Rezension - Life mit dir ans Ende der Zeit

Akira und Yuki finden im Jugendalter zueinander und es scheint, als seien sie füreinander bestimmt. Doch umso älter die beiden werden, desto mehr scheinen die verschiedenen Erwartungen an das Leben sich zu offenbaren.

Life – mit dir ans Ende der Zeit ist ein weiterer Boys-Love-Einzelband, der mit Miya Tokokura eine neue Mangaka auf den deutschen Markt einführt. In Japan erschien der Manga von 2016 bis 2017 in der Hanaoto unter dem Titel Life: Senjou no Bokura. 2020 erhielt der Titel zudem eine Live-Action-Adaption.

ECKDATEN ZUM MANGA

Text&Zeichnungen
: Miya Tokokura
Originaltitel: Life: Senjou no Bokura
Genre: Boys-Love, Romance
Verlag: KAZÉ-Manga
Preis: 6,95€

Weitere Informationen & Leseprobe

Worum geht’s?

Die Oberschüler Yuki und Akira balancieren jeden Tag auf einer schmalen, weißen Straßenmarkierung. Sollte Yuki sie verlassen, wartet eine Meute hungriger Haie auf ihn, Akira indes malt sich in seiner Fantasie aus, dass er in Spitze Kristalle stürzen wird. Als sie sich eines Tages entgegenkommen, stehen sie vor einer Herausforderung, denn niemand soll “abstürzen”. Kurzerhand packt Akira Yuki und mit einer schnellen Drehung tauschen sie die Seiten. Eine Entscheidung, die zugleich den Auftakt in eine lebenslange Beziehung geben sollte.

Wie war’s?

Die Handlung von Life – mit dir ans Ende der Zeit wird von der Mangaka in mehren Episoden erzählt, die man als kleine Ausschnitte eines Lebens sehen kann. Die jeweiligen Ausschnitte oder Kapitel sind jeweils mit dem Alter der Protagonisten betitelt und befassen sich mit einem bestimmten Zeitraum in der Beziehung der beiden Männer zueinander. Durch die Wahl dieses Erzählstils ist die Entwicklung, die die Beziehung durchmacht wirklich erkennbar und aus dem Leben gegriffen. Da ist die erste Begegnung im jugendlichen Alter, die zu einem wiederkehrenden Ritual führt, welches wiederum dafür sorgt, dass die beiden Charakter auf Dauer beginnen, sich immer mehr mit dem anderen zu befassen. Aus einer flüchtigen Bekanntschaft von dem Schulweg wird Freundschaft, aus der schließlich etwas größeres erwächst.

Auch wird Wert daraufgelegt, dass wir hier nicht die perfekte Geschichte erleben. Sie nähren sich an, entfernen sich aber auch wieder voneinander, da sie andere Erwartungen an ihre Zukunft zu haben scheinen. Genau möchte ich auf diesen Abschnitt aber nicht eingehen, um euch nicht zu viel über den Verlauf der Liebesgeschichte zu verraten. So viel sei aber gesagt: Wer nah am Wasser gebaut ist, sollte Taschentücher bereit halten.

Was die Mangaka zeigt, ist ein Abbild des realen Lebens und keine perfekten Charaktere. Insbesondere Akira hat mit sich zu kämpfen, strauchelt über den Verlauf der Handlung immer wieder und ist derjenige, der fast alles zum Einsturz bringt, da er glaubt, mit Yuki an seiner Seite kein Leben zu führen, welches der Norm entspricht und in das Familienbild der japanischen Gesellschaft passt. Obwohl sich Akira in diesen Augenblick nicht fair gegenüber Yuki verhält, schafft es die Mangaka, ihn dennoch menschlich wirken zu lassen. Seine Beweggründe sind aufgrund der Hintergründe und des sozialen Drucks in Japan durchaus verständlich und wirken so nicht als unnötiges Drama-Element.

Auch wenn durch die einzelnen Zeitabschnitte ein rundes Bild der Beziehung geschafften wird, geht durch diese Wahl der Erzählform doch etwas Tiefe im Manga verloren und es wäre schöner, wenn der Geschichte rund um die beiden Männer noch ein zweiter Band spendiert worden wäre. Man hat beim Lesen zwar nicht das Gefühl, als würde es den Charakteren an Tiefe und Entwicklung fehlen, dennoch wäre es schön gewesen, auch mehr über das Umfeld zu erfahren und insbesondere den Abschnitten mehr Raum zu geben, in denen beide Charaktere bereits älter sind.

Ein schönes Stilmittel, welches die Mangaka einbaut, ist die Symbolik der Straßenmarkierung. Während sie im ersten Kapitel sehr präsent ist und dazu führt, dass die beiden Charaktere überhaupt zu einander finden, taucht sie auch danach immer wieder auf. Sei es um zu verdeutlichen, dass die Akira und Yuki etwas miteinander verbindet oder aber, um das Ende des gemeinsamen Weges zu verdeutlichen. Aber auch die Linie an sich findet in der Symbolik ihre Verwendung, als eine Art Grenze, die übertreten werden muss, um einen neuen Abschnitt in der Beziehung zu beginnen.

Miya Tokokura hat einen sehr filigranen Zeichenstil mit dünnen Linien und hellen Kontrasten. Insbesondere in melancholischeren Szenen können die Zeichnungen aber auch dunkler werden und spiegeln so die jeweilige Atmosphäre perfekt wieder. Mit Hintergründen geht die Mangaka sparsam um und zumeist sind diese einfach gestaltet. Der Panelstil ist typisch für das Genre: Tokokura arbeitet mit unterschiedlicher Panelgröße, die sich auch mal überlappen können und nicht klar voneinander getrennt sind. Dennoch ist dem Geschehen leicht zu folgen. Besondere Szenen werden durch Panel herausgehoben, die über eine ganze Seite oder aber eine Doppelseite gehen.

Noch ein Wort zum Thema Erotik: Erotische Szenen gibt es in dem Einzelband zwar auch, der Fokus aber liegt klar auf den anderen Faktoren der Beziehung und so bleibt es bei kurzen Szenen in diese Richtung.

Fazit & Bewertung

Life – mit dir ans Ende der Zeit hätte für mich zwar einige Kapitel mehr benötigt, um wirklich ein rundes und mehrdimensionales Bild zu zeichnen, schafft es aber dennoch eine realistische und ergreifende Geschichte über ein homosexuelles Paar zu erzählen.

Der Einzelband ist insbesondere denen zu empfehlen, die im Boys-Love-Bereich insbesondere Geschichten mögen, die sehr lebensnah erzählt sind und Charaktere aufweisen, die auch mal Fehler machen und falsche Entscheidungen treffen.

Vielen Dank an KAZÉ-Manga für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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