rezensionen zu deutschen und englischen Manga sowie Beiträge über Themen und Aspekte, die mich an dem Medium interessieren. Ab und an schaue ich auch über den Tellerrand hinaus und schnuppere in Comic-Kunst abseits Japans hinein.

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Top 5 Einzelbände

Fünf Einzelbände, die in Erinnerung bleiben #1

[Triggerwarnung: Einige der genannten Titel beschäftigen sich mit Suizid, Vergewaltigung und körperliche Gewalt.]

Immer wieder hört man: Mir fehlt die Tiefe, sie sind anspruchslos, belanglos … Eigentlich schade, denn ich finde Einzelbände (oder auch viele Kurzgeschichten) bringen sehr viel mit. Wieso haben Einzelbände eigentlich so einen schlechten Stand?

Ja, sie sind oft nur Momentaufnahmen aus dem Leben eines Protagonisten, aber für mich gibt es so viele Einzelbände, die auf wenig Raum unheimlich viel schaffen, was mich nachhaltig immer wieder an den Titel denken lässt. Es ist eine großartige Möglichkeit, eine Geschichte zu erleben, auch wenn man gerade wenig Zeit hat. Mit einem Einzelband bekommt man im besten Fall eine in sich abgeschlossene Erzählung, die einem zum Lachen, Weinen oder Nachdenken bringt.

Heute möchte ich fünf Einzelbände vorstellen, die auch nach dem Lesen noch in Erinnerung bleiben. Ich habe mich auf Bände beschränkt, die auch in Japan Einzelbände sind. Heißt, wenn zum Beispiel ein Manga in den USA oder Deutschland zwar in einem Band zusammengefasst wurde, aber in Japan zwei Bände oder mehr hat, habe ich ihn nicht in meine Aufzählung aufgenommen.

trennliniene 1 Manga

Boy Meets Maria

Boy Meets Maria bei Seven Seas| von Peyo| Sprache: Englisch | Boys Love, Drama| ca. 12,99€ (Preis variiert, da keine Preisbindung in den USA)

boymariacover Manga

Nach dem Cover hatte ich nicht erwartet, dass die Geschichte zwischendurch doch recht düstere Töne anschlägt. Eine einfache Geschichte, aber großartig umgesetzt. ⁠

Nach den ersten Seiten war ich mir unsicher, ob der Oneshot mir nicht zu flach und einfach ist, aber umso mehr der Band voranschreitet, desto mehr entfaltet sich die Geschichte und regt zum Nachdenken an. Wir folgen einem Jungen namens Taiga, dessen Traum es ist, ein Held zu werden. Um das zu erreichen, tritt er der Theater-AG bei und lernt dabei Maria kennen. Er verliebt sich sofort und auch als er feststellt: Maria trägt Jungsuniform und heißt eigentlich Arima ändert sich das Gefühl nicht. ⁠

Maria, deren richtiger Name Arima ist, hat in seiner Vergangenheit viel durchgemacht und ein Trauma erlebt. Ähnlich wie Taiga. Beide haben sich dadurch verändert und tun sich schwer, ihr wahres Ich nach außen zu tragen. Und genau das lässt Peyo die Leser*innen fühlen. ⁠

Arimas Auseinandersetzungen mit seinem Geschlecht war anders, als ich es bisher gelesen habe. ⁠Wenn man mit den oben angesprochenen Themen umgehen kann, empfehle ich den Einzelband.


My Broken Mariko

My Broken Mariko bei Egmont Manga| von Waka Hirako| Sprache: Deutsch | Josei / Drama|  12,00€

marikocover Manga

My Broken Mariko handelt von Tomoyo Shino, die durch die Nachrichten erfährt, dass ihre beste Freundin Selbstmord begangen hat. Shino war immer an Marikos Seite, selbst als ihre Freundin zu Hause misshandelt wurde, Depressionen hatte und sich selbst verletzte. Sie war Marikos Rettungsanker in einer Welt des Schmerzes und des Missbrauchs, und ihr Tod kam für sie überraschend. Jetzt, in einer Welt der Trauer, macht sich Shino auf den Weg, um Marikos Asche von den Menschen zurückzuholen, die sich nie um sie gekümmert haben, und sie an einen Ort zu bringen, an den sie schon immer gehen wollte.

Der Einzelband ist eine Geschichte über Liebe, Verlust und dem Überwinden der Trauer.

Die Zeichnungen von Waka Hirako unterscheiden sich stark von dem, was man bei dieser Art von Manga erwarten würde. Ihr Stil ist ausdrucksstark, sowohl was die Gesichtszüge als auch was die Körperbewegungen angeht. Der erste Panel zieht einen in den Bann. Ihr Stil wechselt zwischen rau und skizzenhaft, bis ins Detaillierte. Vielleicht hilft das gerade, um beim Lesen nicht völlig in ein dunkles Loch zu fallen. Die Mangaka hat einen leichten Stil, baut sogar Comedy ein. Es stört sie nicht, ihre Figuren “hässlich” wirken zu lassen, wenn Rotz und Tränen fließen. Für mich mitreißend.


Our Summer Holiday

Our Summer Holiday bei Carlsen Manga| von Kaori Ozaki| Sprache: Deutsch | Seinen / Drama|  7,99€

summerholiday Manga

Dieser einbändige Coming-of-Age-Manga wird aus der Perspektive von Natsuru Nanao, dem Protagonisten, erzählt, der sich an den Sommer seiner Kindheit erinnert, als er Rio Suzumura kennenlernte: Ein introvertiertes Mädchen, mit dem er sich anfreundete.

Er verbringt den Sommer mit Rio auf Kosten seines Fußballtrainings. Was als scheinbar unschuldige Freundschaft beginnt, nimmt bald eine dunkle Wendung, die man bei dem unschuldigen Cover so gar nicht erwartet.

Der Twist ist eines der größten Verkaufsargumente des Titels und hat mich auch nach dem Zuklappen des Buches noch beschäftigt. Mit der Wendung gelingt es Mangaka Kaori Ozaki, einen wirklich spannenden und ergreifenden Manga zu schaffen, der sich schnell in meine Top-Einzelbände katapultieren konnte.


Not Simple

Not Simple bei VIZ Media| von Natsume Ono | Sprache: Englisch | Seinen / Drama | ca. 14,99€ (Preis variiert, da keine Preisbindung in den USA)

notsimplecover Manga

Natsume Ono beginnt die Handlung am Ende. Nicht immer passend, hier aber irgendwie schon. Dann begeben wir uns wieder an den Anfang und begleiten den Protagonisten Ian, einen Jungen, der aus komplizierten Familienverhältnissen stammt, durch sein Leben. Ians Kindheit ist alles andere als einfach. Dennoch wird er durch all dieses Leid keineswegs pessimistisch. Er hat ein großes Ziel und als er dieses erreicht, wartet ein neues Ziel auf ihn. Denn er nimmt sich vor, seine Schwester zu finden, von der er nur weiß, dass sie irgendwo in den USA ist. Ian hat einen Optimismus und eine Unschuld, der durch das Leben, das es nicht gut mit ihm meint, immer wieder auf die Probe gestellt wird.

Eine weitere, wichtige Figur ist Jim. Ein Reporter, den Ian noch in seiner Heimat trifft und der beginnt, sich für das Leben von Ian zu interessieren. Durch Jim ist Ian in der Lage, sich langsam seiner Vergangenheit zu öffnen. Jim ist fasziniert und möchte einen Roman über Ians Leben schreiben. ⁠

Not Simple ist eine Mischung aus Optimismus, Mitgefühl und erschütternder Traurigkeit. Ein Werk, welches ich zu meinen liebsten Einzelbänden zähle, aber bei dem ich auch denke, dass es Herausforderungen an die Leser*innen mitbringt.

Nicht nur, was die Story angeht. ⁠Onos Zeichenstil ist ohnehin nicht das, was den Nerv des Mainstreams trifft, doch hier hat man eines ihrer frühen Werke, in denen der Stil noch einmal deutlich minimalistischer ist. Dennoch funktioniert das, aus meiner Sicht, in diesem Manga. ⁠

Ich würde den Manga denen empfehlen, die gerne melancholische Geschichten lesen und sich auf Stile abseits der Norm einlassen können. Denn dann wird man einen tollen Einzelband bekommen. Leider aber auch nicht auf Deutsch. Ono wird hier mit Nichtbeachtung gestraft.


Let’s Go Karaoke

Let’s go Karaoke bei Yen Press | von Yama Wayama | Sprache: Englisch | Seinen / Drama, Comedy | ca. 13,49€ (Preis variiert, da keine Preisbindung in den USA)

letsgokaraoke Manga

Von Mangaka Yama Wayama hatte ich bereits im letzten Jahr “Captivated, By You” gelesen. Einen Kurzgeschichtenband, der durchaus spannende Themen hatte und mich durch einen ganz eigenen Stil beeindrucken konnte.

So habe ich auch “Let’s go Karaoke” eine Chance geben, obwohl mich die Kurzbeschreibung zunächst nicht so recht angesprochen hatte. Der Titel wurde ursprünglich auf dem Doujin-Event COMITIA 129 veröffentlicht, erschien 2019 aber auch im Seinen-Magazin Comic Beam. Bei Yen Press erscheint der Band im Softcover-Großformat. Ein bisschen schade, weil der Vorgänger eine Hardcover-Veröffentlichung erhielt und eigentlich einen ähnlichen Preis hatte.

In Let’s go Karaoke macht sich Satomi Oka Sorgen über den bevorstehenden letzte Chorwettbewerb seiner Mittelschulkarriere – bis er von einem Fremden aus dem Schatten angesprochen wird, der verlangt: “Lass uns Karaoke singen gehen!” Als Yakuza ist Kyouji Narita nicht leicht in Angst zu versetzen, doch ein Event in der Zukunft bereitet ihm Kopfzerbrechen. Der Boss veranstaltet einen Karaoke-Wettbewerb, bei dem der Verlierer gezwungen ist, sich ein Tattoo stechen zu lassen, das vom Boss selbst ausgewählt und auf quälende Weise angebracht wird! Oka hat im Laufe der Jahre schon an vielen Gesangsproben teilgenommen, aber noch nie an einer Karaoke-Session mit einem Yakuza.

Nicht alles an dem Oneshot ist perfekt und doch hatte ich Spaß bei dieser durchaus eigenwilligen Story mit einem absurden Plot. Ich meine: Einen Yakuza, der Gesangsunterricht bei einem Jungen nimmt, weil er Angst hat, bei einem Wettkampf des Clans zu verlieren und dann vom Chef ein Tattoo gestochen zu bekommen?

Es gibt auch hier einen unterschwelligen BL-Ansatz, der nie ganz zu einer wirklichen Romanze führt und ich glaube, man auch anders interpretieren kann. Daneben hat der Einzelband eigentlich doch mehr Tiefe zu bieten, als man vielleicht vermutet. Insbesondere Satomi hat mit seinem Stimmbruch und den Folgen für seine Rolle im Chor zu kämpfen. Durch seine Treffen mit Kyouji entwickelt sich der Junge charakterlich aber auch weiter und ich liebe diesen Humor von Wayama, den sie irgendwie hervorragend in den Zeichnungen abbilden kann.

Wayama hat einen Zeichenstil, den ich ebenfalls als “speziell” bezeichnen würde. Diese Art halt, die jeden abschrecken wird, der nur oberflächlich auf das Artwork schaut und sich dann bereits von einem Titel abwendet, weil es nicht der glattgeleckte moderne Stil ist. Für mich hat die Mangaka aber wieder einen Oneshot geschaffen, der Tiefe bietet und bei dem man sich auch nach dem Zuklappen noch einige Zeit damit beschäftigt.

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